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18.5.1980: Mount St. Helens bricht aus
Am 20. März 1980 erwacht der Mount Saint Helens mit einem Schwarm von Erdbeben. Der Geologische Dienst der USA verstärkt die Überwachung. Dieter Wörner, Geologe an der Universität Göttingen, erinnert sich:

"Ich war damals ein Student. Ich habe meine Doktorarbeit geschrieben und hatte mehr oder weniger durch Zufall davon gehört, dass Vulkanologen dort arbeiten, und die haben mich dann eingeladen, (...) jederzeit wäre ich willkommen. Da bin ich dann mit dem Auto hingefahren, und (...) wir sind dann also direkt zum Berg geflogen mit dem Hubschrauber am nächsten Tag."

120 Jahre hat Mount Saint Helens Ruhe gehalten. Dieser Berg ist eine Schönheit: ein makelloser, steiler Vulkankegel, umgeben von tiefen Wäldern - eine Idylle. Eine trügerische Idylle, denn Mount Saint Helens ist einer der aktivsten Vulkane des Feuergürtels, der den Pazifik umgibt.

27. März 1980 - mehrere kleine Wasserdampfexplosionen sprengen einen neuen Krater, die Nordflanke des Berges wölbt sich auf. Das Gebiet wird evakuiert und abgesperrt. 1. April 1980 - das Bodenzittern verrät das Aufsteigen des Magmas.

Wörner: "Der Kollege, mit dem ich dann zusammengearbeitet habe, mit dem ich auch das Zimmer geteilt habe im Hotel, der hat einmal sehr deutlich gesagt, was die Situation war. Und zwar hat er gesagt: 'Wir sitzen auf einem Pulverfass, und die Lunte brennt, und wir wissen nicht, wie lang die Lunte ist'."

Dass etwas passieren wird, scheint sicher - nur, wie stark wird der Ausbruch? Die Wölbung der Nordseite - die Beule wächst auf eine Höhe von 100 Metern und einen Durchmesser von fast zwei Kilometern. Die Vorzeichen mehren sich.

Wörner: "An dem Abend, an dem Samstagabend, haben wir diesen Mitarbeiter, von dem ich gerade gesprochen habe, den David Johnstons, den haben wir auf dem Beobachtungsposten zurückgelassen, und wir sind zurückgeflogen. Und ich weiß nicht wer und ich weiß nicht warum, es hatte jemand vergessen die Batterie für dieses Lasermessgerät (...) über Nacht aufzuladen. Und deswegen und nur deswegen waren wir eigentlich am nächsten Morgen noch nicht wieder oben auf dem Krater."

Die Vulkanologen müssen warten. Wörner schaut im Keller nach der Batterie - und blickt dabei auf den Seismographen:

Wörner: "Der spielte plötzlich völlig verrückt. Diese Ausschläge von dem Erdbebenmessgerät gingen also von einer Seite des Papiers auf die andere Seite des Papiers. Und da bin ich sofort hochgelaufen und habe gesagt: 'Da ist jetzt also wirklich etwas Ernsthaftes passiert.' Und das war der Beginn der Eruption am 18. Mai 1980."

David Johnstons ist in der Beobachtungsstation zurückgeblieben - in nur 16 Kilometern Entfernung vom Krater. Am 18. Mai 1980, um 8.32 Uhr, setzt der Vulkanologe David Johnstons einen Funkspruch ab: "Vancouver! Vancouver! Jetzt ist es so weit."

Mit der Gewalt von 20.000 Hiroshima-Bomben explodiert Mount Saint Helens.

Wörner: "Die ganze Landschaft war vollkommen verändert über viele Hunderte von Quadratkilometern. In der näheren Umgebung (...) waren die ganzen großen Bäume alle weg, die waren gar nicht mehr da. Etwas weiter weg sind sie alle umgeblasen worden, das sah aus wie Streichhölzer, die in der Landschaft lagen, aber die Streichhölzer waren alle zwei Meter dick und 30 Meter lang, die Äste waren weg. (...) Die Äste waren von der Druckwelle weggeblasen worden, und das Ganze war überdeckt von einer hässlichen, grauen Ascheschicht. Also eine Mondlandschaft kann nicht schlimmer sein, denn man hat da die Reste des Lebens noch gesehen."

Statt des Gipfels gähnt ein 1000 Meter tiefes Loch. Die Nordseite über der Wölbung ist weggerutscht - nur die Ruine eines Bergs bleibt zurück.

60 Menschen sterben bei dem Ausbruch. Die Zahl der Opfer ist wegen der frühen Uhrzeit an einem Sonntag gering. Von David Johnstons hat man keine Spur mehr gefunden.

Autorin: Dagmar Röhrlich
   
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