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14.4.1912: Untergang der Titanic
Die achtköpfige Bordkapelle spielt zum Dessert. Die Passagiere der Ersten Klasse nehmen den letzten Gang ein - frische Früchte und Käse, dazu Sherry und Portwein. Es ist kurz vor 22.00 Uhr, der Luxusdampfer der White Star Line macht bei 22 Knoten volle Fahrt durch die eisigen Fluten des Nordatlantik, rund 500 Meilen vor der Küste Neufundlands.

Ohne Fernglas im Ausguck

Die Nacht ist mondlos und sternenklar. Im Ausguck steht Frederick Fleet. Der Matrose hoch oben im vorderen Mast hält Ausschau nach Hindernissen. Den ganzen Tag schon laufen Warnungen anderer Schiffe in diesem Seegebiet ein - Warnungen vor Eisbergen. Der Postdampfer "Californian" stoppt bei Einbruch der Dunkelheit seine Maschinen, weil die Weiterfahrt zu riskant erscheint.

Frederick Fleet muss sich konzentrieren. Das Wasser ist spiegelglatt, kein Luftzug kräuselt die Oberfläche. Das erschwert die Arbeit im Ausguck, denn Wellen, die sich an Eisbergen brechen, würden wegen des phosphoreszierenden Schaums das Sichten von treibenden Eisfeldern erleichtern. Außerdem fehlt ein Fernglas; die stehen nur den Offizieren unten auf der Brücke zu.

Wegen der kalten Nacht sind die meisten Passagiere unter Deck. Kurz vor Mitternacht liegen viele schon in den Kabinen. In der Dritten Klasse klingt bei Tanz und Wein der Abend aus, in den feinen Rauchsalons werden Zigarren und Brandy gereicht. Keiner merkt das Entsetzen im Ausguck, als Fleet an Brücke meldet: "Gefahr voraus".

"Save our Souls"

14. April 1912, 20 Minuten vor Mitternacht: 60.000 Tonnen Stahl rasen mit dem Tempo eines 100-Meter-Sprinters auf einen Eisberg zu. Nur Sekunden nach der Warnung gibt der wachhabende Offizier das Kommando: "Steuer hart Backbord, volle Kraft zurück". Doch das letzte Manöver kommt zu spät, die Kollision ist nicht mehr abzuwenden. Das Eis durchtrennt die stählerne Haut des Schiffrumpfs, das kalte Wasser des Nordatlantiks schießt in die unteren Schotten.

Von Panik ist an Bord nichts zu spüren. Der Zusammenstoß hat das riesige Schiff kaum erschüttert. Die meisten schlafen, und von den Wachgebliebenen fragen nur wenige nach, warum die Maschinen gestoppt wurden. Kapitän Edward Smith ist da schon auf Patrouille durch das Unterdeck. Er sieht, wie der Maschinenraum voll läuft, nicht mehr viel Zeit bleibt, sein Schiff untergeht. Um Mitternacht lässt Kapitän Smith den ersten Notruf morsen - "Save our Souls".

Leuchtraketen schießen in die Nacht, Rettungsboote werden zu Wasser gelassen. Frauen und Kinder zuerst. Die ersten Boote sind nicht einmal voll besetzt - in einem teilen sich 28 Havarierte die vorhandenen 65 Plätze.

Scherckliches Ende einer Jungfernfahrt

Mit zunehmendem Neigungswinkel wächst die Panik an Bord. Rund eineinhalb Stunden sind seit der Kollision vergangenen, die meisten der rund 20 Rettungsboote sind im Wasser. Doch sie fassen nur rund die Hälfte der Passagiere. Viele der 2.207 Menschen an Bord müssen hilflos zusehen, wie die Wassermassen immer näher kommen. Rette sich, wer kann. Zur Beruhigung spielt die Bordkapelle noch ein letztes Lied.

Um 2.20 Uhr am Morgen des sechsten Tages einer Reise, die acht Tage dauern sollte vom englischen Southampton nach New York, sinkt die Königin der Meere - auf ihrer Jungfernfahrt. Nur 712 Menschen überleben, die vom herbeigeeilten Dampfer "Carpathia" nach dem Untergang aufgesammelt werden. Da liegt sie in 3.800 Metern Tiefe schon auf Grund - die Titanic, die als unsinkbar galt.


Autor: Peter Koppen
   
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