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29.12.1937: Souveränität für Irland
"Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, von der alle Macht kommt und auf die sich am Ende alle Handlungen von Menschen und Staaten beziehen müssen, erlassen wir, das Volk von Irland, hiermit diese Verfassung."

Nicht für alle war der 29. Dezember 1937 ein Jubeltag. Das Inkrafttreten der irischen Verfassung sollte der Gewalt zwischen Iren und Engländern und zwischen Protestanten und Katholiken ein Ende bereiten. Tatsächlich aber teilte die Verfassung de facto die Insel in zwei Teile: Irland und die Ulster-Provinz Nordirland.

Die Verfassung aus dem Jahre 1937, die bis heute immer wieder leichte Veränderungen erfuhr, unterlag vielen Einflüssen. Einer ihrer Väter war Eamon de Valera, Ministerpräsident und ehemaliger irischer Freiheitskämpfer.

Für die Institutionen des Staates griffen die Verfasser auf das englische Vorbild zurück, nur die Amtsbezeichnungen wurden irisch. Auch hieß Irland nun offiziell Eire. Aus der US-Verfassung wurde das Verfassungsgericht übernommen, außerdem trug die irische Konstitution Züge der Weimarer und der italienischen Verfassung.

Der dominierende Einfluss aber kam aus dem Vatikan. Durch die katholische Prägung der Verfassung sollte die Trennung von der protestantischen Krone in England unterstrichen werden. Ein besonderes Anliegen de Valeras.

Der blutige, teils konfessionelle Streit zwischen London und Irland war mehrere hundert Jahre alt. Die Christianisierung der Insel ging auf das fünfte Jahrhundert zurück. Es war die Zeit des heutigen Nationalhelden und Schutzpatrons Saint Patrick. In den Jahren danach wurden zahlreiche Klöster in Irland gebaut. Es begann eine Missionsbewegung bis hin zum europäischen Festland.

Im 12. Jahrhundert wurde mit König Heinrich II. die englische Fremdherrschaft in Irland eingeläutet. Die nächsten Jahrhunderte kam die Insel nicht mehr zur Ruhe. Immer wieder lieferten sich die Iren blutige Schlachten mit dem übermächtigen Gegner von der Nachbarinsel.

Durch eine kalkulierte Ansiedlungspolitik gewinnen Protestanten in einigen Grafschaften, besonders in Ulster, im Nordosten der Insel, die Oberhand. 1801 wurde Irland offiziell im Rahmen einer Union dem britischen Empire einverleibt.

Im 19. Jahrhundert formierte sich auf der grünen Insel eine sogenannte Home-Rule Bewegung mit dem Ziel, die politische Autonomie zu erreichen. Irland war mittlerweile Englands älteste Kolonie. Da sich London zögerlich zeigte, radikalisierte sich die Bewegung. Parteien wurden gegründet, darunter auch die Irisch-Republikanische Bruderschaft Sinn Fein.

Ostern 1916 kam es in Dublin zu einem folgenreichen Aufstand. Unter den Anführern war Eamon de Valera. Wichtige Schaltzentralen wurden während des Aufstands besetzt und die Republik von Irland aufgerufen. Ganze fünf Tage dauert der Spuk.

Die britische Armee ging entschlossen gegen die Revolutionäre vor; nicht nur die Anstifter des Aufstandes wurden Exekutiert. Die Folge: Eine weitere Radikalisierung und Jahre des Untergrundkampfes, der von der meist katholischen Bevölkerung gut geheißen wurde.

Um den Konflikt zu entschärfen, wurde 1921 ein Unabhängigkeitsvertrag zwischen Dublin und London ausgehandelt: "The Articles of agreement for a treath between Great Britain an Ireland."

Ein tiefer Riss zwischen den Befürwortern und Gegnern ging durch die irische Gesellschaft, immer wieder kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Das Abkommen teilte die Insel in die protestantische Ulster-Provinz im Nordosten und die restlichen 26 katholisch geprägten Provinzen im Süden und Osten der Insel.

Es war die Zeit von Eamon de Valera. Er entsagte dem Untergrundkampf und wurde führender Parlamentarier in Dublin. Ihm schwebt ein ländlich geprägter Staat vor, und die Menschen sollten nach biblischen Geboten Leben. De Valera, mittlerweile Ministerpräsident Irlands, und seine Mitstreiter schrieben das 1937 in der Verfassung fest, die Irland bis dato noch fehlte. Die Verfassung manifestierte die Teilung.

Als sie am 29. Dezember 1937 nach einem Volksentscheid in Kraft gesetzt wurde, war die republikanisch, katholische Handschrift de Valeras unübersehbar. So waren zum Beispiel Ehescheidungen untersagt und die Frau wurde an den heimischen Küchenherd verbannt.

Artikel 41, Absatz 2: "Im besonderen anerkennt der Staat, dass die Frau durch ihr Leben im Heim dem Staat eine Unterstützung gibt, ohne die das Allgemeinwohl nicht erreicht werden kann. Der Staat soll deshalb sicherstellen, dass Mütter nicht aus wirtschaftlichen Gründen arbeiten müssen zum Nachteil ihrer Pflichten im Heim."

Autor: Oliver Ramme
   
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