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30.3.1992: Sichere Geldscheine
An das neue Gesicht auf dem grünen Stück Papier mussten sich die Deutschen erst einmal gewöhnen. Seit dem 30. März 1992 blickte ihnen die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff entgegen, wenn sie einen 20-D-Mark-Schein in Händen hielten. Schon zwei Jahre zuvor hatte die Bundesbank begonnen, ihre alten Scheine nach und nach auszuwechseln. Neue Köpfe, andere Farben und eine frischere Gestaltung - die D-Mark wurde modernisiert. Doch der Hauptgrund für Umstellung war nicht das Design.

"Der Grund war, warum wir diese Serie, die wir ja 1960 eingeführt hatten, ersetzten, obwohl sie der Bevölkerung ja ans Herz gewachsen war, war eigentlich, dass wir befürchteten, dass die Fälschungsrate durch die Einführung der Farbkopierer, die also Ende der 1980er Jahre, Anfang der 1990er Jahre sprunghaft ansteigen würde, das ist auch geschehen."

Peter Walter, bei der Bundesbank in Frankfurt für das Bargeld zuständig. "Leiter Hauptabteilung Hauptkasse". Walter war für die rund 2,6 Milliarden D-Mark-Scheine verantwortlich, die in Deutschland im Umlauf waren. Dass darunter möglichst wenig falsche "Fuffziger" oder dubiose Zwanziger waren, gehörte zu Walters Hauptaufgaben:

"Wir hatten Ende der 1980er Jahre im Durchschnitt etwa 6000 gefälschte Scheine im Jahr, und dann ging die Rate hoch auf bis 30.000 in der Spitze 40.000 Scheine. Durch die neuen Sicherheitsmerkmale haben wir aber verhindert, dass die Anzahl der gefälschten Scheine weiter gestiegen ist."

Neu an dem Droste-Hülshoff-Zwanziger und den anderen neuen Scheinen war zum Beispiel der leichter zu erkennende Sicherheitsfaden. Auch gab es ein so genanntes "Durchsichtsregister". Wenn man die Banknote gegen das Licht hielt, dann erschien in der oberen, linken Ecke ein "D". Anderenfalls war ein Fälscher am Werk. Und: was viele gar nicht wussten: Die neuen Scheine hatten auch noch ein verstecktes Bild im rechten Randstreifen.

Alles Merkmale, die zusammen mit dem klassischen Wasserzeichen den Fälschern ihre Arbeit erschweren sollten. Geldscheine sind Hochtechnologie-Produkte, die nur äußerst schwer nachzumachen sind. Dennoch: Bundesbank-Mann Peter Walter kannte einen Fall, bei dem ein Fälscher High-Tech mit Low-Tech zu überlisten versuchte:

"Ich erinnere mich daran, dass einmal ein Geldfälscher einen Tausendmarkschein der alten Art minutiös in Handarbeit nachgezeichnet hat. Er hat davon sechs oder sieben Scheine hergestellt und zwar hat er das so gut gekonnt, dass tatsächlich eine frappierende Ähnlichkeit festzustellen war, obwohl, wenn man den Tausendmarkschein genauer betrachtete, man sofort sah, dass es eine Fälschung war. Wir haben dann diese Tausendmarkscheine aus dem Zahlungsverkehr gefischt, sie sind heute in unserem Geldmuseum, und ich habe gehört, dass uns für diesen Tausendmarkschein bereits sehr hohe Summen geboten wurden, die über den Nominalwert beträchtlich hinausgehen."

Die ersten Geldscheine hatten um das Jahr 1260 die Mongolen ausgegeben. Einige wenige dieser ersten Geldscheine sind übrigens erhalten geblieben, sie sind in mongolischer und chinesischer Sprache beschriftet und werden heute in Russland aufbewahrt, in St. Petersburg.

Von Ostasien aus erreichte das neue Zahlungsmittel dann über Persien Europa. Wie zuvor schon die Münzen stießen auch die Geldscheine sofort auf großes Interesse bei findigen Fälschern.

"Solange es Papiergeld gibt, gibt es Fälschungen. Insofern muss man eigentlich sagen, dass es bei uns darauf ankommt, immer den Fälschungen eine Nase voraus zu haben, also einen gewissen Vorlauf, vielleicht ein, zwei Jahre, bevor die Fälscher dann aufholen. Und das ist auch der Grund, warum wir ab und zu unsere Banknoten erneuern, neue Sicherheitsmerkmale einführen."

