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6.7.1415: Johannes Hus hingerichtet
Brief an die Römer, Die Bibel: "Denn alle, die er im voraus ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, gleich gestaltet zu sein dem Bilde seines Sohnes (...). Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, und die er berufen hat, die hat er auch gerecht gesprochen, die er aber gerecht gesprochen hat, denen hat er auch die himmlische Herrlichkeit geschenkt."

Die im Römerbrief, Kapitel Acht, genannte "Himmlische Herrlichkeit" als von Gott vorherbestimmt zu predigen, die daraus folgende irdische Macht der Kirche aber zu leugnen, ist im 15. Jahrhundert Ketzerei und damit lebensgefährlich. Der Reformator Jan Hus attackiert das Selbstverständnis des mittelalterlichen Christentums.

Er predigt das Armutsideal und prangert den weltlichen Besitz der Kirchenfürsten an. Er tritt ein für die Autorität des Gewissens und versucht durch Predigten, die Kirche dem Volk nahe zu bringen. Damit nicht genug: Seine Predigten hält er allesamt in tschechischer Sprache, nicht im damals üblichen Latein.

Ein gefährliches Unterfangen. Jan Hus erkennt als Autorität in Glaubensfragen allein die Bibel an, kein Inquisitionsgericht und keine weltlichen Richter. Ein echter Ketzer, der sich dauerhaft den Groll und Hass der Kirchenoberen sichert.

Die Lehren des Jan Hus fallen in Böhmen auf fruchtbaren Boden. Sie gründen auf sozialer Gerechtigkeit und drücken die Unzufriedenheit aller tschechischen Bürger aus. Zu dieser Zeit ergreift Unruhe alle sozialen Schichten.

Die Masse der Bevölkerung ist unzufrieden mit der Finanz- und Machtpolitik der Kirchenobrigkeit, Kaufleute und Handwerksmeister schachern um die reichen Pfründe aus dem florierenden Silberbergbau. Die Bauern wollen sich aus der Leibeigenschaft befreien und Adlige ihre Privilegien sichern.

Die sozialen Spannungen verschärfen sich durch schnell steigende Preise, die vor allem reichen Bürgern zugute kommen und Bauern und kleine Adlige verarmen lässt. Und die tiefen sozialen Barrieren zwischen der deutschen und der tschechischen Bevölkerung treiben nationale Blüten:

Die Deutschen erscheinen den Tschechen als reiche Ausbeuter und Konkurrenten, und umgekehrt sind die Deutschen an den bestehenden Verhältnissen, insbesondere der Macht der Kirche zu ihrem eigenen Vorteil interessiert. Um 1400 ist die neu gegründete Prager Universität genauso fest in deutschen Händen wie die oberen Ränge der Kirche.

Mit Jan Hus kommt Bewegung ins Spiel. Als der Streit zwischen den Deutschen und den Tschechen eskaliert, werden die Deutschen von der Universität Prag vertrieben und Hus im Jahr 1409 zum Rektor gewählt. Die Lehrtätigkeit des Reformators verstärkt die Spannungen mit der Kirche.

Drei Jahre später kommt es in Prag zu Zusammenstößen zwischen den hussitischen Tschechen und den katholischen Deutschen. Um die Situation in den Griff zu bekommen, verbannt der damals regierende König Wenzel den rebellischen Universitätsrektor aus Prag. Doch Jan Hus besteht auf der Richtigkeit seiner Lehren: Er predigt weiter die Notwendigkeit der Armut und Bescheidenheit der Kirche.

Das hat Konsequenzen. 1414 wird Hus vor das päpstliche Konzil in Konstanz zitiert und zum Widerruf aufgefordert. Im Glauben an seine Lehre verweigert der Reformator den Widerruf und wird am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Die Absicht der Inquisition, die hussitische Bewegung mit dem Flammentod ihres Oberhauptes endgültig auszulöschen, wird enttäuscht. Aus dem Schwelbrand einzelner Unruhen wird ein Flächenbrand. Der Aufstand der Hussiten bricht in Böhmen los und tobt 20 Jahre. Erst im Jahr 1434 wird die Bewegung durch Verrat und Intrigen in den eigenen Reihen niedergeschlagen.

Autorin: Barbara Fischer
   
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