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26.11.1966: Wohnungen im "Märkischen Viertel"
Die Häuser Dannenwalder Weg 130 bis 134 waren die ersten Wohnblocks, die die Gesobau AG, die Gesellschaft für sozialen Wohnungsbau, im Märkischen Viertel, dem östlichsten Ortsteil des Bezirks Reinickendorf, baute. Offiziell wurden die Wohnungen am 1. August 1964 bezogen.

Lauben zu Wohnblöcken

Wo das Märkische Viertel steht, war früher Laubengelände. Die Lauben wurden aber nicht nur für Erholungszwecke genutzt, sondern als Dauerwohnsitze. Schließlich herrschte in den 1950er-Jahren in Berlin Wohnungsnot. Erste Initiativen zur Sanierung des Gebiets entwickelte der Bezirk Reinickendorf in den 1950er-Jahren. Nach dem Mauerbau 1961 zog der West-Berliner Senat die Planungen an sich. Anderthalb Jahre später, im Frühjahr 1963, verkündete der damalige Bausenator Rolf Schwedler:

"Die Aufgabe, dieses große, wild besiedelte Gebiet beiderseits des Wilhelmsruher Damms zu erschließen und neuzeitlich zu bebauen, ist nicht von gestern, sondern die besteht eigentlich schon aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Die soziale Situation, die soziologische Struktur ist aber genauso betrüblich, wie wir das zum Teil in den innerstädtischen Sanierungsgebieten, da, wo also die überalterten Mietkasernen stehen geblieben sind, haben."

Schon ein Jahr nach Baubeginn waren die ersten Wohnungen fertig und konnten 1964 bezogen werden: schöne helle, geräumige Wohnungen, aber drum herum sah es wenig einladend aus. Es fehlten Straßen, Parkplätze und Geschäfte. Es gab nur Sand und Matsch damals, als die ersten Bewohner einzogen. Dennoch reagierten Mieter auf solche und andere Unzulänglichkeiten gelassen.

Aus dem Boden gestampft

Mit den Bauarbeiten ging es im Märkischen Viertel flott voran. 1966, nur zwei Jahre, nachdem die ersten Mieter eingezogen waren, konnte die Gesobau AG den eintausendsten Wohnungsschlüssel übergeben. 1974, knapp elf Jahre nach dem Startschuss, standen 17.000 Wohnungen für rund 50.000 Menschen zur Verfügung.

So sehr das Märkische Viertel in den Anfangsjahren gelobt wurde, so sehr geriet es Ende der 1960er und Anfang der 1970er-Jahre in Verruf. Wie sich Rolf Brüning, der Vorstandsvorsitzende der Gesobau AG erinnerte, hatte das nicht mit dem Zustand der Siedlung zu tun, sondern es war eine politisch motivierte Debatte.

Ein Musterbeispiel?

Die Fertigstellung des Märkischen Viertels fiel in die Zeit, in der in Deutschland über Grenzen des Wachstums heftig diskutiert wurde. Unter anderem wurde das an Betonbauten in Großsiedlungen festgemacht. Dafür war das Märkische Viertel ein Musterbeispiel. Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsender wollten den Mieterinnen und Mietern der Siedlung weismachen, wie unmenschlich ihre Wohnsituation sei. Allein, die Journalistinnen und Journalisten machten die Rechnung ohne den Wirt, wie Rolf Brüning zu berichten wusste:

"Es ist deshalb gescheitert, weil die Bevölkerung sich hier wohl fühlte. (…) aus diesem Grunde hatte die Agitation eben keine Resonanz in der Bevölkerung gefunden. (…) deshalb ging das hier auch völlig ruhig zu. Nur der Name war ruiniert. (…) deshalb musste der Name korrigiert werden. Die Zustände nicht. Es war immer ein Gebiet, in dem sich Familien gedeihlich entwickeln konnten."

   
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