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22.8.1920: Erste Salzburger Festspiele
Jedermannn kennt sie - die Geschichte vom "Jedermann", dem reichen Sünder, der glaubt, mit Geld alles kaufen zu können, bis ihn der Tod eines besseren belehrt.

"Jedermann": "Was will mein Gott von mir? Abrechnung halten will er mit Dir und unverweilt. Ganz und gar bin ich unbereit für solch eine Rechnung legen. Ich bin ein mächtig reicher Mann, die Sach soll aufgeschoben sein- Nein!"

Alljährlich bildet die Aufführung des "Jedermann" den Auftakt zu den Salzburger Festspielen, die jeden Sommer in der österreichischen Barockstadt stattfinden. Neben Theater- stehen auch zahlreiche Konzert- und Opernaufführungen auf dem Programm des Kulturfestivals, das zu den teuersten und bedeutendsten der Welt zählt. Jährlich kommen über sechs Millionen Besucher in die Stadt, gern gesehene Gäste, denn das Geschäft mit dem Tourismus macht rund ein Viertel des lokalen Bruttosozialprodukts aus.

1920, im ersten Jahr der Festspiele, war man nicht so fremdenfreundlich: "1. Juli 1920: Die Salzburger Landesregierung verfügt eine Einreisebeschränkung für Fremde, und die Salzburger Festspielhaus-Gemeinde verpflichtet sich, keine Propaganda in auswärtigen Städten für die Aufführungen zu machen. Extrazüge in Richtung Linz-Wien, Zell am See und Bad Ischl sollen für die rechtzeitige Abreise der Gäste sorgen."

Grund für die wenig einladende Haltung der Kommune war die schlechte Versorgungslage. Der Erste Weltkrieg hatte seine Spuren hinterlassen, es herrschte Inflation, Mangel an Heizmaterial und Lebensmitteln. Es war eine arme Zeit, in der die heute so glanzvollen Festspiele ihren Anfang nahmen.

Die Vorgeschichte der Festspiele ist lang und kompliziert. Seit den ersten Plänen der Vorkriegszeit verzögerten immer wieder Querelen um Konzepte und Kompetenzen, vor allem aber der chronische Geldmangel die Umsetzung. 1918 begeisterte sich der berühmte Theatermann Max Reinhard für die Idee der Festspiele. Reinhard war als junger Mann in Salzburg am Theater engagiert gewesen, bevor er in Berlin große Karriere machte.

Mit seinem Dichterfreund und Mitarbeiter Hugo von Hofmannsthal entwickelte Reinhard ein Konzept, das Theater wieder in die mittelalterliche und antike Tradition zu stellen: Aufführungen nicht nur für gebildete wohlhabende Großstädter, sondern das ganze Volk. Was passte da besser als Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel "Jedermann" mit seiner einfachen Sprache und seiner überdeutlichen Moral. Tod und Teufel erscheinen persönlich, ebenso wie der Glaube und das Geld:

"Jedermann": "Wer bist denn du? Kennst vom Gesicht mich nit? Dein Reichtum bin ich halt, dein Geld, dein Eins und Alles auf der Welt."

Auch die Inszenierung wollte die Grenzen des konventionellen Theaters sprengen. Reinhard benutzte den Salzburger Dom als Kulisse, vor dem man eine improvisierte Holzbühne aufgebaut hatte. Das Stück begann am späten Nachmittag und endete mit Einbruch der Dämmerung. Die Schauspieler griffen vom Zuschauerraum in die Handlung ein, die Jedermannn-Rufe erschallten von der Festung Hohensalzburg herüber, Orgel und Chor tönten aus dem Dom heraus.

"Jedermann": "Ich schrei zu dir in letzter Stund, o ewiger Gott, o mein Erlöser, steh mir bei, wenn der höllische Feind sich drängt herbei."

Und wenn in der Schlussszene "Jedermann" doch noch bereut und vor dem Zugriff des Teufels gerettet wird, läuteten die Glocken des Doms und Tauben flattern auf.

Autorin: Rachel Gessat
   
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