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25.7.2000: Absturz der Concorde
2200 Kilometer pro Stunde, in 3 1/2 Stunden von Paris nach New York: Die Concorde war eines der ersten Überschall-Verkehrflugszeuge der Welt. 1969 von Briten und Franzosen erbaut, sollte sie zu einem der Symbole technischen Fortschritts sein. Schnell stellte sich jedoch heraus: die Concorde war eher Prestige-Objekt, denn profitables Geschäft.

Sie geriet in den Ruf eines reinen Luxusflugzeuges, Ticketpreise lagen bei mehr als 8.000 Euro. Der Grund dafür lag vor allem in dem hohen Spritverbrauch, der knapp drei Mal so hoch war wie bei einem normalen Jet. Aber sie galt sie als relativ sicher.

Nur zwei Minuten bis zum Absturz

Der 25. Juli 2000: Es war Nachmittag in Gonesse, einem Vorort nördlich von Paris, als sich Augenzeugen eine schreckliche Szene bot: Vor ihren Augen flog eine brennende Concorde in wenigen Metern Höhe nur noch knapp über eine Autobahn. Dann stürzte sie ab, in ein Hotel.

Vom Start des Flugzeugs bis zum Zeitpunkt des Unglücks hatte es nur zwei Minuten gedauert: Wie jeden Tag war die Concorde von Paris Richtung nach New York gestartet. Doch schon in den ersten Sekunden, beim Beschleunigen auf der Startbahn, fing es plötzlich Feuer.

Der Schub war bereits zu groß, die Concorde konnte den Start nicht mehr abbrechen und musste abheben. Der Pilot versuchte noch, sie so lange wie möglich in der Luft zu halten, aber sein Plan, den nah gelegenen Flughafen Le Bourget zu erreichen, scheiterte.

"Deutschland ist erschüttert"

Alle der 109 Insassen und vier Hotelangestellte starben. Unter den Passagieren waren 97 Deutsche, die sich auf dem Weg zu einer Karibikkreuzfahrt befanden.

"Deutschland ist erschüttert, Deutschland ist fassungslos.", sagte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder auf einer Trauerfeier in Hannover. "Unser Respekt gilt den Toten, unser Mitgefühl den Angehörigen." Bemüht um eine schnelle Entschädigung, bezahlte die betreibende Fluggesellschaft Air France den Betroffenen schon kurze Zeit nach dem Absturz ein hohes Schmerzensgeld.

Fatale Kettenreaktion

Die Aufklärung des Unglücks gestaltete sich äußerst schwierig. Nach jahrelangen Ermittlungen stellte es sich heraus, dass die Concorde beim Start auf der Startbahn über eine Lamelle gerollt war, die zuvor von einer Continental-Maschine abgefallen war.

Erst zehn Jahre nach dem Unfall, Anfang 2010, begann der Prozess, angeklagt war die US-amerikanische Fluggesellschaft Continental. Deren Maschine war vor der Concorde gestartet und soll dabei das Metallteil verloren haben.

Weitere Angeklagte waren zwei Verantwortliche der Concorde. Ihnen wurde eine Mitschuld am Geschehen zugeschrieben, nachdem sich ergab, dass auch der schlechte Zustand des Flugzeugs Grund für den Absturz gewesen war. Offensichtliche Mängel an Reifen und Tank waren im Vorfeld nicht behoben worden.

Im Dezember 2010 gab dann das Gericht in Pontoise bei Paris der Fluglinie Continental Airlines und einem Mechaniker des Unternehmens eine Mitschuld an dem Absturz. Es verurteilte das Unternehmen wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 200.000 Euro und den Mechaniker zu 15 Monaten Haft auf Bewährung. Außerdem musste Continental eine Million Euro Schadenersatz an Air France zahlen.

Das Aus der Concorde

Tatsächlich galt die Technik der Concorde schon vorher als zunehmend veraltet, vermehrt wurde von Rissen in den Flügeln oder Zwischenfällen mit kaputten Reifen berichtet.

Deshalb auch stellten Air France und British Airways sofort nach der Katastrophe alle Flüge der Concorde vorläufig ein. Sie investierten mehrere Millionen, um die technischen Mängel zu beheben und den Flugverkehr ein Jahr später wieder aufzunehmen.

Doch dieser Neuanfang sollte nicht lange dauern: 2003 kam das endgültige Aus. Durch den Absturz und die Folgen des 11. Septembers waren der Concorde auch die letzten Kunden weggebrochen.

Der letzte Flug des Überschall-Fliegers im Oktober 2003 wurde zu einem Groß-Ereignis, viele Menschen kamen, um den Mythos Concorde noch ein letztes Mal zu feiern. Aus der einstigen "Zukunft der Luftfahrt" wurde danach Teil der Vergangenheit, als Ausstellungsstück im Museum.


Autorin: Maria Klanke
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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