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7.10.1949: Gründung der DDR
"Auf der Grundlage der vom 3. Deutschen Volkskongress bestätigten Verfassung ist in der deutschen Hauptstadt Berlin einmütig von allen Parteien und Massenorganisationen im deutschen Volksrat die Deutsche Demokratische Republik geschaffen worden."

Schon die Gründung der DDR, die Wilhelm Pieck am 7. Oktober 1949 im großen Festsaal des früheren Reichsluftfahrtministeriums verkündete, beruhte auf einer Lüge: Zwar war die Entscheidung im Volksrat tatsächlich einmütig gewesen, doch das Gremium wurde von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, der SED, dominiert.

Der 7. Oktober war der Endpunkt einer Entwicklung, die schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs begonnen hatte. Seit 1945 hatten sich die Spannungen zwischen den vier Siegermächten verschärft. Diese hatten zwar gemeinsam den Aufbau eines demokratischen Deutschlands zu ihrem wichtigsten Ziel erklärt, unter Demokratisierung verstanden sie jedoch etwas grundsätzlich Verschiedenes.

Frühe Weichenstellung

In der sowjetisch besetzten Zone stellte die Besatzungsmacht früh die Weichen für eine eigenstaatliche sozialistische Entwicklung. Die deutschen Kommunisten witterten ihre Chance, im Schutz der Roten Armee ihre Vision einer neuen demokratisch-sozialistischen Ordnung zu verwirklichen.

Walter Ulbricht war nach Kriegsende aus Moskau als Leiter der KP-Gruppe Berlin zurückgekehrt. 1945 verkündete er, eines der wichtigsten politischen Ziele sei "der Kampf gegen die faschistische Ideologie und andere reaktionäre Ideologien, die gegen das Interesse der Arbeiterklasse, die gegen eine fortschrittliche Entwicklung in Deutschland gerichtet ist."

Führungsrolle der SED

Mit der SED, die im April 1946 aus der Zwangsvereinigung von KPD und SPD hervorging, entstand das wichtigste Instrument, mit dem die sowjetischen Besatzer ihre gesellschaftlichen und ideologischen Vorstellungen umsetzte. Unter der Führung eines Politbüros mit Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl und Walter Ulbricht an der Spitze, entwickelte sich die SED zu einer marxistisch-leninistischen Partei, die sich mit Hilfe der Besatzungsmacht gegenüber den anderen Parteien eine Vorrangstellung sicherte.

Partei-Funktionäre wie Walter Ulbricht begründeten die Führungsrolle der SED freilich anders: "Die sozialistische Einheitspartei Deutschlands wird zur führenden Partei in ganz Deutschland werden, weil der Tag kommen wird, an dem die große Mehrheit der Deutschen es so will."

Tatkräftige Unterstützung erhielt die SED von der Freien Deutschen Jugend, der FDJ. Die Einheitsjugendorganisation war 1946 aus einem von Erich Honecker gegründeten Jugendausschuss für die Ostzone hervorgegangen. Die FDJ wurde rasch zu einer der SED treu ergebenen Massenorganisation, die beim Aufbau eines sozialistischen Staates mitwirkte.

Mit der Volkskongressbewegung schuf sich die SED ab 1947 ein Forum, um sich als Partei der nationalen Verantwortung und als Garant der Einheit Deutschlands in Szene zu setzen. Ende 1948 reisten Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht und Otto Grotewohl nach Moskau. Dort erhielten sie die Zustimmung Stalins zu einer Staatsgründung in der sowjetisch besetzten Zone.

Deutsche Demokratische Republik

Als die Kommunisten von Stalin grünes Licht erhielten, hatten sie mit den Vorbereitungen für die Staatsgründung längst begonnen. Bei den Wahlen zum Deutschen Volkskongress im März 1948 wurde ein Verfassungsausschuss unter der Leitung Otto Grotewohls gebildet. Dieser erarbeitete den Entwurf einer Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik, der vom Volkskongress im Mai 1949 angenommen wurde. Mit manipulierten Einheitslisten hatte sich die SED die Kontrolle über den Kongress gesichert. Dieser wählte den Deutschen Volksrat, der sich am 7. Oktober als provisorische Volkskammer der DDR konstituierte. Otto Grotewohl wurde mit der Bildung einer Regierung beauftragt.

Anfangs betrachtete die SED den neu gegründeten Staat als Provisorium. In der DDR-Hymne wurde das Ziel der Einheit Deutschlands bis in die 1970er Jahre besungen, danach führte man sie nur noch in der Instrumentalfassung auf. Das Thema Einheit war abgehakt.

Autorin: Anke Hagedorn
   
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