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26.7.1581: Holland sagt sich von Spanien los
Es war ein langer Weg bis zu jenem 26. Juli 1581, an dem die sieben nördlichen Provinzen der Niederlande sich von der spanischen Krone lossagten, und ein langer Weg, den die Provinzen noch vor sich hatten, bis endlich 1648 ihre Unabhängigkeit im Westfälischen Frieden offiziell anerkannt wurde.

Angefangen hatte alles mit Philipp II. Der hatte 1556 von seinem Vater Karl V. den westlichen Teil des habsburgischen Reiches geerbt, darunter Spanien, die Niederlande und Teile von Italien. Mit Repressionen und Gewalt versuchte Philipp die religiöse und politische Einheit seiner Territorien zu erhalten.

Die aufkommende Reformation wurde mit der Inquisition bekämpft und einer neuen kirchlichen Verwaltung, die es Philipp ermöglichte, die Kirche in den Niederlanden schärfer zu überwachen. Damit griff er aber nicht nur in Glaubensdinge ein, auch die Privilegien des hohen Adels wurden beschnitten. Zusätzliche Steuern und die Stationierung von spanischen Truppen vor Ort riefen Ärger, Befürchtungen und Opposition hervor.

Schon Mitte der 1550er Jahre hatte Antoine de Granvelle, ein Bevollmächtigter des Königs, an seinen Monarchen geschrieben und gewarnt: "Die Truppen müssen zurückgezogen werden und zwar bald, sonst wird das Resultat ein Aufstand sein."

Als der König auf ihn hört, 1561, war es schon reichlich spät, die Fronten zwischen Untertanen und König sind bereits verhärtet. Mitte der 1560er Jahre kommt es zu ersten Massenprotesten. Eine calvinistische Welle verbunden mit sozialen Unruhen geht durchs Land. Daraufhin schickt der König eine Strafexpedition los, mit dem berüchtigten Herzog Alba an der Spitze.

Herzog Alba hat den Auftrag, hart durchzugreifen, und das tut er: Tausende von Oppositionellen werden angeklagt und hingerichtet, viele fliehen, besonders in die unzugänglichen nördlichen Küstengebiete, die daraufhin das Zentrum des Widerstandes werden.

Einer der Anführer der Opposition ist der Adelige Wilhelm von Oranien, der von Philipp als Statthalter für die drei Provinzen Utrecht, Seeland und Holland eingesetzt worden war. Die adelige Opposition, anfangs katholisch und königstreu, will aus ihrer Sicht nichts weiter als ihre alten angestammten Rechte bewahren. Erst im Laufe des jahrelangen Kleinkriegs der Rebellen gegen die spanischen Truppen bilden sich drei Tendenzen heraus: Radikalisierung, Konfessionalisierung und Regionalisierung.

Anfangs hatten die konfessionelle Fragen die Bevölkerung nicht geteilt, die religiöse Grundstimmung der Provinzen war undogmatisch und reformfreundlich. Im Laufe der Zeit jedoch angesichts der völligen Starrheit des Königs in religiösen Fragen wird die konfessionelle Frage auch innerhalb des Landes immer wichtiger.

Die wallonischen Provinzen im Süden, die von mehr konservativ -katholisch adeligen Kräften dominiert werden, gründen 1579 eine Union zur Bewahrung des katholischen Glaubens und schließen Frieden mit Philipp. Die bürgerlich-calvinistisch geprägten Nordprovinzen bilden eine eigene Union. Damit war eigentlich schon der Schritt der Trennung von Philipp gemacht. Offen ausgesprochen wurde er aber erst 1581, am 26. Juli in der Haager Selbständigkeitserklärung. In diesem Manifest sagen sich die Nordprovinzen von der spanischen Monarchie los.

Haager Selbständigkeitserklärung: "Wir glauben, dass ein Landesfürst von Gott über seine Untertanen gestellt ist, um sie vor allem Unrecht zu bewahren und zu schützen. Wenn er dies nicht tut und sie statt dessen unterdrückt, ihnen ihre alte Freiheit, Privilegien und Gewohnheitsrechte nimmt und sie zu Sklaven herabwürdigt, so soll er nicht für einen Fürsten, sondern für einen Tyrannen angesehen werden. Und deshalb dürfen ihm seine Untertanen nach Recht und Billigkeit durch Beschluss der Landstände den Gehorsam aufkündigen, ihn verlassen und jemand anderen an seiner Statt zu ihrem Oberhaupt wählen."

Mit der Haager Selbständigkeitserklärung war der Bruch unwiderrufbar vollzogen. Der Kampf um die Unabhängigkeit zog sich aber noch lange hin. Erst am 30. Januar 1648 bestätigte der spanisch-niederländische Sonderfrieden die Souveränität der Niederlande.

Autorin: Rachel Gessat
   
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