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19.5.1798: Napoleon bricht nach Ägypten auf
Die französische Revolution ist noch nicht ausgestanden, das Land ist von Kriegen geschüttelt. General Napoleon Bonaparte stabilisiert die Lage. Einen Aufstand der Königstreuen schlägt er nieder; in Italien besiegt er Österreich samt dessen Koalitionspartnern Preußen und Savoyen. Jetzt gehört ihm das linke Rheinufer, Belgien und Mailand. Zeit für neue Aufgaben.

England unter König George III. erkennt die französischen Gebietsgewinne nach dem Italienfeldzug nicht an. Napoleon hat einen neuen Gegner. Eine Invasion der Insel erscheint ihm allerdings aussichtslos. Er plant ein indirektes Manöver: England soll vernichtend geschlagen werden auf wirtschaftlichem Sektor.

Das Fundament der englischen Wirtschaft sind die Kolonien. Die wichtigste davon ist Indien. Ohne den Handel mit Gütern aus Indien wäre England ein Lebensnerv gezogen, und genau das möchte Napoleon. Dazu braucht er den Briten die Kolonie Indien noch nicht einmal wegzunehmen, er braucht ihnen nur den Weg dorthin abzuschneiden.

England pflegt beim Warentransport aus Indien den Landweg zu nutzen, der führt über Ägypten. Genau dort will Napoleon die Engländer aufhalten. Mit 38.000 Mann bricht er am 19. Mai 1798 auf, Ägypten zu erobern.

Am 24. Juli ziehen Napoleons Truppen in Kairo ein. Voraus geht die legendäre Schlacht bei den Pyramiden. Vielen Beteiligten kostet sie das Leben, und der Sphinx, dem kolossalen Löwenmenschen-Monument am Fuße der Pharaonengräber, kostet sie das Gesicht. Französische Kanonenkugeln zerstören die bis dahin unversehrte Wächterin der Ewigkeit.

Napoleon Bonaparte: "Indem ich Ihnen zur Kenntnis bringe, dass die französische Armee in Ägypten eingerückt ist, glaube ich, Sie von meinem festen Willen versichern zu müssen, die Reise der Mekkapilger mit allen meinen Mitteln zu beschützen (...). Wir sind Freunde der Muselmänner und der Religion des Propheten."

Napoleons Versicherungen können niemanden beschwichtigen, auch wenn er seine Soldaten im Angesicht der Pyramiden an die 40 Jahrhunderte Geschichte erinnert, die auf sie herabblicken. Scheich Abdallah al Charkawi folgt dem Aufruf des türkischen Sultans Selim III. In dessen Auftrag verwalten Charkawis Mamelucken das Territorium Ägypten, und Selim fordert gegen Napoleon den heiligen Krieg.

Den schlechtbewaffneten Orientalen kann Napoleon trotzen, nicht jedoch den Zerstörern des englischen Flottenadmirals Horatio Nelson. Ihn schickt König George, seinen Handelsweg gegen Napoleon zu verteidigen. In der Seeschlacht in der Bucht von Abukir muss Napoleons Flotte eine verheerende Niederlage hinnehmen. Nicht den Engländern ist jetzt der Weg nach Indien versperrt, sondern Napoleon der Weg zurück nach Frankreich.

Erst ein Jahr später kann Napoleon die türkische Armee in der Schlacht bei Abukir zu Lande bezwingen. Er lässt General Kléber als Oberbefehlshaber in Ägypten zurück und reist nach Hause mit einer neuen mameluckischen Leibgarde. Und macht Mode: in Frankreich trägt man jetzt "alla Turca".

Was er in Ägypten nur teilweise erobert, erobert Napoleon in Frankreich vollständig: die Herrschaft. Kaum zu Hause, stürzt er das regierende Direktorium. Napoleon wird erster Konsul, kurz darauf Kaiser. Die französische Revolution ist beendet.

Autorin: Catrin Möderler
   
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