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20.12.1955: Erstes "Gastarbeiter-Abkommen"
Rein faktisch war die Bundesrepublik - zumindest das westliche Deutschland - fast von Beginn ihrer Geschichte an ein Einwanderungsland. Ein wichtiger Grundstein dafür wurde am 20. Dezember 1955 mit der Unterzeichnung des ersten Gastarbeiter-Anwerbeabkommens in Rom gelegt. Die Vereinbarung mit Italien war rückblickend betrachtet der Startschuss für die Einwanderung von hunderttausenden - zumeist billiger - Arbeitskräfte aus dem Ausland: nicht nur aus Italien, sondern auch aus Portugal, Griechenland, Spanien, Marokko und aus der Türkei - Länder, mit denen bald ebenfalls Abkommen über die Anwerbung von Gastarbeitern geschlossen wurden.


Fleiß willkommen

Die späten 1950er und die frühen 1960er-Jahre waren Zeiten, in denen Ausländer noch herzlich willkommen waren in Deutschland. In einem Faltblatt der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung aus dem Jahr 1963 stand zu lesen: "Sie haben sich entschlossen, in der Bundesrepublik Deutschland zu arbeiten. Fleißige Leute sind in der Bundesrepublik Deutschland gut angesehen. Die Bundesrepublik Deutschland entbietet Ihnen, die Sie fleißige Leute sind, ein herzliches Willkommen und versichert Ihnen, dass Sie sich auf unsere Gastfreundschaft verlassen können."

Das war durchaus ernst gemeint: Der einmillionste Gastarbeiter in Deutschland, der Portugiese Armando Rodriguez, wurde 1964 mit einem pompösen Empfang am Bahnhof Köln-Deutz geehrt. Er bekam von den deutschen Gastgebern sogar ein Moped geschenkt. Neben vielen anderen Medien berichtete damals auch ein Reporter des Westdeutschen Rundfunks live vom Ort des Geschehens: "Inzwischen hat man Armando Rodriguez gefunden. Er kommt jetzt über die Gleise herüber, unter dem Beifall der Umstehenden, um die Ehrung als millionster Gastarbeiter - als der er unter den Männern und Frauen, die mit ihm im Zuge waren, durch das Los bestimmt worden ist - in Empfang zu nehmen."

Wirtschaftswunder

Die Bundesrepublik erlebte ihr großes Wirtschaftswunder und suchte händeringend nach Arbeitskräften. Allerdings ging die Initiative zum Abschluss der Anwerbeabkommen zumeist von den Herkunftsländern selbst aus, die ihren eigenen Arbeitsmarkt entlasten wollten und auf Devisenüberweisungen spekulierten. Die deutschen Politiker hatten anfangs sogar eher gezögert - und später dann stets versucht, eine dauerhafte Ansiedlung der Menschen gar zu vermeiden.

Es waren vielmehr die deutschen Unternehmer, die schon bald erfolgreich darauf drangen, nicht ständig neue Arbeitskräfte anlernen zu müssen. So blieben vor allem viele Türken in Deutschland und holten ihre Familien nach - für die sie in ihrer Heimat keine Perspektive mehr sahen.

Multi-ethnische Gesellschaft

Deutschland ist zu einer, wenn nicht multi-kulturellen, so doch multi-ethnischen Gesellschaft geworden, in der Pizza, Gyros und Döner-Kebab ebenso natürlich ihren Platz haben wie die klassische Currywurst. In manchen westdeutschen Großstädten sind ganze Wohnviertel längst türkisch geprägt. Nur mit der Integration der Menschen hapert es noch und das obwohl die Kinder und Enkel der ehemaligen Gastarbeiter schon längst auch als Kinder der deutschen Gesellschaft zur Welt kommen.

Mittlerweile hat auch eine Mehrheit der Politiker das Problem erkannt und nach langem Hin- und Her zumindest den Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft erleichtert. Ein notwendiges, ja längst überfälliges Signal gegenüber den Menschen, die mehr als vier Jahrzehnte lang beträchtlich zum Wohlstand in Deutschland mit beigetragen haben, meinte der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily: " (...) weil Integration, davon bin ich fest überzeugt, nur gelingen kann, wenn den Bürgerinnen und Bürgern ausländischer Herkunft über den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Deutschland ermöglicht wird."

Autor: Rainer Sollich
   
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