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14.5.1610: Heinrich IV. ermordet
Bis heute lebt der König! Er lebt als Weichkäse in den Supermärkten, und er lebt da, wo er starb. In der 11, Rue de la Ferronnerie in Paris ist im Boden eine Plakette mit einer Lilie eingelassen. Sie markiert die Stelle, an der Francois Ravaillac, ein fanatischer Mönch, den König am 14. Mai 1610 ermordete.

Der König war Henri IV., Begründer der Bourbonen-Dynastie auf dem französischen Thron und bis heute bekannt als König der Sinnesfreuden, aber auch als ein König, der dem Volk nahe war. Sein Satz: "Ein Huhn in jede Suppe" ist bis heute bei den Franzosen beliebt. Ein anderer Satz des Königs zeigt die andere Seite seiner Herrschaft. "Paris ist eine Messe wert!"

Der Protestant Henri kam nicht ohne Schwierigkeiten auf den Königsthron. Als seine Mutter, Königin von Navarre 1572, und dann noch sein Bruder 1584 starb, war Henri der rechtmäßige Anwärter auf den Königstitel. Doch er war Protestant und damit für die Heilige Liga unmöglich als König zu akzeptieren.

Erst 1589, nach einem erbitterten Krieg im eigenen Lande gegen die Vertreter des Katholizismus, wurde er von Henri III. als Nachfolger anerkannt. Doch der Kampf war längst noch nicht beendet. Neun weitere Jahre standen sich Henri IV. und die Liga um den Herzog von Mayenne und den alten Kardinal de Bourbon gegenüber. Es folgen Schlachten über Schlachten, doch Chartres und Noyon leisteten erbitterten Widerstand.

Dann plötzlich die Wandlung: Henri wirft seine religiösen Überzeugungen über Bord. Zu wichtig ist der Sieg. "Paris ist eine Messe wert!" Aus Henri IV., dem Hugenotten, wird Henri IV., König der Franzosen, und in einer feierlichen Messe in Paris tritt Henri zum katholischen Glauben über.

1695 reagiert auch Rom. Papst Clemens VIII hebt den Kirchenbann auf. Doch Henri blieb im Innern stets mehr Protestant als Katholik. Zumindest war er am Miteinander der Religionen interessiert. Das Edikt von Nantes im April 1698 erkennt den Glauben der protestantischen Minderheit, der Hugenotten, an. Es ist ein Edikt, das in die Geschichte der Toleranz in Europa eingeht. Hugenotten konnten nun ihren Glauben offen praktizieren, waren aber vom Stadtkern Paris' innerhalb von fünf Meilen immer noch verbannt.

Langsam kehrte mit dem Toleranz-Edikt auch der innere Friede ein. Henri IV. wandelt sich erneut. Vom König des Krieges wird er nun zum weisen Herrscher, der Frankreich ausbaut. Für Historiker legt der erste Bourbonen-König die Grundlagen des Absolutismus.

Unterstützt von seinem Staatsminister Sully, einem Protestanten, bringt er Niederländer ins Land und nutzt ihr Wissen um Küstenschutz und Moortrockenlegung. Aus Italien holt sich Henri Weber und Handwerker.

Die bedeutendsten Tapesterien und die Teppichfabrik von Savonnerie entstehen. Handelsverträge mit den Hansestaaten, England und Spanien, sogar mit der Türkei sichern den wachsenden Wohlstand der Franzosen. Ein Wohlstand, der sich auch beim Volk bemerkbar macht. Sie verehren den König. Wie gesagt: "Ein Huhn in jede Suppe."

Henri IV. war kein Gelehrter, aber er schätzte die Literatur, die Künste, und auch die Frauen liebte er. In ihm zeigte sich all das, was in seinen Söhnen und Erben am deutlichsten wurde: der Glanz, aber auch die Prunksucht des französischen Königshauses, des Hauses Bourbon, das er auf den Thron führte und das in Person von Ludwig des XIV. als Sonnenkönig seinen dramatischen Höhepunkt erlebte.

Autor: Jens Teschke
   
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