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26.3.1995: Schengener Abkommen
Fuß vom Gaspedal, sich in die Autoschlange einreihen, Pass vorzeigen, Kofferraum öffnen. Diese Zeiten sind für Reisende in Europa vorbei - zumindest an den meisten Binnengrenzen der Europäischen Union. In Schengen, einem kleinen luxemburgischen Weinort, unterzeichneten 1985 Deutschland, Frankreich und die Beneluxländer das gleichnamige Abkommen, das unproblematisches und zügiges Reisen garantieren sollte.

Doch es sollten zehn Jahre vergehen, bevor das Schengener Abkommen am 26. März 1995 in Kraft treten und nach und nach die Schlagbäume zwischen diesen damals neun Mitgliedsstaaten fallen konnten. Was für viele zur Gewohnheit geworden ist, war 1995 ein weiterer Meilenstein für das zusammenwachsende Europa.

Reisen ohne Schranken

Wer sich innerhalb der Schengen-Länder bewegt, kann dies ohne Einschränkung und ohne Kontrollen tun. Reist er aber aus einem Drittstaat ein, das dem Schengener Abkommen nicht angehört, muss er weiterhin seinen Ausweis zücken.

An Häfen und Flughäfen werden Reisende aus dem Schengen-Raum wie Inlandspassagiere behandelt und nicht mehr nach ihrem Ausweis gefragt. Vor allem für die Flughäfen eine organisatorische Herausforderung.

Die Kehrseite der Medaille

Die Kehrseite der Schengen-Medaille: Freie Fahrt für Bürger heißt auch freie Fahrt für Kriminelle. Deshalb wurde in Straßburg SIS aufgebaut, das nicht unumstrittene Schengen-Informationssystem, in dem die polizeilichen Fahndungsdaten aus allen Mitgliedsstaaten des Abkommens eingespeist sind.

Bevor beispielsweise ein Konsulat ein Schengen-Visum erteilt, muss es im SIS überprüfen, ob der Antragsteller in eines der Länder nicht einreisen darf, was dann natürlich für alle anderen Schengen-Länder gilt. Denn die gemeinsame Visa-Politik besagt: wird für einen Schengen-Staat ein Visum ausgestellt oder verweigert, ist dies automatisch für alle Schengen-Länder gültig.

In diesem Sinne wurde auch die Asylpolitik in der EU vereinheitlicht. Das Schengener Abkommen beschere den einen offene Grenzen in Europa, den anderen jedoch geschlossene Grenzschranken, meinen Kritiker und warnen vor einer Festung Europa.



Autorin: Birgitt Wagner
   
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