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8.5.1972: Nordvietnams Häfen vermint
Die US-amerikanische Armee bombardiert seit 1964 Ziele in Nordvietnam. Vietnam ist bereits zehn Jahre in den kommunistischen Norden und die südvietnamesische Republik geteilt. Eine mit allen Mitteln forcierte amerikanische Kriegsführung entlaubt den Dschungel, vernichtet Ernten und setzt Napalm und Reizgase gegen die vietnamesische Zivilbevölkerung ein.

Doch der Krieg führt zu keiner militärischen Entscheidung. Statt dessen wächst die Kampfbereitschaft der nordvietnamesischen Armee und der südvietnamesischen Guerilla - den Vietcong -, die den Süden des Landes von innen heraus zerrütten. Beide kämpfen im Auftrag des 1969 verstorbenen Landesvaters Ho Chi Minh für ein vereinigtes, kommunistisch-regiertes Vietnam. Erklärtes Ziel der USA ist es, mit diesem Krieg eine Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern.

Schlagzeilen:

Nixon in Not:
"Washington: Ein Minenkrieg ist der letzte Ausweg in Vietnam. Mehrere Handelsschiffe, darunter mindestens ein sowjetisches, haben am Donnerstagmorgen den nordvietnamesischen Hafen Haiphong verlassen, der von den Amerikanern vermint worden ist."

Die Minen vor Nordvietnam sind geschärft:
"Hongkong: Unbeeindruckt von der Seeblockade und schweren Luftangriffen auf Hanoi und Haiphong haben die nordvietnamesischen Truppen und die Vietcong in Südvietnam ihren militärischen Druck noch verstärkt und sind weiter gegen den Verteidigungsgürtel im Zentralen Hochland von Kontum vorgestoßen."

USA bombardieren Hanoi und Haiphong:
"Saigon: Mit dem Inkrafttreten der Seeblockade und Angriffen auf Hanoi haben die USA am Donnerstag ihren Druck auf Nordvietnam weiter verstärkt. Nach zweitägigem Schweigen verurteilte die Sowjetunion die amerikanischen Maßnahmen."

Am 30. März 1972, zu Ostern, startet die nordvietnamesische Armee eine breitangelegte Offensive. Sie dringt bis in die südvietnamesische Provinz Quang Tri vor. Die US-amerikanische Armee antwortet mit der Verminung der wichtigsten nordvietnamesischen Häfen und verheerenden Bombenangriffen auf Haiphong und Hanoi.

Die Minen und Bomben sollen die Versorgungswege der Vietcong unterbrechen und Nordvietnam zu Zugeständnissen in laufenden Friedensverhandlungen zwingen. Doch Beobachter des Kriegsgeschehens sehen in dem erneuten Angriff nur das gefährliche Aufbäumen eines bereits tödlich verwundeten Tieres. Die Lage der Amerikaner in Vietnam ist desolat. Zahlreiche militärische Elite-Truppen wurden von der nordvietnamesischen Armee und den Vietcong fast vollständig zerschlagen.

Im Frühjahr 1972 scheint die Möglichkeit eines überstürzten Rückzugs für die 64.000 in Vietnam verbliebenen Amerikaner greifbar nahe.

Schlagzeilen:

Nordvietnamesen starten neue Offensive. Jetzt ist auch Saigon bedroht:
"Saigon: Knapp fünf Wochen nach Beginn der mächtigsten militärischen Offensive Nordvietnams im März stehen die Vietcong bereits 25 Kilometer vor der Hauptstadt. Die drei größten Städte Südvietnams sind unmittelbar bedroht. Im Zentralen Hochland spitzt sich die Lage zu. Die Vietcong richten in der Stadt Quang Tri eine Revolutionsregierung ein."

USA glauben an Erfolg der Luftangriffe auf Nordvietnam:
"Washington: Während die Nixon-Administration in zunehmenden Maße vom Erfolg der Seeblockade und der Luftangriffe auf Nordvietnam überzeugt ist, kommen Besucher Nordvietnams zu der Ansicht, dass sich die Blockade bisher weder auf den Nachschub noch auf die Versorgung ausgewirkt hat. Ein sowjetisches Schiff durchbrach die Blockade."

Der US-amerikanische Präsident Nixon hat seine Minen-Aktion mit einem erneuten Friedensangebot an Nordvietnam kombiniert: Die kommunistische Armee soll einem Waffenstillstand zustimmen und tausende gefangene amerikanische Piloten freilassen. Dafür werden die Amerikaner binnen vier Monaten vollständig abziehen.

Doch die Friedensgespräche kommen nur schleppend voran. Der Siegeszug von General Giap, Oberbefehlshaber der nordvietnamesischen Truppen, kann nicht gestoppt werden. Weder die Verminung der Häfen noch die schweren Bombenangriffe können die weltweit erste militärische Niederlage der US-amerikanischen Armee aufhalten.

Am 27. Januar 1973 unterzeichen Vertreter der USA, Süd-Vietnams, Nord-Vietnams und der Vietcong ein Abkommen zur Beendigung des Krieges. Das Waffenstillstandsabkommen fordert unter anderem die vollständige Einstellung sämtlicher Kampfhandlungen, den Abzug der gesamten Truppen der USA und ihrer Verbündeten innerhalb von 60 Tagen und die Freilassung der Kriegsgefangenen beider Seiten - ebenfalls innerhalb von 60 Tagen.

Schlagzeilen:

Die letzte Schlacht:
"Washington: Das letzte Bataillon der amerikanischen Infanterie in Vietnam hat den Kriegsschauplatz verlassen. Nordvietnam und der Vietcong haben eines ihrer Kriegsziele - den Abzug amerikanischer Expeditionskorps - ohne Gegenleistung erreicht."

"Paris: Der Krieg in Vietnam wird durch den Verlust an Menschen und Material als einer der schwersten kriegerischen Konflikte in die Geschichte eingehen."

Der Krieg schlägt um in einen Bürgerkrieg. Die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam dauert noch bis zum 30. April 1975. An diesem Tag besetzt die nordvietnamesische Armee Saigon. Südvietnam kapituliert.

Autorin: Barbara Fischer
   
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