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24.6.1821: Simon Bolivar besiegt die Spanier
Der Aufstand seiner überseeischen Provinzen und Vizekönigreiche in ganz Spanisch-Amerika ging schon ins zwölfte Jahr, als König Ferdinand VII. zu Beginn des Jahres 1821 beschloss, Truppenverstärkungen aus Europa in den unruhigen Subkontinent zu schicken. Dort stand ihm freilich ein Feind gegenüber, der den Spaniern an Umsicht, Willenskraft und wenn es sein musste auch an Grausamkeit überlegen war.

Nach seinen glänzenden militärischen Erfolgen war der 1783 in Caracas als Sohn einer vornehmen und reichen Kreolenfamilie geborene Simon Bolivar längst zum Generalkapitän der aufständischen Patrioten im gesamten Norden des südamerikanischen Subkontinents ernannt worden, als es im Morgengrauen des 24. Juni 1821 auf der Ebene von Carabobo, etwa 100 Kilometer südwestlich von Caracas, zum Aufeinandertreffen der Hauptmasse der spanischen und der aufständischen Truppen kommt.

Etwa 7000 Spanier unter General La Torre stehen fünftausend Patrioten unter Simon Bolivar und einer kleinen britischen Legion unter Oberst Farrier gegenüber. Salvador de Madariaga, Bolivars kritischer spanischer Biograf, beschreibt den Schlachtverlauf so:

Salvador de Madariaga: "Die spanische Armee hielt die Ebene von Carabobo, und ihre Artillerie beherrschte das Tal, durch das Bolivar in die Ebene gelangen konnte. Man sagte ihm jedoch, dass sich westwärts durch die Berge ein wenig benutzter Pfad winde, der es der Kavallerie gestatten würde, sich im Rücken der Spanier in die Ebene zu ergießen. Bolivar schicke also seine Kavallerie unter Major Paez auf diesem Weg voraus, damit sie die Spanier in der rechten Flanke fasste. (...) Es gelang ihm schließlich, im Schutz von Unterholz und Bäumen die Ebene zu erreichen und die Spanier in dem Augenblick im Rücken anzugreifen, als Bolivars Truppe auf der direkten Straße eintraf. La Torre verlor die Kontrolle über seine Truppe. Manche Verbände verweigerten den Gehorsam, andere fürchteten die Gefangenschaft, wieder andere desertierten. So befand sich die Armee der Royalisten bald in voller Flucht."

Nur fünf Tage später konnte der Libertador, der Befreier, wie er in ganz Südamerika längst genannt wurde, zum zweiten Mal siegreich in seine Heimatstadt einziehen.

Der Sieg von Carabobo festigte den Mythos Simon Bolivars endgültig. Bis zum endgültigen Sieg über die Spanier sollte es aber noch weitere fünf Jahre dauern.

Ausgelöst wurden die Aufstände gegen das spanische Mutterland zweifellos durch die siegreiche Französische Revolution, begünstigt wurden sie von der militärischen Niederlage Spaniens gegen Napoleon, der ein Produkt der Französischen Revolution war.

"In diesem Herbst der spanischen Herrschaft begannen Gouverneure und Vizekönige wie welke Blätter zu fallen", schreibt Madariaga über diese Zeit. Und über Simon Bolivar, dem der spanische Monarchist Madariaga bei aller persönlicher Bewunderung doch verübelt, das spanische Weltreich zum Einsturz gebracht zu haben, urteilt er:

Salvador de Madariaga: "Insgesamt hatten die bisherigen Operationen einen Kommandeur von Entschlusskraft, schnellem Handeln und hervorragenden Führungsgaben offenbart, dazu einen Mann, der erkannte, dass sich aus der wechselnden Stimmung der Massen und dem Zaudern des Gegners vorzügliche Siege schmieden ließen."

Bolivars persönliches Motto "Krieg bis zum Tode" sollte sich für ihn selbst bewahrheiten. Denn er starb, noch keine 48 Jahre alt, in Santa Marta an der kolumbianischen Karibikküste, ausgerechnet in der Stadt, die am längsten der spanischen Krone die Treue gehalten hatte. Gesiegt hatte aber die Losung, die er der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung vorangestellt hatte:

"Unser Vaterland ist Amerika, unsere Feinde sind die Spanier, unsere Fahne die Unabhängigkeit, unsere Sache die Freiheit!"

Autor: Norbert Ahrens
   
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