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26.10.1861: Das erste Telefon
"Der Apparat im Ruhestand. Es bleiben friedlich an der Wand die ganzen Sachen und zwar ... damit du hörst den Klingelgruß der ... korrekterweise im Haken hängend am Gehäuse. Zum Hören stellst du dich davor und hältst dabei dein rechtes Ohr vor jene Öffnung an der Wand, dieweil du mit der linken Hand das lose Instrument erfasst und links ans Ohr geführet hast. Beim Sprechen bleibet wie zuvor, das lose Instrument am Ohr. Gesprochen wird in jenes Loch, das am Gehäuse gähnt. Jedoch darf man das süsse Lippenpaar nicht gegendrücken. Ganz und gar man lässt dazwischen klüglich frei an Zentimetern fünf bis drei. Das laute Brüllen ist verwehrt, ein dünnes Flüstern gleich verkehrt. Recht deutlich und fein akzentuiert wie wenn ein Mime Rede führt. So sollte einzig und allein die Fernsprechunterhaltung sein."

Es hat angefangen 1861 mit der Erfindung von Philip Reis, aber er hat es technisch nicht so hinbekommen, dass es zu gebrauchen war. Das war dann der Amerikaner Bell, und 1877 hat der deutsche Generalpostmeister Heinrich von Stefan davon erfahren, hat sich zwei Stück aus London, die inzwischen aus USA nach London gekommen waren, kommen lassen.

Populär geworden ist es für die große Vielzahl der Leute vor allen Dingen durch Demonstrationen auf Jahrmärkten, durch Demonstrationen auf Fachausstellungen, auch auf Weltausstellungen, wo Telefonkabinette eingerichtet wurden, die in Verbindung standen, wie auf der Münchener Elektrizitätsausstellung mit verschiedenen Unterhaltungsetablissements.

Und es hat sich niemand nehmen lassen wollen, weil es tatsächlich eine Sensation gewesen ist, die vielleicht nur der Überraschung vergleichbar ist, als die Menschen feststellen konnten, dass man tatsächlich mittels Muskelkraft oder Motorenkraft fliegen konnte.

Weit in die dreißiger Jahre war das Telefon immer das Kennzeichen von begüterten Leuten. Das gilt auch noch für die fünfziger Jahre. Das weiß ich aus meiner persönlichen Erinnerung, dass das Telefon auch dann noch sich nur Leute geleistet haben, die also das Geld nicht so anschauen mussten. Erst dann so Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre hat die Post das ganze sehr in Schwung gebracht. Eben mit dem Ausbau des Selbstwähldienstes, der 1923 begonnen hatte.

Man hat eben durchs Telefon nur Töne, die können ja auch drüben solche Töne, wenn man dem anderen ins Gesicht schauen kann, ist das etwas anderes.

Beruflich könnte ich glaube ich ohne, ich müsste nachgucken eins, zwei, drei, vier, fünf Telefone überhaupt nicht auskommen, weil das macht 40% meines Berufes aus. Könnte ohne Telefon gar nicht leben, glaub ich.

Autor: Thomas Spang
   
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