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27.7.1945: "Befehl 17" der sowjetischen Militärverwaltung
Alles, was nach 1945 in Deutschland geschieht, hat seinen Ursprung im Krieg und in der Art, wie er geführt worden war. Das barbarische Vorgehen Hitlers und seines Anhangs ruft unter seinen Gegnern Reaktionen hervor, die zunächst vor allem im Zeichen von Vergeltung, Wiedergutmachung und Entmachtung stehen.

Gerade die Westmächte sehen in der deutschen Geschichte von Friedrich dem Großen bis zu Hitler eine einzige Linie des gewalttätigen Imperialismus. In der Absicht, diesen deutschen Imperialismus ein für allemal zu beseitigen, denken die Sieger an die Entmündigung der Deutschen und daran, ihr Land in ein politisches und ökonomisches Vakuum zu verwandeln. Gesetze und Verordnungen, gelesen aus der Zeitung der Alliierten Militärregierung:

Zitat: "Bekanntmachung an die Zivilbevölkerung: Ansammlungen von mehr als fünf Personen in der Öffentlichkeit oder in Privatwohnungen zur Diskussionszwecken sind verboten. Das Abhalten von Gottesdiensten ist erlaubt. Das Freilassen von Tauben ist untersagt. Das öffentliche Spielen oder Singen der Nationalhymne und anderer patriotischer Lieder ist verboten. Alle Zivilpersonen über zwölf Jahre müssen ihren Personalausweis bei sich tragen."

Trotz aller Restriktionen geht der Alltag und die Politik im Frühjahr und Sommer 1945 weiter. Als "Alliierter Kontrollrat" der so genannten Viermächteerklärung vom 5. Juni 1945 richten die vier Siegermächte USA, Frankreich, England und die Sowjetunion ohne großes Federlesen Besatzungszonen ein, quer über die deutschen Ländergrenzen und in Österreich. In der Regel dort, wo die Armeen am Ende des Krieges stehen blieben.

Eine Ausnahme macht in Deutschland die amerikanische Zone, von der das ursprünglich amerikanisch besetzte Thüringen im Juli 1945 an die Sowjets abgegeben wird. Die Grenzen Deutschlands verschieben sich.

Die Abtretung ungefähr eines Viertels des Deutschen Reiches wird auf der Konferenz von Potsdam, zu der sich die Großen Drei - Churchill, Truman und Stalin - im Juli 1945 einfinden, um über das besetzte Deutschland zu befinden, insoweit bestätigt, als die deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße den Polen sowie ein Teil Ostpreußens der Sowjetunion zur Verwaltung übergeben wird.

Das Schicksal Nachkriegsdeutschlands steht nun in vollständiger Abhängigkeit vom Verhältnis der Siegermächte untereinander. Die Besatzungszonen sind eingerichtet: die Russen im Osten, die Briten im Nordwesten, die Franzosen im Südwesten, die Amerikaner im Süden und alle vier in der ehemaligen Reichshauptstadt Berlin.

Doch keine alliierte Macht geht so durchdacht an die Okkupation wie die Sowjetunion. Ihr erstes Ziel: die Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands, KPD; das Datum der Zulassung: 10. Juni 1945.

Zitat: "Auf dem Territorium der sowjetischen Okkupationszone in Deutschland ist die Bildung und Tätigkeit aller antifaschistischen Parteien zu erlauben, die sich die endgültige Ausrottung der Überreste des Faschismus und die Festigung der Grundlage der Demokratie und der bürgerlichen Freiheiten in Deutschland und die Entwicklung der Initiative und Selbstbetätigung der breiten Massen der Bevölkerung in dieser Richtung zum Ziel setzen."

Obwohl in den anderen drei Besatzungszonen Parteien erst viele Monate später zugelassen werden, ist eine politische Neuordnung Deutschlands notwendig. Städte und Kommunen benötigen dringend eine Neugestaltung. Dabei gibt es für die Besatzungszonen unterschiedliche Ziele.

Während die Sowjets auf eine straffe Organisation antifaschistischer Machart setzt, die Briten und Amerikaner auf einen breiten Demokratisierungsprozess hoffen und keine machtpolitischen Interessen verfolgen, geht es den Franzosen darum, aus ihrer Zone ein von ihren Interessen abhängiges Vorfeld ihres eigenes Landes zu machen. Ähnlich wie die Sowjets verfolgen sie das Ziel, ihre Zone abzutrennen und einzuverleiben.

Doch dafür ist eine deutliche Eingrenzung der Länder notwendig. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) ist man am schnellsten zu einer politischen Neuordnung gekommen. Wenige Wochen nach Kriegsende installieren die Sowjets fünf Neue Länder: Mecklenburg, Sachsen, Thüringen, Sachsen Anhalt und Brandenburg.

Am 27. Juli 1945 werden hier durch den Befehl 17 der Sowjetischen Militäradministration Zentralverwaltungen eingerichtet - die Grundlage für ein neues, staatliche und vor allem antifaschistisches Regime: Gut vier Jahre später, am 7. Oktober 1949, wird die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR, gegründet.

Autorin: Doris Bulau
   
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