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24.4.1923: "Das Ich und das Es"
Frage: Wer kann sich heute noch gesund nennen? Antwort: Nur wer sich nicht gründlich genug hat untersuchen lassen. Ein schönes Beispiel ist Woddy Allen. Als er noch mit Mia Farrow zusammen war, hielt seine Großfamilie zeitweise bis zu elf Therapeuten gleichzeitig auf Trab.

In der Regel gehen Menschen zum Therapeuten, weil sie ein Problem haben und nicht etwa, weil sie krank sind. Das war auch im Wien des Fin de siècle nicht anders. Auf der Couch des Dr. Freud lagen zumeist gutbetuchte Sensibelchen - Analyse war schon immer recht teuer -, in der Hoffnung, er möge den Kontinent ihrer Seele ergründen. Immerhin hatte er ihn neu vermessen.

In der Kindheit, so nahm Freud an, gibt der Mensch seine sexuellen und aggressiven Strebungen gegenüber den Eltern während des Ödipuskomplexes auf; Mama und Papa bilden sich als verbietende Instanz in der Persönlichkeit ab und schaffen damit einen Beitrag zu Zivilisation. Anders gesagt: Unter dem Druck gesellschaftlicher Normen verbannen wir unsere uns nicht ganz geheuren Triebe ins Unbewusste - das nennt man Verdrängung. Und eben diese steuern dann ein Leben lang unser Verhalten, ohne dass wir es merken.

Eine ″große Dummheit der westlichen Zivilisation″?

Das Lehrgebäude Freuds wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach weiterentwickelt und manche Theorie von ihm auch ad absurdum geführt. Eine zunehmende Zahl von Kritikern hält Freuds Modell von der dreigeteilten menschlichen Psyche mittlerweile für vollkommen überholt. Ein anerkannter britischer Literaturhistoriker meinte gar, Freud habe eine Pseudowissenschaft konstruiert, die als eine der "großen Dummheiten der westlichen Zivilisation" einzuordnen sei: "Ich würde sagen, die Kritik an Freud ist eigentlich die Kritik von Ignoranten des Psychischen. Eine solche Kritik kann man nur haben, wenn man die psychischen Vorgänge nicht akzeptiert."

Sigmund Freud ist vielleicht nicht "die führende intellektuelle Kraft unseres Jahrhunderts", wie manche Verehrer glauben. Aber er hat unserem Jahrhundert genauso einen Stempel aufgedrückt wie ein Albert Einstein. Und nicht zuletzt gäbe es ohne ihn nicht diese wunderschönen Filme von Woody Allen.



Autorin: Carola Hoßfeld
   
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