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22.7.1798: Napoleon erobert Kairo
"Die Ungläubigen, die gekommen sind, um euch zu bekämpfen, haben Fingernägel von einem Fuß Länge, riesige Mäuler und Furcht erregende Augen. Das sind Wilde, die vom Teufel besessen sind, und sie sind aneinander gekettet, wenn sie in den Kampf ziehen."

Ibrahim, einer der beiden Mamelucken-Befehlshaber, die ihre Truppen zur Verteidigung Kairos zusammengezogen haben, versucht sich in psychologischer Kriegsführung: Der Feind, das sind die Franzosen, die am Westufer des Nil angekommen sind. Knapp 40.000 Mann, die nur 19 Tage zuvor bei Alexandria gelandet waren und diese Hafenstadt ohne nennenswerte Verluste eingenommen hatten.

Eine formidable Armee, die da angetreten war, Ägypten zu erobern: 400 Schiffe, darunter 13 Kampfschiffe, 42 Fregatten und 130 Transportschiffe; unter dem Kommando eines bereits ruhmreichen Feldherrn: Napoleon Bonaparte.

Eigentlich hatte das in Paris herrschende Direktorium geplant, England zu erobern. Napoleon hielt jedoch nicht viel davon, wohl wissend, dass die französische Marine kaum gegen die Briten bestehen könnte. Außerdem hatte er schon früh den Plan entwickelt, die Handelswege der Briten nach Asien zu durchschneiden, indem man Ägypten und den Nahen Osten eroberte. Innerhalb von nur zweieinhalb Monaten ist die Armada zusammengestellt, statt "Englischer Armee" heißt sie nun "Ägyptische Armee", und von Toulon aus sticht sie in See.

Napoleon: "Oh, Scheichs, Kadis, Imams und Offiziere der Stadt: Sagt Eurer Nation, dass die Franzosen Freunde der wahren Muslime sind. Der Beweis dafür ist, dass sie in Rom den Vatikan zerstört haben, der die Christen immer zum Kampf gegen den Islam aufgerufen hat. Und dann haben sie die Ritter aus Malta vertrieben, die behaupteten, in göttlichem Auftrag die Muslime bekämpfen zu müssen. Die Franzosen waren immer aufrichtige Freunde des Osmanischen Sultan und Feinde seiner Feinde. Die Mamelucken weigerten sich, dem Sultan zu gehorchen und taten dies nur, um ihre Habgier zu befriedigen. Gesegnet seien die Ägypter, die mit uns übereinstimmen."

Nach der Eroberung von Alexandria richtet Napoleon diesen Appell an die Ägypter. Sein Plan: Er will als Befreier des Landes auftreten, das nominell zum Osmanischen Reich gehört, in Wirklichkeit aber von - auch häufig untereinander zerstrittenen - "Mamelucken" beherrscht wird, den Nachfahren slawischer und kaukasischer Militärsklaven, die besonders für ihre schlagkräftige Kavallerie berüchtigt sind.

Auch Napoleon hat zunächst jeden Respekt vor den Reitersoldaten. Nach dem ersten Erfolg in Alexandria aber weiß er, dass er es mit einer mittelalterlichen Strategie zu tun hat: Er lässt die Mamelucken angreifen und mäht sie aus kurzem Abstand mit den Musketen seiner Infanterie nieder.

Unbeirrt greifen die Mamelucken wieder an und werden wieder dezimiert. Schließlich fliehen sie. Zurück bleiben Tausende von Tote und noch mehr Verletzte. Die durch die Strapazen des Marsches nach Kairo geschwächten Franzosen plündern die Leichen ihrer Opfer - eine Belohnung für den Sieg. Sie haben nur 29 Tote und 260 Verletzte zu beklagen.

Am 22. Juli 1798 kapituliert Kairo, zwei Tage später hält Napoleon Einzug in die Stadt. Wie schon von Alexandria, so ist er jetzt von Kairo enttäuscht. Aber zunächst bedeutet der Einmarsch der Franzosen ein Aufleben des künstlerischen und akademischen Interesses an Ägypten. Vergessen ist der angebliche Plan, das Land wieder unter die Herrschaft Konstantinopels zu bringen. Im Gegenteil: Bei dem folgenden Vorstoß nach Palästina geraten auch Franzosen und Türken aneinander.

Und auch in Kairo gilt nicht, was Napoleon zunächst angekündigt hat: In der Bevölkerung rührt sich Widerstand, und die Franzosen reagieren rücksichtslos: Als im Oktober ein Vertrauter Napoleons vom Mob umgebracht wird, befiehlt der Feldherr seinen Soldaten die Zerstörung der damals bereits über 800 Jahre alten "Al Azhar" Moschee und Universität, das bis heute sicher weltweit wichtigste Zentrum der Islamforschung.

Das Blatt hat sich freilich bereits zuvor gegen die Franzosen gewendet: Bereits Tage nach der Eroberung Kairos gelingt es dem britischen Admiral Nelson, die französische Flotte bei Alexandria zu zerstören. 1700 Franzosen kommen dabei um. Und der Vorstoß nach Palästina scheitert schließlich in Akko, wieder mit großen Verlusten auf französischer Seite.

Napoleon ist inzwischen nach Frankreich zurückgekehrt und schickt sich an, dort die Macht zu übernehmen. In Ägypten hat General Kléber das Kommando übernommen, wohin sich die einst so siegreichen französischen Truppen zurückziehen und wo sie unter gemeinsamen Druck der Türken und Briten kommen. Kléber wird von einem muslimischen Fanatiker als Rache für die Zerstörung von "Al Azhar" ermordet.

Napoleon hatte seinen Soldaten beim Auszug nach Ägypten versprochen, jeder werde mit reicher Beute heimkehren und sich zu Hause Grund und Boden kaufen können. Über ein Drittel der Soldaten kam im Nahen Osten um, die anderen kehrten geschlagen zurück. Und nichts blieb von dem, was ihr Feldherr vor der Schlacht von Akko noch geträumt hatte:

Napoleon: "Ich werde das türkische Reich zerstören und im Osten ein neues und großartiges Imperium gründen, das meinen Namen in die Annalen der Nachwelt eintragen wird."

Autor: Peter Philipp
   
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