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28.8.1966: Rudi Altig Radweltmeister
Jan Ullrich, Rolf Aldag und Jens Voigt, allesamt bedeutende Namen aus dem aktuellen, deutschen Radsport. Der erfolgreichste deutsche Radrennfahrer ist Erik Zabel mit seinen 121 Straßensiegen. Bis zu Zabel führte jedoch ein ganz anderer Radsportler die Liste der meisten deutschen Erfolge an und das viele Jahre lang: Rudi Altig.

Siege bei der Spanien- und Flandern-Rundfahrt, Mailand - San Remo und beim Henninger Turm markieren wichtige Stationen in seinem Leben. 1966 wurde Rudi Altig Radweltmeister auf der Straße.

Der Stern der Radsportlegende ging jedoch schon sieben Jahre eher auf. In Amsterdam feierte er bei der Weltmeisterschaft 1959 im Einer-Verfolgungsfahren den ersten großen Erfolg seiner Karriere.

Reportage: "Das war soeben der Startschuss für den ersten Lauf der Amateurverfolgung - Erster gegen Achter - der Erste heißt, es wird sich schon bis zu Ihnen herumgesprochen haben, und wir sind sehr froh darüber, Rudi Altig. Er kommt aus Mannheim, ist 22 Jahre alt und gilt hier als der ganz große Außenseiter bei der Verfolgungsamateurweltmeisterschaft."

Der Außenseiter hatte bereits im Vorlauf Schlagzeilen gemacht. Vier Minuten, 53,8 Sekunden, das war neuer Bahnrekord. Aufsehen erregte Altig aber auch zwischen den Läufen. Seine legendären Yogakopfstände wurden vom Publikum ebenso begeistert umjubelt wie sein dynamischer Fahrstil.

Reportage: "Er steigert sich in der letzten Runde, jetzt etwas weit eingezogen, den Kopf herunter und die gleiche, ebenmäßige, wunderbar gleich bleibende Beinarbeit. Und bekommt jetzt auch auf dieser Fahrt überall Sonderbeifall von den sehr vielen Amsterdamern. Und nun wollen wir einmal abwarten. Jetzt kommt Rudi Altig über die Ziellinie, ist abgeschossen worden und wiederum eine Zeit unter fünf Minuten."

Eine glänzende Zeit, die ihm den Einzug ins Finale bescherte. Und hier holte sich Altig souverän den Weltmeistertitel vor dem Italiener Mario Valotto, den ersten seiner Karriere. 1960 folgte dann sogleich der zweite Titel. Der Amateurweltmeister Altig wechselte ins Profilager eines französischen Rennstalls. Und mit diesem wurde er in Leipzig Weltmeister der Profis auf der Bahn. Im Jahr darauf folgte dann der dritte Titel als Verfolger bei der Züricher Weltmeisterschaft.

1962 beendet der Bahnfahrer Altig seine Karriere als Verfolgungsfahrer. Das deutsche Radgenie wechselt von der Bahn auf die Straße. Auch hier wollte er sich einen großen Namen machen.

Rudi Altig: "Mein sehnlichster Wunsch ist es, mich in die Siegerliste einer der Klassiker eintragen zu können, dass heißt Mailand - San Remo, Paris - Rubaix oder Paris - Brüssel, also eins der großen, klassischen Straßenrennen und dann ganz zum Schluss die Weltmeisterschaft auf der Straße!"

Bevor der deutsche Profi jedoch die wirklich großen Rennen auf der Straße gewinnen konnte, musste er zunächst einiges lernen. Die Taktik bei den 4000 Meter langen Strecken auf der Bahn war stets, bis zum Anschlag zu fahren, vom Startschuss bis ins Ziel ein unglaubliches Tempo vorzulegen. Die Rennaufteilung bei den über 100 Kilometer langen Rennen und Etappen auf der Straße war naturgemäß eine ganz andere:

Rudi Altig: "Ich habe vor allen Dingen lernen müssen, mir die Strecken einzuteilen und dass ich wohlbehalten über die Distanz komme, nicht mich zu früh ausgebe und fahre von Anfang an wie ein Verrückter und dann zum Schluss eben die Kräfte versagen, um noch im Spurt entscheidend mitsprechen zu können."

Und der Spurt war auch bei der Straßenweltmeisterschaft 1966 auf dem Nürburgring entscheidend. Eigentlich hatte schon keiner mehr mit dem Sieg des Mannheimers gerechnet. Altig fuhr mit einem beachtlichen Rückstand hinter der Spitzengruppe in die letzte Runde - begleitet von den Pfiffen des Publikums.

Doch mit einer urgewaltigen Schlussattacke griff er noch mal an und riss die Weltmeisterschaft an sich. Er gewann das Regenbogentrikot des Weltmeisters vor den beiden Franzosen Jaques Anquetil und Paymond Poulidor. Es war einer der vielen Glanzleistungen des Rudi Altig - für ihn wahrscheinlich die wichtigste überhaupt.

Autorin: Daniela Ziemann
   
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