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8.9.1522: Weltumsegelung beweist: "Die Erde ist rund"
Im 15. Jahrhundert beginnt der Mensch, genauer der Europäer, sich die Erde zu erobern, wobei die Triebfedern für die großen Entdeckungsfahrten über die Weltmeere wirtschaftlicher und ideologischer Natur sind: Im Schulterschluss mit den Päpsten verfolgen die Mächtigen des Abendlandes zwei Ziele: die Verbreitung des christlichen Glaubens und den unbeschränkten Handel mit asiatischen Spezereien.

An dem Import über den Seeweg nach Osten und Afrika verdienen sich nämlich unzählige muslimische Zwischenhändler eine goldene Nase. Indien vom Westen her anzusteuern ist daher das Ziel von Männern wie Columbus, Vespucci oder Cortez. Es zu erreichen, ist einer Expedition unter Führung eines kleinwüchsigen, wortkargen Portugiesen vergönnt.

"Von allen Gestalten und Fahrten lernte ich eine am meisten bewundern die Tat des Mannes, der meinem Empfinden nach das Großartigste geleistet hat in der Geschichte der Erderkundungen, Ferdinand Magellan. Er, der mit fünf winzigen Fischkuttern von Sevilla ausfuhr, um die ganze Erde zu umrunden. Die herrlichste Odyssee in der Geschichte der Menschheit vielleicht, diese Ausfahrt von 265 entschlossenen Männern, von denen einzig 18 heimkehrten auf zermorschtem Schiffe, aber die Flagge des größten Sieges gehisst auf dem Mast," schreibt Stefan Zweig in seiner Magellan-Biografie, eine der spannendsten historischen Rekonstruktionen der ersten Weltumsegelung.

Geboren um 1480 als Sohn einer adeligen Familie sammelt Magellan seine Navigationskenntnisse zunächst im Dienst der portugiesischen Krone auf Seereisen nach Indien und Afrika. Nach einem Zerwürfnis mit dem portugiesischen König bietet Magellan Spanien seine Dienste an.

Er ist besessen von der Idee, dass das von Kolumbus wenige Jahrzehnte zuvor entdeckte Amerika im Süden umrundet werden kann und überzeugt davon, dass diese Westpassage ein kürzerer Weg zu den Gewürzinseln ist als die Ostpassage. Mehr noch: Magellan behauptet gar zu wissen, wo der Durchlass zwischen dem atlantischen und pazifischen Ozean liegt.

Er vermutet ihn - anhand falschen Kartenmaterials - in der Nähe des 40. Breitengrades beim Rio de la Plata in Brasilien. Am 10. August 1519 ist es soweit: Fünf Schiffe lichten die Anker für eine Fahrt ins Ungewisse.

Am 10. Januar 1520 erreichen sie den Rio de la Plata. Tagelang wird die Flussmündung erforscht. Magellan muss sich seinen Irrtum eingestehen, setzt jedoch unbeirrt die Reise Richtung Süden fort. Unbeschreiblich sind die Bedingungen für die Mannschaft, unwirtliche Kälte, knapp werdende Lebensmittel und Zweifel am Gelingen der Expedition führen gar zur Meuterei.

Doch Magellan behält die Oberhand. Im Oktober dann hat man sie gefunden, die später nach ihm benannte Meeresstraße zwischen Südamerika und Feuerland.

Stefan Zweig: "Wie Magnetberge starren metallisch die Hügel am Ufer, dunkel lastet der immer hier verwölkte Himmel, schwarz schattet das Wasser; wie Charons Boot auf den stygischen Gewässern, Schatten zwischen Schatten, so steuern die vier Schiffe schweigsam durch diese Hadeswelt. Von Ferne leuchten Berge mit schneeigen Gipfeln, und eisigen Hauch trägt nachts der Wind von ihnen her. Kein Lebewesen zeigt sich rings und doch müssen Menschen verborgen hier hausen, denn nachts leuchten zur Seite flackernde Feuer im Dunkel, weshalb Magellan dies Land tierra del fuego, Feuerland benennt."

Nach einer Strecke von 530 Kilometern erreicht Magellan den Stillen Ozean. Weiter steuern die nunmehr drei Schiffe Richtung Asien. Zum ersten Mal überqueren Menschen den Pazifik. Magellan entdeckt noch die Philippinen, muss dort allerdings bei einem Kampf mit den Einwohnern sein Leben lassen.

Sein Werk vollendet der Spanier Elcano: Das einzig verbliebene Schiff der Flotte, die Victoria, wirft am 8. September 1522 fast drei Jahre nach der Ausfahrt Anker in Sevilla.

Stefan Zweig: "Erschüttert starren die Bürger, wie die 18 Männer die Victoria verlassen, wie sie, wandernde, wankende Skelette, einer nach dem anderen schwankenden Schritts das Land betreten, wie schwach, wie ausgemergelt, wie müde, wie krank, wie erschöpft sie vorwärts taumeln, diese namenlosen Helden, jeder gealtert um ein Jahrzehnt in jenen drei unendlichen Jahren."

Der Beweis ist erbracht: Die Erde ist rund. Alle Meere sind miteinander verbunden, und das von Kolumbus entdeckte Land ist als eigener Kontinent erkannt. Die Neuzeit hat begonnen.

Autorin: Carola Hoßfeld
   
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