Deshalb hatte die Bundesbank seit der großen Umstellung Anfang der 1990er Jahre ihre Geldscheine sicherheitstechnisch noch einmal aufgerüstet. Das äußere Erscheinungsbild hatte sich nicht geändert, mit einer Ausnahme: Auf den bei Fälschern besonders beliebten 50-, 100- und 200-D-Mark-Scheinen fand sich eine kleine silbrige Spezialfolie, ein so genanntes Kinegram. Jetzt musste man den Schein nicht mehr gegen das Licht halten, um eine eventuelle Blüte zu identifizieren.

"Man erkannte es daran, dass man einen Bewegungseffekt auf dem Kinegram hat. Also beim Hunderter sah man sehr schön, dass die Hundert auf und zu geht, dass es hier ein Farbspiel gibt, dass die Lyra auf der rechte Hälfte sich bewegt. Und beim Zweihunderter hatten wir einen ähnlichen Effekt. Und dieser Effekt ist eben sehr, sehr schwer nachzustellen."

Die Bundesbank war zufrieden mit dem Erfolg dieser Maßname. Denn nach der Einführung der Kinegramme 1997 waren nur wenige Blüten mit diesem neuen Sicherheitsmerkmal aufgetaucht.

Überhaupt: Die Gesamtzahl der gefälschten Scheine ist überraschend klein. Alle Banknoten landen im Schnitt dreimal pro Jahr bei der Bundesbank und werden dort überprüft. Daher besitzt Peter Meister einen genauen Überblick, wie viele Scheine gefälscht werden. Wobei die meisten "Blüten" schon vorher bei den Banken oder in den Geschäften auffallen und dann bei der Bundesbank abgeliefert werden. Insgesamt zogen Peter Meister und seine Mitarbeiter 1997 so 33.000 gefälschte Geld-Scheine aus dem Verkehr.

"Wenn sie mal den Wert nehmen, das sind noch nicht einmal vier Millionen insgesamt, bei einem Wert von insgesamt 255 Milliarden. Wenn sie das einmal in Relation setzen zu den Kaufhausdiebstählen - da haben wir also drei bis vier Milliarden Schäden im Jahr - so kann man das fast vernachlässigen. Das tun wir aber nicht, weil jede Fälschung eine Fälschung zu viel ist, und weil sie auch, wenn die Medien das aufgreifen, dass irgendwo vermehrt Fälschungen im Umlauf sind, das zur Verunsicherung in der Bevölkerung beiträgt. Wir wollen ja das Vertrauen in unser Geld erhalten und stabilisieren, und deshalb sind auch relativ geringe Zahlen von Fälschungen ein Anlass für uns, dagegen vorzugehen."

Verunsicherungen wollte die Bundesbank vor allen Dingen mit Blick auf den Euro vermeiden. Am 1. Januar 2002 ist es soweit. Der Euro ist Zahlungsmittel im Barverkehr. Gerade für die ersten Wochen befürchteten die Bundesbänker und ihre Kollegen in Europa, dass Fälscher leichtes Spiel haben könnten. Es sollte eine Weile dauern, bis man sich an die neuen Scheine gewöhnt hat, diese Zeit könnten Fälscher ausnutzen. Die Zentralbanken hatten deshalb schon frühzeitig Gegenmaßnamen ergriffen. Sicher ist Sicher.

"Der Euro wird genauso wie der Dollar, wie die D-Mark eine sehr wichtige Währung sein, die, darüber machen wir uns keine Illusionen, auch stark angegriffen werden wird, was Fälschungen von Banknoten betrifft, darüber sind wir uns klar. Deshalb haben wir uns auf bestimmte Sicherheitsmerkmale geeinigt, die wir bisher noch nicht veröffentlicht haben, um es den Fälschern nicht zu leicht zu machen."

"Ich kann Ihnen aber nur sagen, dass der Euro-Schein mit allen technischen Vorkehrungen gegen Fälschungen ausgestattet ist, d.h., alles das, was technisch möglich ist, was kommerziell vertretbar ist, d.h. die Sicherheit wird, wenn man mal die D-Mark mit dem Euro vergleicht, ähnlich sein."

Autor: Holger Hank
   
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