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29.8.1991: KPdSU verboten
Lenin: "Was ist Sowjetmacht? Zum ersten Mal in der Welt ist die Sowjetmacht bei uns in Russland so organisiert, dass nur die Arbeiter, nur die werktätigen Bauern - unter Ausschluss der Ausbeuter - Massenorganisationen bilden: die Sowjets. Und diesen Sowjets ist die gesamte Sowjetmacht übertragen. Das ist der Grund, weshalb das Wort 'Sowjet' jetzt überall in der Welt von den Arbeitern, von allen Werktätigen, nicht nur verstanden wird, sondern bei ihnen populär, ihnen teuer ist. Und das ist der Grund, dass die Sowjetmacht unvermeidlich, unausweichlich ist und in nicht ferner Zukunft in der ganzen Welt siegen wird."

So beschrieb der große und erste Führer der KPdSU - Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin - im Frühjahr 1921 das Gesellschaftssystem der gerade dreijährigen Sowjetunion. Für Lenins Selbstverständnis waren die Sowjets, "Räte", identisch mit der KPdSU, der Kommunistischen Partei der Sowjetunion.

Die KPdSU ging 1903 aus dem von Lenin angeführten "bolschewikischen" Mehrheitsflügel der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hervor. Als sich die Bolschewiken im Revolutionsjahr 1917 durchgesetzt hatten, gaben sie ihrer straff organisierten und disziplinierten Organisation den Namen "All-russische Kommunistische Partei".

Daraus wurde dann nach dem Zweiten Weltkrieg und ein Jahr vor Stalins Tod endgültig die "Kommunistische Partei der Sowjetunion". Nach Lenins Tod 1924 rechnete sein von Verfolgungswahn besessener Nachfolger Stalin mit den engsten Weggefährten Lenins wie Trotzky und Sinowjew ab.

Er setzte zu einer großen "Säuberung" in der eigenen Partei an, die Zehntausende das Leben kostete und für Hunderttausende Verbannung und Arbeitslager bedeutete. Aber der Sieg im Zweiten Weltkrieg verschaffte Stalins Partei einen massenhaften Mitgliederzuwachs.

Nach dem Tod des KPdSU-Generalsekretärs Leonid Breschniew im November 1982 übernahm zunächst der damalige Chef des sowjetischen Geheimdienstes Andropov, nach dessen baldigem Tod der Breschniew-Vorzimmersekretär Tschernienko das Kommando in der KPdSU. Auch seine Ära endete schon im März 1985 durch Tod. Nachfolger wurde das damals jüngste Mitglied im Politbüro der Partei, Michael Gorbatschow.

Während zur Leninschen Gründerzeit die KPdSU eine Kaderpartei von etwa 470.000 Mitgliedern war, wuchs die Mitgliederzahl der Partei unter Gorbatschow auf etwa 20 Millionen an.

Allerdings unterlag auch der Initiator von "Perestroika" und "Glasnost" der Illusion, dass mit der Kommunistischen Partei auf demokratische Weise Staat zu machen sei. Und so kam es, wie es kommen musste: Die Profiteure des Steinzeit-Stalinismus gingen auf die Barrikaden, weil deren Pfründe und Privilegien zu wanken begannen.

Gorbatschow begriff zu spät, was sein Nachfolger Boris Jelzin schon längst erkannt hatte, dass nämlich der wenig erfolgreichen Revolution von oben eine erfolgreiche Revolution von unten gefolgt war, die sich im Zorn einer Partei gegenüber entlud, deren Herrschaft über sieben Jahrzehnte hinweg in Unterdrückung, Irreführung, demokratischer Scheinheiligkeit und wirtschaftlicher Inkompetenz bestand.

Und so war es der russische Präsident Boris Jelzin, der die KPdSU wenige Tage nach dem gescheiterten Putsch gegen Michail Gorbatschow am 29. August 1991 auflöste und verbot.

Die knapp 75-jährige Lebenszeit der KPdSU lässt sich an fünf historischen Persönlichkeiten aufzählen: Lenin, Stalin, Chruschtschow, Breschnew und Gorbatschow. Chruschtschow war es übrigens, der nach der Endmystifizierung Stalins auf dem legendären 20. Parteitag der KPdSU im Jahre 1956 lapidar feststellte, dass sich Kommunismus und Demokratie einander ausschließen.

Autor: Ewald Rose
   
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