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17.10.1810: Beginn des "Oktoberfests"
Die Wiesn um Punkt zwölf Uhr: Nach dem Einzug der Festwirte und Braumeister in prunkvoll geschmückten Kutschen, Prachtgespannen und dekorierten Wagen, beförderte Christian Ude, der Oberbürgermeister der Münchener, mit nur zwei Schlägen den Zapfhahn an genau die richtige Stelle: O'zapft is!

Teuer wurden die Bierhumpen unter den Wiesn-Besucher verteilt. Billig war "a Moaß" auf der Wiesn noch nie. Aber abgeschreckt hat das Millionen Besucher jährlich nicht. Sie hatten wie immer ihren Spaß, wenn Achterbahn und fliegende Teppiche die verzehrten Schweinshaxen mitsamt dem Bier durcheinander wirbeln, wenn sich die Menschenmassen zwischen den Zelten und Karussells hindurch schieben und wenn die "Musi aufspielt".

Alles begann mit einer Vermählung

Dabei hatte das erste Oktoberfest 1810 mit Maßkrügen, Biertrinken und Volksaufläufen rein gar nichts zu tun. Vielmehr feierten die Münchner in jenem Oktober Anfang des 19. Jahrhunderts eine Hochzeit: die Vermählung des bayerischen Kronprinzen Ludwig, dem späteren König Ludwig I., mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Die Festlichkeiten, zu denen auch die Münchner Bürger eingeladen waren, fanden auf einer damals noch vor den Toren Münchens gelegenen Wiese statt. Zu Ehren der Braut auf den Namen "Theresienwiese" getauft.

Abschluss und gleichzeitig Höhepunkt der Hochzeitsfeierlichkeiten war ein Pferderennen, das in Anwesenheit der königlichen Familie als ein Fest für ganz Bayern gefeiert wurde. Das war am 17. Oktober 1810. Durch den Beschluss, das Rennen im folgenden Jahr zu wiederholen, entstand die Tradition der "Oktober"-Feste.

Schon im zweiten Jahr kam zu dem Pferderennen das erste Landwirtschaftsfest als Fachausstellung hinzu - so sollte die bayerische Agrarwirtschaft ein wenig angekurbelt werden. 1818 drehte sich dann das erste Karussell, zwei Schaukeln wurden aufgestellt, und in kleinen Buden konnten sich die Besucher dann auch mit Bier versorgen.

Bier, Bier, Märzenbier

Doch für den Durst der Bayern und der mittlerweile auch von weiter her anreisenden Besucher reichten die kleinen Bierbuden schon bald nicht mehr aus. Geschäftstüchtige Wirte sahen ihre Chance gekommen und errichteten Ende des 19. Jahrhunderts große Bierzelte. Eines der ersten war das Schottenhamel Zelt, heute eines der bekanntesten auf der Wiesn. Denn hier findet alljährlich der legendäre, von den Massen ersehnte Anstich statt.

Eine Tradition, die der Begründer der Bierburg Michael Schottenhamel, seiner Entschlossenheit verdankte. Im Kriegsjahr 1871 lief die Münchner Bierproduktion wegen der Kriegswirren nur reduziert, es herrschte Biermangel in der Stadt. Michael Schottenhamel aber bestellte Märzenbier bei seinem Sohn in Wien. Die Münchner danken diese Aktion Schottenhamel noch immer, indem sein Zelt am ersten Tag der Wiesn im Mittelpunkt steht. Ohne Märzenbier, denn das blieb eine einmalige Sache. Zwar keine einmalige, aber doch auch keine beständige Sache war das Pferderennen - heute ist es auf der Wiesn nicht mehr dabei.

So manches von damals aber ist geblieben: Der Name beispielsweise, denn mittlerweile findet das Oktoberfest hauptsächlich im September statt. Es endet immer am ersten Sonntag im Oktober und beginnt von diesem Sonntag 16 Tage nach vorne gerechnet. Eigentlich wäre der Name "Septober-fest" also passender und überhaupt: auch der Name "die Wiesn" ist überholt, findet das Volksfest doch schon längst auf einem Asphaltplatz statt. Aber Tradition ist eben Tradition.

Und so trinken sie auf dem weltgrößten Volksfest hektoliterweise Bier und stärken sich mit Hendl, Brezn und Schweinshaxn, Amerikaner ebenso wie Australier - und natürlich mit von der Partie auch Münchens Oberbürgermeister: O'zapft is!


Autorin: Maren Hellwege
   
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