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3.10.1990: Deutsche Einheit
"Für unsere Aufgaben sind wir uns der Verantwortung vor Gott und den Menschen bewusst. Wir wollen in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt dienen." Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte dies in der Stunde der Wiedervereinigung und unter dem Geläut der Freiheitsglocke, die den Berlinern von US-amerikanischen Bürgern viele Jahre zuvor als ein Symbol der Hoffnung geschenkt worden war.

Hunderttausende hatten sich am Vorabend des 3. Oktober 1990 am Brandenburger Tor versammelt. Volksfeststimmung herrschte nicht nur unter den Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch unter der politischen Prominenz, die vollzählig am Brandenburger Tor auftrat.

"Mr. Gorbatschow, tear down this wall!"

Angefangen hatte die augenscheinliche Teilung Deutschlands zwar nicht erst am 13. August 1961, als Volkspolizisten und Bauarbeiter der DDR mit der Errichtung der Mauer begannen. Aber am diesem Tag wurde die Abgrenzung noch einmal besonders offensichtlich.

Noch im Sommer desselben Jahres hatte SED-Chef Walter Ulbricht auf einer internationalen Pressekonferenz auf die Frage einer Journalistin nach einer strengeren Abschirmung der DDR geantwortet: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!"

Im Gegenteil: Die DDR wurde für viele, vor allem für die die anderer Meinung waren als die sozialistische Regierung zu einem Gefängnis. Viele arrangierten sich auch mit dem Staat oder mussten sich arrangieren, um zu überleben. Allein 700 Menschen kamen bei dem Versuch, die DDR über Mauer und Stacheldraht zu verlassen, um.

Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten, trat im Juni 1987 an die Berliner Mauer, um Michail Gorbatschow, dem Wegbereiter der Perestroika, zuzurufen: "Mr. Gorbatschow, tear down this wall!"

Freiheitsliebe - Freiheitswille

Dem unumstößlichen Glauben der SED-Funktionäre an die Planwirtschaft und ihrer politischen Kurzsichtigkeit, mehr aber noch dem Freiheitswillen der Bürgerinnen und Bürger der DDR mit ihren Protestaktionen und Demonstrationen war es zu verdanken, dass diese DDR zusammenbrach. Die Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands wurde möglich.

Damit wurden aber nicht nur Sehnsüchte und Hoffnungen erfüllt, sondern auch Ängste und Befürchtungen - nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Nachbarländern - geweckt. Dessen war sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl durchaus bewusst, als er am Vorabend des 3. Oktober 1990 in einer Hörfunk- und Fernsehansprache formulierte: "Wir Deutschen haben aus der Geschichte gelernt. Wir sind ein friedens-, wir sind ein freiheitsliebendes Volk. Und nie werden wir unsere Demokratie den Feinden des Friedens und der Freiheit schutzlos ausliefern. Für uns gehören Vaterlandsliebe, Freiheitsliebe und der Geist guter Nachbarschaft immer zusammen."

"Einigkeit und Recht und Freiheit"

Frauen und Männer aus Politik und Gesellschaft fanden sich am 3. Oktober 1990 in der Berliner Philharmonie zusammen, um die Einheit Deutschlands zu feiern. Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker fand die richtigen Worte, als er bei dieser Gelegenheit unter anderem sagte: "Wie gut uns die Einheit menschlich gelingt, das entscheiden kein Vertrag der Regierungen, keine Verfassung, keine Beschlüsse des Gesetzgebers. Das richtet sich nach dem Verhalten eines jeden von uns - nach unserer eigenen Offenheit und Zuwendung untereinander."

"Einigkeit und Recht und Freiheit" - die Nationalhymne, oft strapaziert an diesem Tag, vom Romantiker Hoffmann von Fallersleben gedichtet und von Joseph Haydn zunächst in einem Quartett vertont - für viele Menschen in Deutschland wurde der Inhalt erst jetzt wieder greifbar.


Autor: Otto Busch
   
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