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16.5.1943: Ende des Ghettoaufstandes Warschau
Röder: "Für die im Generalgouvernement Polen ansässigen Juden wird mit sofortiger Wirkung der Arbeitszwang eingeführt. Die Juden werden zu diesem Zweck in Zwangsarbeitstrupps zusammengefasst. Berlin, 26. Oktober 1939."

Lagebericht von SS-Sturmbannführer Franz Röder. Das Ziel: die Ausrottung "minderwertiger" Menschen und die Suche nach neuem "Lebensraum". Polen ist der Anfang.

Seit Kriegsbeginn wird die Lage für die Juden immer unerträglicher. Rassegesetze, Verbote und Ausgrenzungen sind schon längst Tagesordnung, der gelbe Stern obligatorisch. Jüdische Ghettos im sogenannten "Generalgouvernement" sollen das Aufnahmegebiet für alle europäischen Juden werden: Lodz, Warschau, Krakau, Jalowiec oder Bialystok. Marek Edelmann, Überlebender des Warschauer Ghettos erinnert sich:

"Es war tragisch. In diesem Stadtteil lebten einst 100.000 Menschen - jetzt wurden 400.000 Menschen auf den gleichen Raum zusammengequetscht. In einem Zimmer sieben bis acht Personen. Die Lebensmittelrationen waren minimal. Hunger, Enge und die Kälte."

Die Bilder aus dem Ghetto Warschau zeigen Verelendung, bettelnde, abgemagerte Kinder, verzweifelte Erwachsene. Wenige nur haben Geld, um überleben zu können, Lebensmittel werden geschmuggelt. Auf einem geretteten Klavier wird Musik gespielt, Erwachsene unterrichten Kinder, ohne Bücher und Hefte, Ärzte versuchen das Elend zu mildern. Stefan Grayel hat das Warschauer Ghetto als Kind erlebt:

"Nachdem das Ghetto errichtet war, hatten wir Tag für Tag Tote auf den Straßen. Sie waren mit Zeitungen bedeckt, weil es nichts anderes zum Zudecken gab. Es dauerte oft Stunden bis der Karren kam, der die Toten zum Friedhof brachte."

1942: Die Nazi-Vernichtungsstrategie beginnt und hat einen Namen: Deportation in den Osten. Den Menschen in den Ghettos wird weisgemacht, sie kommen zu einem Arbeitseinsatz und würden Geld verdienen. Doch am Ende der Reise warten die Vernichtungslager: Treblinka, Sobibor, Chelmno oder Auschwitz.

Die zurückgebliebenen Menschen im Warschauer Ghetto werden misstrauisch. Nachdem bis Januar 1943 fast 317.000 Juden deportiert und vergast waren, erhebt sich im April 1943, als das Ghetto endgültig geräumt werden sollte, der aktive Teil der Übriggebliebenen - ohne Hoffnung auf Überleben, ohne Hilfe von außen. Den Verzweifelten gelingt es, vier Wochen lang stärkere SS-Verbände zu binden und ihnen erhebliche Schlappen beizubringen.

"Die Deutschen waren zweimal genötigt, aus dem Ghetto zu flüchten. Das eine Mal gelang es uns, bei der Wiedereinnahme 40 Minuten die Stellung zu halten, das andere Mal sechs Stunden."

Damit aber ist das Schicksal der Warschauer Juden nicht mehr zu wenden. Sie kämpfen unerbittlich, mit allen Mitteln, mit den wenigen, geschmuggelten Waffen, mit ihrem Leben. Als der Widerstand allmählich erlischt, nehmen sich viele Juden das Leben.

In einem Abschiedsbrief heißt es: "Durch meinen Tod möchte ich zum letzten Mal gegen jene Passivität protestieren, mit der die ganze Welt zusieht und es zulässt, wie das jüdische Volk ausgerottet wird."

Der SS-Brigadeführer Jürgen Stroop meldet erfolgreich nach Berlin: "Der von Juden und Banditen geleistete Widerstand konnte gebrochen werden. Nur durch den unermüdlichen Einsatz sämtlicher Kräfte, ist es uns gelungen, insgesamt 56.065 Juden zu erfassen und nachweislich zu vernichten. Das ehemalige jüdische Wohnviertel Warschau besteht nicht mehr."

Autorin: Doris Bulau
 
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