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19.8.1893: Patent für Reißverschluss
Wer ihn schließt, hat grundsätzlich etwas zu verbergen, wer ihn öffnet, hat meistens Eile. Er führt ein zumeist verstecktes und verschlossenes Dasein. Erst durch ein paar kräftige Züge einer US-amerikanischen Praktikantin an einer präsidialen Hose trat er ungewollt ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Seitdem ist der Zipper mehr als nur ein gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand.

Seinen Siegeszug trat der Reißverschluss bereits 1893 an. Ein US-amerikanischer Ingenieur, er hieß Whitcomb Leonard Judson, hatte sich mal wieder darüber geärgert, dass er nur mit Mühe seine Schuhe zuschnüren konnte. Judson, ein etwas beleibter Mann, sann nach einer bequemeren und vor allem schnelleren Methode. Dank der kreativen Schübe seines Erfindungsgeistes entwarf er am 19. August jenes Jahres ein Schnellschluss-Verfahren, das er als Patent in den USA anmeldete. Der klangvolle Name des Patentes war "Klemmöffner und Klemmschließer für Schuhe".

Klemmöffner und Klemmschließer

Gebrauchsanweisung: "Ein Verschluss, gekennzeichnet durch zwei parallel einander gegenüberstehende Gliederketten, deren gegenüberliegende Glieder der Reihe nach miteinander in Eingriff kommen, wobei jedes in Eingriff gebrachte Gliederpaar durch das darauf folgende Glied gegen Loskuppeln gesichert wird, in Verbindung mit einem Gleitstück, welches über die Ketten geführt wird und durch seine Kanalwanderung die Kettenglieder bei Entlangschieben über die Ketten so um ihre Gelenkzapfen dreht, dass sie selbsttätig ineinander greifen."

So sperrig die Gebrauchsanweisung und der Name für den Reißverschluss waren, so sperrig waren auch die ersten Modelle. Der Verschluss klemmte oder ging von selbst auf - und das natürlich zur ungeeignetsten Zeit.

Deshalb musste Judson's erste Reißverschlussfabrik der Welt, die in New York eröffnet wurde, zwischendurch Knöpfe produzieren, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Lange Zeit blieb der Klemmöffner eine haklige Angelegenheit. Doch er setzte sich immer mehr durch, als sich sein Einsatz vom Schuh zu anderen Kleidungsstücken verlagerte.

Aufreißer in Serie

Durch eine Weiterentwicklung des Schweden Gideon Sundback brachte es der Aufreißer 1913 zur Serienreife und entwickelte sich schnell zum Objekt der Begierde. Frauenkörper bevorzugten jetzt Reißverschlüsse statt Schnürmieder, das Militär Zipper statt Schnallen und Gurte.

Im Ersten Weltkrieg hielt der Zipper Fliegeranzüge und Taschen zusammen, US-amerikanische Soldaten trugen die Erfindung um die ganze Welt. 1930 erhielt der Reißverschluss die Weihen der Haute Couture, als die Pariser Modeschöpferin Elsa Schiaparelli den Reißverschluss salonfähig machte.

Wenige Jahre später setzte die Schauspielerin Rita Hayworth den Reißverschluss ins rechte Licht, als sie ihren Filmpartner bat, ihr beim Schließen der Abendgarderobe behilflich zu sein. Und als Schlitzschließer für den Mann erhielt er sein Gütesiegel vom Herzog von Windsor, der damals in der Herrenmode tonangebend war.

Unfällige Revolution

Heute fällt der Reißverschluss nur noch auf, wenn er klemmt und die Not groß ist. Der größte Feind des Knopfes ist nicht mehr aus dem Alltagsleben wegzudenken. Als Erfindung ist er so revolutionär wie das Rad oder die Sicherheitsnadel. Wer heute dort Knöpfe hat, wo eigentlich ein Reißverschluss hingehört, ist Sklave des Zeitgeists.

Durchgeknöpfte Jeans mögen schick sein, praktisch aber sind sie nicht. Mit dieser Entwicklung hatte Judson nicht mehr gerechnet: Er starb im Jahre 1909, ohne den Siegszug seines Patentes noch erleben zu können.


Autor: Peter Koppen
   
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