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10.6.1943: Kugelschreiber patentiert
Medizinstudent, Bildhauer, Hypnotiseur, Autorennfahrer, Agent einer Ölfabrik, Maler, Konstrukteur - es hat eine Zeit gedauert, bis der gebürtige Budapester László Biró zu seiner Berufung fand und Journalist wurde. Von ihm und seiner Zeitschrift würde heute aber keiner mehr sprechen, wenn er nicht 1938 ein Schreibgerät erfunden hätte, das heute weltweit verbreitet ist: den Kugelschreiber.

Natürlich gab es Vorläufer. Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert hatten verschiedene Erfinder sich daran versucht, ein Schreibgerät zu entwickeln, mit dem es sich leicht wie mit einer Feder schreiben sollte, das dabei aber nicht kleckste oder auslief. Leider war da aber der Wunsch der Vater des Gedankens - diese ersten Tintenschreiber liefen noch häufiger aus als ein Füllfederhalter, ihre Schriftqualität war mäßig, die Lebensdauer gering. Kein Wunder, dass sich nicht durchsetzen konnten.

Von einer ganz anderen Warte aus bewertete Friedrich Nietzsche diese Schreibgeräte. Nach seiner Meinung unterbinden sie das Nachdenken, denn:

Nietzsche: "Wenn nun plötzlich all die kleinen Pausen wegfallen, zum Eintauchen der Feder, zum Nachfüllen des Halters und zum Ablöschen der Tinte, wann um Himmelswillen soll man dann noch Ideen entwickeln?"

Genau diese kleinen Zwangspausen aber waren es, die den Vielschreiber und Journalisten Biró tagtäglich ärgerten. Er wollte etwas Besseres konstruieren. Die Legende berichtet, die Idee sei ihm gekommen, als die Klassenkameraden seiner Tochter deren Haare in ein Tintenfass gesteckt hätten.

Nach einer anderen Lesart soll Biró die Kinder beim Murmelspiel beobachtet haben. Eine der Kugeln sei durch schmutziges Wasser gerollt und habe auf dem Boden eine Spur hinterlassen.

Wie dem auch sei - nach jahrelangen Versuchen entwickelte László Biró 1938 zusammen mit seinem Bruder György einen nachfüllbaren Kugelschreiber mit drehbarem Kolben. Erstmals wurde hier eine rotierende Kugel verwendet, die eine Spezialtinte durch kleine Kanäle im Kugellager auf das Schreibpapier überträgt.

Weitere Entwicklungen verhinderte der Krieg. Biró floh mit seiner Familie aus Ungarn, zunächst nach Paris, später nach Buenos Aires. Der argentinische Präsident war derart von der Idee beeindruckt, Tinte mithilfe einer Kugel auf Papier zu bringen, dass er Biró anbot, das Gerät in Argentinien zu produzieren.

Und hier, in Südamerika, hatte Biró die Idee, nicht Tinte als Schreibmedium zu verwenden, sondern eine dickflüssige Paste, die nicht auslaufen konnte. Wieder begann Biró zu experimentieren, bis er eine Schreibmasse mit passender Konsistenz gefunden hatte und eine schwedische Firma ihm Kugeln in der nötigen Präzision liefern konnte. Am 10. Juni 1943 erhielt Biró das Patent auf diesen ersten Kugelschreiber im heutigen Sinne.

Ein Jahr später erschienen in Argentinien die ersten dieser Kulis auf dem Markt. Der Durchbruch kam noch während des Krieges: Die britische Luftwaffe stattete ihre Piloten mit dem Stift aus, weil seine Schreibfähigkeit weder von der Flughöhe noch durch Luftdruckschwankungen beeinträchtigt wurde.

Zum Verkaufsschlager wurde der Kuli dann in den USA: Als er dort im Frühjahr 1945 auf den Markt kam, waren trotz des stolzen Preises von 8,50 Dollar schon nach 24 Stunden die ersten 10.000 Stück verkauft.

An dem kommerziellen Erfolg seiner Erfindung hatte Biró aber keinen Anteil mehr, er hatte sein Patent für eine Million Dollar verkauft. Der Käufer, der französische Baron Marcel Bich, dessen Firma BIC der Welt den Wegwerfkugelschreiber bescherte, wurde dagegen zum Milliardär.

Wenn nicht Reichtum, so bleibt Biró doch die Ehre: An seinem Geburtstag im September wird in Argentinien der Erfindertag begangen, und sein Name ist im Englischen das Synonym für Kugelschreiber: Der "Biro".

Autor: Carsten Heinisch
   
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