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25.5.1935: Vier Weltrekorde für Jesse Owens
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Adolf Hitler: "Ich erkläre die Olympischen Spiele als eröffnet."

Berlin, Sommerspiele 1936, die Olympiade Adolf Hitlers. Es sollten die Spiele der Deutschen werden, der "arischen" Sportler. Doch es kommt anders: Der Held der Berliner Sommerspiele ist ausgerechnet ein Schwarzer: Jesse Owens.

Reporter interviewt Jesse Owens: "Wie viel Goldmedaillen wollen sie gewinnen?" "Also drei bescheidene Goldmedaillen?" Der Reporter amüsiert sich, doch Jesse Owens pokert nicht zu hoch. Er gewinnt sogar vier Goldmedaillen - im Weitsprung, in der 4x100 Meter Staffel, im 200- und im 100-Meter Lauf.

Aus einer Reportage des 100-Meter Laufs: "Owens ist unschlagbar." Adolf Hitler sitzt versteinert in seiner Führer-Loge, das deutsche Publikum aber jubelt der Owens jedoch begeistert zu. Und Owens findet in Berlin einen wundervollen Freund - Hitlers rein "arischen" Weitsprungstar Lutz Long.

Jesse Owens sagte: "Dass ich im Weitsprung die Goldmedaille gewann, verdanke ich Lutz Long. In der Qualifikation war ich sehr nervös. Ich hatte einen ungültigen Versuch und schaffte nicht die geforderten 7,15 Meter. Jetzt hing alles an einem einzigen Sprung. Da kam Lutz zu mir, legte mir die Hand auf die Schulter und sagte: 'Ruhig bleiben Jesse, wir schaffen das schon.' Er machte mich auf einen Fehler im Anlauf aufmerksam, er selbst nahm das Bandmaß in die Hand, um für mich alles genau abzumessen. 'Jetzt klappt's', sagte er, 'laufe an, wie du immer anläufst und du triffst den Balken genau.'

Genau so war es. Lutz jubelte bei dem Sprung, mit dem ich ihn überholt hatte, und er sprang auf mich zu und half mir aus der Grube. Dann gingen wir Arm in Arm zum Anlauf zurück, direkt unter der Führer-Loge Adolf Hitlers. Dazu gehörte damals eine Menge Mumm."

Dass ihm Hitler nicht gratuliert, stört den damals 22-Jährigen nicht besonders. Als Enkel eines ehemaligen Negersklaven aus Alabama ist er von klein auf an rassistische Schikanen gewohnt. Noch kurz vor den olympischen Spielen in Berlin passierte es im US-Bundesstaat Indiana, dass ein Gastwirt Jesse Owens das bezahlte Frühstück aus der Hand riss und es mit den Worten "Ich brauche kein Geld, um Nigger zu füttern" auf der Straße verstreute.

Und das in seiner Heimat nach seinem allergrößten Erfolg. Am 25. Mai 1935 nämlich stellte Owens in gerade einmal 100 Minuten vier Weltrekorde auf. Als Student, beim Sportfest der westlichen Universitäten der Vereinigten Staaten in Ann Arbor. Und zwar im 100-Meter Lauf, im 200-Meter Lauf, im 200-Meter Hürdenlauf.

Am eindrucksvollsten sein Weitsprung; mit 8,13 Meter knackt er erstmals die Acht-Meter-Marke. Und dieser Weltrekord bleibt über 25 Jahre lang unangetastet. Erst 1960 gelingt dem US-Amerikaner Ralph Boston ein Sprung über 8,21 Meter.

Owens beendet seine Laufbahn als Amateursportler schon kurz nach den Olympischen Spielen 1936. Er verdient sein Geld, indem er 100 Meter gegen Rennpferde läuft - und gewinnt. Er verkauft seinen Namen für Werbeartikel, macht sich in der Sportbranche selbständig, arbeitet für verschiedene Unternehmen und konnte so, wie er sagte, seiner Familie, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt, ein angenehmes Leben bieten. Am 31. März 1980 stirbt Jesse Cleceland Owens im Alter von 66 Jahren.


Autorin: Judith Hartl
   
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