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31.5.1740: Friedrich II. gekrönt
Vielleicht komponierte Friedrich gerade eine Sinfonie, vielleicht spielte er Flöte, oder er las in seinem geliebten Voltaire, als den kunstsinnigen Kronprinzen auf seinem Rheinsberger Schloss eine königliche Depeche erreichte: Er habe sich sofort nach Potsdam zu verfügen, sein Vater liege im Sterben. Jener 31. Mai 1740 ist als ein denkwürdiger Tag in die Geschichte eingegangen, meint Dr. Burkhardt Göres von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten:

Dr. Göres: "Es starb der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., und der von ihm ungeliebte Sohn Friedrich II. kam auf den Thron. Und damit beginnt eine ganz neue Epoche in Preußen: Es beginnt eine epochale Entwicklung auf dem Gebiet der Künste, das friderizianische Rokoko ist das Markenzeichen dieser Epoche. Und es beginnt ein Feldherr aufzutreten, der Europa in drei Kriege stürzt."

Der Vater hinterließ ein stark zersplittertes, politisch unbedeutendes Reich, dafür aber gefüllte Staatskassen und eine vorzüglich aufgebaute Armee. Beides wusste Friedrich geschickt zu nutzen - von jetzt an sollte Preußen im Konzert der europäischen Großmächte mitspielen.

Bereits im Dezember 1740, also kaum ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt, ließ der junge Preußenkönig, damals 28 Jahre alt, seine Truppen in Schlesien einmarschieren und verleibte sich ein wirtschaftlich äußerst attraktives Gebiet ein.

Nach diesem gelungenen außenpolitischen Paukenschlag widmete er sich der inneren Entwicklung seines Landes: Er begann mit dem Bau seiner prachtvollen Schlösser in Potsdam und Berlin, er holte Künstler von Rang an den Hof, er lockerte die Zensur und reformierte Schulwesen und Justiz. Die Folter wurde abgeschafft, und jedermann, egal ob Bettler oder Prinz, war vor dem Gesetz gleich.

Inspiriert von den Ideen der Aufklärung wurde Preußen unter seinem Reformkönig zu einem der fortschrittlichsten Länder jener Zeit. An erster Stelle stand dabei das Prinzip der religiösen Toleranz:

Dr. Göres: "In seinem Lande sollte ja nach seinem Ausspruch, der immer zitiert wird, jeder nach seiner Facon selig werden. Also es gab keine Bedrängnisse in Glaubensfragen, was in den katholischen Ländern sehr häufig der Fall war. Das ist ein Ruhmesblatt Preußens."

Wenn Friedrich Glaubensflüchtlinge aus vielen Teilen Europas nicht nur tolerierte, sondern sie auch ganz bewusst in Preußen ansiedelte, dann auch, weil sein Territorium nur dünn besiedelt und wirtschaftlich schwach entwickelt war. Ganz gezielt warb er deshalb z. B. Wollspinner aus Böhmen oder Seidenweber aus Frankreich an.

Um ihnen eine Existenzgrundlage bieten zu können, wurden ungenutzte Länderein urbar gemacht, Sümpfe trockengelegt, Wälder gerodet, ja ganze Flüsse umgeleitet. Die Trockenlegung des Oderbruchs ist das größte Projekt dieser Art.

Doch dieser wirtschaftliche und kulturelle Aufschwung endet abrupt 1756: Friedrich zieht erneut in eine Schlacht, von der er nicht ahnt, dass sie sieben bittere Jahre dauern und halb Europa verwüsten wird. Der Preußenkönig aber ist nicht der Allein-Schuldige für diesen verheerenden Krieg, er kam den anderen nur zuvor - Angriff galt schon damals als die beste Verteidigung:

Dr. Göres: "Er hat ja den Krieg begonnen mit dem Einmarsch in Sachsen, aber wir wissen auch, dass natürlich eine Koalition gegen ihn durch Sachsen, Österreich und Russland geschmiedet wurde, mit dem deutlichen Ziel, Preußen zu zerstückeln und wieder klein zu machen."

Dieser sieben-jährige Krieg endete unentschieden. Preußen konnte ihn nicht gewinnen, es stand allein der feindlichen Übermacht gegenüber. Aber es hat ihn auch nicht verloren, und das war das eigentliche Wunder: das Durchhalten allen Regeln zum Trotz.

Seither wurde der König aller Preußen respektvoll Friedrich der Große genannt. Noch weitere 25 Jahre leitete er als erster Diener des Staates - wie er sich immer bezeichnete - die Geschicke Preußens. Als er 1786 stirbt, hinterlässt er, wie sein Vater, gefüllte Staatskassen und eine stattliche Armee. Aber sein Reich ist um viele Territorien erweitert und schlichtweg eine der wichtigen Mächte in Europa geworden. Einer der großen Akteure der Weltgeschichte tritt von der Bühne ab.

Autorin: Kerstin Schmidt
   
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