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26.4.1977: Eröffnung des "Studio 54"
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Noch vor der Eröffnung des "Studio 54" in Manhattan hat sich herumgesprochen, dass hier etwas ganz Großes kommt. Schon am ersten Abend werden die beiden Betreiber der Disco, Steve Rubell und Ian Schrager, buchstäblich überrannt von Tanzwütigen.

Im "Studio 54" flirten sexy Kellner mit den Gästen und bedienen mit freiem Oberkörper. Unbekümmert werden alle möglichen Drogen genommen. Und in einer Zeit, als AIDS noch kein Thema ist, geben sich die Gäste in den Hinterzimmern noch ganz anderen Gelüsten hin. Währenddessen drängen sich zu endlos pulsierenden Beats die Tänzer unter der Discokugel.

Soundtrack der Befreiung

1977 ist die Disco-Welle auf dem Höhepunkt. Was Anfang der 1970er-Jahre als Subkultur der Schwarzen und Schwulen angefangenen hat, entwickelt sich Mitte dieses Jahrzehnts zum Massenphänomen. In seinem Buch "Für immer Disco" erzählt Moderator Thomas Hermanns die Geschichte der Disco-Ära aus seiner ganz persönlichen Sicht: "Disco und Schwulenbewegung ist natürlich nicht zu trennen, weil es da im Grunde angefangen hat. Also die ersten Clubs waren stark schwul, stark schwarz, stark puertoricanisch. Alle Minderheiten haben sich da so ein bisschen zusammen gefunden. Es war schon auch der Soundtrack der Befreiung. "

Eine Woche nach der Eröffnung des "Studio 54" reitet Bianca Jagger auf einem weißen Pferd durch die Türen, um im Studio ihren 32. Geburtstag zu feiern. Diese Aktion etabliert den Nachtclub endgültig als Treffpunkt für New Yorks Celebrities: Andy Warhol, Liza Minnelli, Diana Ross und Elton John gehören zu den Stammgästen. Die aktuellen Disco-Stars von Grace Jones bis zu den Village People treten live auf.

Ausschweifungen nach der Türkontrolle

An Türsteher Marc Benecke kommt auch die Prominenz nicht immer vorbei. Der unerbittliche Herrscher über den Eingang sortiert gnadenlos. Rein kommt nur, wer originell ist und gut aussieht. Thomas Hermanns: "Das "Studio 54" gilt heute auch immer noch als Inbegriff von Disco und damit kommen aber gleich die Sachen: Die Schönen, die Reichen, die Stars und eben die Türkontrolle. Das fällt jedem zum "Studio 54" immer als Erstes ein, weil die das natürlich auf die Spitze getrieben haben."

Besonders berüchtigt ist der Nachtclub für seine sexuellen Ausschweifungen. Im Rubber Room im Obergeschoss können die mit Gummi beschichteten Wände nach Sex- und Drogenexzessen problemlos gesäubert werden. Im VIP Raum im Keller soll es angeblich noch zügelloser zugehen. Auch hier treibt das "Studio 54" die Entwicklungen der Disco-Ära auf die Spitze. In den frühen Underground-Discos wurde nicht einmal Alkohol ausgeschenkt, Thomas Hermanns darüber: "Es fing eigentlich eben nicht im Exzess an - im Hedonismus ja, immer - aber der Exzess kam erst später. Da ist das "Studio 54" natürlich genau das Symbol für diese ganzen Exzesse, und Koks und Sex. Aber schon so exzessiv, dass es einen dann auch nicht wundert, dass es bald darauf auch schon fast vorbei war.

Die Party ist aus - es lebe der Mythos

Im Dezember 1979 ist die Party erst einmal vorüber. Die Betreiber des "Studio 54" geraten ins Visier der Steuerfahndung und müssen für 13 Monate ins Gefängnis. Am 4. Februar 1980 findet die vorerst letzte Party im "Studio 54" statt. Zwar öffnet der Nachtclub zwischen 1981 und 1986 noch einmal. Doch der Zauber der ersten drei Jahre lässt sich nicht zurückholen.

Heute lebt das "Studio 54" nur noch als Kopie in Las Vegas weiter - und als Mythos: Es war die größte Party, die New York je erlebt hat, Thomas Hermanns: "Es gibt pro Jahrzehnt einen berühmten Club und das war der Club für die 70er. Es gibt keinen, der berühmter ist, keinen, der die Zeit so auf den Punkt gebracht hat wie das "Studio 54".


   
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