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23.8.1572: Bartholomäusnacht
Es ist die Nacht vom 23. auf den 24. August 1572. Die Glocken der Kathedrale von St. Germain-l'Auxerrois geben das Zeichen in der Nacht vor dem Namensfest des Bartholomäus, eines Heiligen, der den Märtyrertod starb. Aus der ganzen Stadt strömt Bürgerwehr zusammen, an der weißen Armbinde erkennen sie sich. Das Grauen nimmt seinen Lauf.

Türen und Fenster werden aufgebrochen, unter dem Glockengeläut erhebt sich ein entsetzliches Mordgeschrei. Es beginnt das Massaker der Bartholomäusnacht. Die Katholiken massakrieren die Hugenotten. Alleine in Paris fallen in dieser Nacht 3000 Protestanten dem Gemetzel zum Opfer. Die Gewalt erstreckt sich in diesen Stunden auf das ganze Land, die Zahl der getöteten Hugenotten geht in die Zehntausende.

Wenige Tage zuvor ist die Stimmung in der Hauptstadt Paris ausgelassen. Eine königliche Hochzeit wird gefeiert, die ein mörderisches Jahrzehnt von Glaubenskämpfen zwischen Katholiken und Hugenotten beenden soll.

Der Bund der Ehe wird geschlossen zwischen Henri, der König des spanischen Navarra. Er ist das dynastische Oberhaupt der Hugenotten. Die Braut ist Marguerite Valois, Prinzessin von Frankreich, Tochter des verstorbenen Heinrich II. und der Katharina von Medici. Marguerite ist die Schwester des regierenden Königs Karl IX.

Einige Tausend Hugenotten aus dem ganzen Land - die Blüte des französischen Adels - sind in Paris geladen, um den Hochzeitsfeierlichkeiten beizuwohnen. Eine blutige Falle, wie sich Tage später herausstellen wird.

Jahrelang hat Krieg geherrscht zwischen Katholiken und Protestanten in Frankreich. Es wurde gemordet, gebrandschatzt und vergewaltigt. Und nun soll eine Hochzeit alles vergessen machen?

Sie findet nicht in der Kathedrale statt. Weder soll der protestantische Bräutigam die Schwelle von Notre Dame überschreiten, noch soll er die Messe hören. Vor dem Westportal der Kathedrale auf der Seine ist eine Bühne aufgebaut, auf der die Trauung vollzogen wird. Auf die Frage, ob sie, Marguerite, ihn, Henri, zum Mann nehmen will, sagt sie nicht ja, sondern nickt nur. Wie so üblich damals, war der Ehebund ausschließlich politisch motiviert.

Frankreichs stärkste Stütze im 16. Jahrhundert ist nicht der König sondern die Kirche. Diese ist vom katholischen Adel durchtränkt. Eine Reformation des Klerus hätte gleichzeitig die Macht von Fürsten beschnitten. So ist dem Adel - allen voran den Guise - an der Erhaltung des Status Quo gelegen. Die Guise, die herrschende Sippe Frankreichs, betrachtet deshalb das Treiben neben Notre Dame mit tiefem Grollen.

Betrieben wird die Hochzeit zwischen Henri und Marguerite auf Geheiß der mächtigen Königin Mutter Katharina von Medici; eine kalte Frau, die mit ausgeprägtem Machtinstinkt ausgestattet ist.

Wenige Tage nach der Trauung ein einschneidendes Ereignis: Auf offener Straße wird auf Admiral Coligny ein Attentat verübt. Der hugenottische Führer wird nur leicht verletzt; trotzdem, die Hugenotten wittern Verschwörung. Der wacklige Waffenstillstand, besiegelt durch die Hochzeit, ist in Gefahr.

Hinter dem Attentat stecken die Guise und Katharina von Medici. Alles - die Hochzeit, das groß angelegte Fest - ist Grundlage eines langfristig angelegten Plans. Karl der IX., der König mit dem irren Blick, ist rasend vor Wut, als er von dem Attentat auf Coligny erfährt. Coligny ist sein Berater und Vertrauter.

Die Katholiken lassen jetzt streuen, die Hugenotten planten einen Aufstand, um sich für das Attentat zu rächen. Der teuflische Plan nimmt seinen Lauf. König Karl wird von seiner Mutter Katharina bedrängt. Karl zaudert, schwankt. Schließlich lenkt er ein und befiehlt die Exekution Colignys. Und, so fordert er plötzlich, es soll ganze Arbeit geleistet werden: Kein Hugenotte soll übrig bleiben, um ihm später das Verbrechen vorzuhalten.

Coligny wird in der Bartholomäusnacht auf das grausamste massakriert, mit ihm Tausende seiner Glaubensgenossen.

Und Henri von Navarra? Er überlebt die Bartholomäusnacht in den Gemächern des Königs, der den Befehl für das Gemetzel gegeben hat. Henri muss seinem Glauben abschwören und wird im Louvre eingekerkert. Vier Jahre später gelingt ihm die Flucht. Er kehrt nach Spanien in sein Königreich zurück. Jahre später besteigt er den französischen Thron.

Henri, immer noch katholisch, aber Bruder im Geiste, gewährt den Hugenotten im Toleranzedikt von Nantes politische Gleichberechtigung. Eine späte Genugtuung für die Hugenotten. Dafür trat Henri ein:

"Frankreich zerfällt nicht in zwei Nationen, in eine Hugenottische und eine Katholische. Wenn Vernunft und Gerechtigkeit nicht genügen, wird der König seine persönliche Autorität in die Waagschale werfen."

Autor: Oliver Ramme
   
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  Sie hielt im House of Commons eine Rede.
  Für ihre Darstellung der Lady Macbeth.