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28.6.1846: Patent für das Saxophon
Der Durchbruch kam während des Ersten Weltkriegs: In den Jazz-Kellern Chicagos läuft das Saxophon der Klarinette den Rang ab. Es ist dabei in den letzten Tagen des New-Orleans-Jazz und in der großen Ära der Big-Bands.

Der Klang von Glenn Miller, Benny Goodman oder Duke Ellington ist ohne das Saxophon kaum vorstellbar. Und später schließlich: Instrument der Improvisationskunst großer Jazz-Solisten, wie John Coltrane mit seinem "Blue Train".

So verhalf der Jazz dem Saxophon zu seinem Siegeszug im 20. Jahrhundert. Seine Geburtsstunde allerdings datiert knapp hundert Jahre früher.

Der Belgier Adolphe Sax hatte in der Werkstatt seines Vaters von Jugend an das Handwerk des Instrumentenbauers erlernt. Es folgte ein Musik-Studium am Brüsseler Konservatorium. Doch bald zeichnete sich ab: Seine Leidenschaft lag weniger im Spiel mit den Tönen, als in der Konstruktion des Klangs. Sax war ein Tüftler, ein Bastler: Hörner, Tuben, Fagotte und Klarinetten. Er versuchte sich an fast allem, was Töne über eine Luftsäule erzeugte.

Nach ersten Erfolgen in seinem Heimatland verließ Adolphe Sax Belgien und ging nach Paris, mit wenig Geld, aber großen Ambitionen. Und nicht zu unrecht. Die Pariser Komponisten und Musiker der Zeit hatten von dem begabten Belgier gehört und nahmen diesen freundlich auf.

Schon zu dieser Zeit muss ein Exemplar seines neuen Instruments, des Saxophons, existiert haben, welches er dann mit nach Paris brachte. Denn 1842 schreibt ein inzwischen enger Freund von Sax, der Komponist Hector Berlioz, in seiner Zeitungskolumne über die Erfindung:

Hector Berlioz: "Sein Klang ist von einer Natur, die ich bei keinem tiefen, gebräuchlichen Instrument kenne. Er ist voll, weich, schwingend, von enormer Stärke und geeignet, abgeschwächt zu werden. Im oberen Bereich bringt es Klänge einer Eindringlichkeit, die es zu melodischen Ausdrücken gut geeignet sein lassen."

Trotz dieses überschwänglichen Lobes, wodurch Sax nun endgültig in die Pariser Szene eingeführt war, setzte sich das Saxophon in der zeitgenössischen Opern- und Orchestermusik nie ganz durch. Bekannte Komponisten wie Berlioz, Donizetti und Rossini wurden zwar schnell Bewunderer und schließlich Freunde des Erfinders, ihr Oeuvre für das Saxophon blieb jedoch insgesamt gering.

Im Jahr 1845 spielte Sax vor der königlichen Familie, um die Aufnahme seiner Instrumente in die französischen Militärorchester zu empfehlen. Daraufhin wurde ein öffentlicher Wettstreit auf dem Marsfeld in Paris abgehalten zwischen einer herkömmlich besetzten Militärkapelle und einer mit Sax-Instrumenten. Der Wettbewerb fiel zu Sax' Gunsten aus.

Aus dem Erfolg seiner Erfindung zog Adolphe Sax nun auch geschäftliche Konsequenzen. Bereits 1843 hatte er eine Aktiengesellschaft gegründet, und am 28. Juni 1846 erhielt er auch das französische Patent für eine ganze Saxophon-Instrumenten-Familie.

In seiner Erklärung zum Patent-Antrag Nr. 3226 begründet er seine Erfindung mit dem Fehlen gut klingender Holzblasinstrumente der tiefen Lage. Die existierenden Instrumente für Freiluftmusik und Militärkapellen waren zu leise.

Das Patent hatte wie damals in Frankreich üblich eine Geltung von 15 Jahren. Damit erhielt Sax einen Vorsprung, während dessen allein er Saxophone bauen durfte. Dreimal musste er mit seiner Fabrikation Konkurs anmelden; er ließ viel Kraft und Geld in Prozessen, in denen ihm andere Hersteller sein Patent streitig machen wollten.

Nach einer einmalig möglichen Verlängerung des Patents um fünf Jahre wurde 1866 die Erlaubnis zum Bau von Saxophonen dann zum Allgemeingut. Das nutzten nun auch andere Hersteller. Schon in den 1860er Jahren wurden die ersten italienischen Saxophone, 1888 in der Firma Conn die ersten amerikanischen hergestellt. Der deutsche Saxophonbau begann im Jahr 1901 bei der Firma Oskar Adler.

Adolphe Sax, der Erfinder und Namensgeber des Saxophons, starb 1894 wie so mancher seiner Erfinderkollegen verarmt. Den Siegeszug, den sein Instrument mit dem aufkommenden Jazz antreten sollte, hat Sax nicht mehr erlebt.

Autor: Dirk Stroschein
   
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