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5.7.1855: "Les Bouffes Parisiens" eröffnet
Ein Kölner schreibt die Melodien, die einmal der Inbegriff französischer Eleganz werden sollen. Jakob (später: Jacques) Offenbach, der Sohn eines jüdischen Kantors, verlässt mit 14 Jahren die Rheinmetropole, um in Paris Musik zu studieren. Komposition ist sein Traum, auch wenn der Erfolg zunächst auf anderem Wege kommt.

Dr. Peter Hawig: "Offenbach war 1855 ein durch die Salons von Paris bekannter Solo-Cellist. Und er hatte seit 1850 die Leitung des Orchesters des Théâtre Français, das heißt, der ersten Schauspielbühne Frankreichs, die ein kleines Orchester hatte. Auf der anderen Seite war er als Bühnenkomponist überhaupt nicht hervorgetreten, so dass er auf diesem Gebiet ein Neuling war."

So Peter Hawig, Buchautor und Leiter der Offenbach-Festspiele in Bad Ems. An den etablierten Pariser Bühnen führt niemand Offenbachs Kompositionen auf. Der Komponist greift zur List. Er eröffnet ein eigenes Theater. Hilfreich sind die ehemaligen Kolleginnen vom Théâtre Français. Die meisten haben ein Verhältnis mit hohen Staatsbeamten. Offenbach bekommt seine Konzessionen auf dem kleinen Dienstweg. Am 5. Juli 1855 eröffnet er auf den Champs-Elysées seine eigene Bühne, die "Bouffes Parisiens" - die Pariser Komödie.

Beliebt im Paris Kaiser Napoleons III. sind kleine Einakter mit Musik. Das Durchschnitts-Publikum ist schlicht und will sich amüsieren. Je deftiger die Handlung, je eingängiger die Melodien und je kürzer die Dialoge, desto erfolgreicher die Stücke.

Dr. Peter Hawig: "Offenbach hat diese Stücke vom Typ her übernommen, aber er hat sie in eine andere Welt verpflanzt. Sein Publikum war eleganter, es war besser situiert. Es waren mehr verheiratete Männer darunter und nicht so viele unverheiratete, die nicht wegen der Musik ins Theater gingen, sondern um Ausschau zu halten nach passenden Liebschaften."

"Les Deux Aveugles" (Die beiden Blinden, Musik: Jacques Offenbach): "Im Mondenscheine, beim roten Weine, komm, meine Kleine, komm mit Pedro. Hinter der Türe ich dich verführe, trotz Deines Meisters Don Bartolo."

Mit dem Einakter "Die beiden Blinden" eröffnet Offenbach die Bouffes-Parisiens. Und liefert den Schlager der Saison. Überhaupt werden die Bouffes im Paris der Weltausstellung zum In-Treffpunkt für Gäste aus dem In- und Ausland. Jacques Offenbach ist mit einem Schlag ein Star. Der süßen Melodien - aber auch der bissigen Worte. Peter Hawig:

Dr. Peter Hawig (Buchautor, Leiter der Offenbach-Festspiele Bad Ems)
"Offenbach galt als politisch naiv, aber ich halte ihn für politisch sehr sensibel, die Dinge aufzugreifen, die kritikwürdig waren, am Adel, am Militär, bis hin zum Kaiserhof, der schon in den ersten Stücken - natürlich exotisch gewandet - auftaucht."

So eröffnet Jacques Offenbach die Winterspielstätte der Bouffes-Parisiens mit dem Einakter Ba-Ta-Clan. Eine Komödie an einem verkalkten asiatischen Phantasie-Kaiserhof. Jeder weiß, dass in Wirklichkeit die Tuilerien gemeint sind.

Dr. Peter Hawig: "Offenbach war als Theater-Unternehmer zeit seines Lebens nie sehr glücklich, deswegen hat er auch die Direktion der Bouffes Parisiens nach knapp sieben Jahren abgegeben. Er hat noch mal ein anderes Theater kurz geführt, um 1874 herum, aber nie mit sehr großem wirtschaftlichem Erfolg, weil er dazu neigte, seine Theater sehr luxuriös auszustatten."

Erfolg als Theaterdirektor hat Jacques Offenbach längst nicht mehr nötig. Stücke wie "Pariser Leben", "Die schöne Helena" oder "Orpheus in der Unterwelt" haben ihn längst auf den Komponistenolymp gehoben. Und auch wenn sein letztes und reifstes Werk "Hoffmanns Erzählungen" eine große Oper ist, in die Geschichte wird Jacques Offenbach eingehen als Vater des Genres, dessen Namen er selber kreiert hat, der Operette.

Autorin: Catrin Möderler
   
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