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1.5.1873: Livingstone stirbt
Die Kalahari-Wüste durchquerte er zwei Mal, die Viktoria-Wasserfälle wurden durch ihn entdeckt. Er befuhr den Sambesi von Angola bis nach Mosambique und machte sich auf, den Nil zu erkunden. Dabei wollte David Livingstone, als er 1840 zum ersten Mal nach Südafrika aufbrach, vor allem als Missionar wirken. Doch bald stellte er fest, dass eine erfolgreiche Missionstätigkeit an der geringen Bevölkerungsdichte wenig sinnvoll war. Er musste also reisen, musste zu den "Wilden", wie die Schwarzen aus kolonialer Sicht bezeichnet wurden.

Doch Livingstone sah keineswegs in den Eingeborenen "Wilde", sondern von Anfang an trat er gegen den florierenden Sklavenhandel ein. Obwohl seit 1833 die Sklavenhaltung im britischen Empire verboten war, trieben nach wie vor portugiesische und arabische Sklavenhändler ihr Unwesen. Livingstone glaubte, nur der freie Handel werde diesen Handel ausmerzen. Freier Handel war aber nur über die Wasserwege ins Innere Afrikas möglich. Es hieß also: Auf ins Innere des damals noch weitestgehend unbekannten Kontinents.

Es begann mit seiner Expedition in die Kalahari Wüste 1849. Schon während seiner Zeit als Missionar hatte Livingstone von fruchtbaren Regionen jenseits der Wüste gehört. Dort wolte er hin. Durch die unmenschliche Hitze der Wüste zog er mit seiner Familie und einem Freund immer wieder nordwärts. Wassermangel quälte die Expeditionen, doch dann entdeckte der in Schottland geborene Entdeckungsreisende den Ngami See, sein erster Erfolg als Entdecker.

Sein Ziel, Christentum, Handel und Zivilisation ins Innere Afrikas zu bringen, war das Hauptmotiv für Livingstone, sich 1852 auf die Erkundung des Sambesi-Flusses zu begeben. Sie wurde zur fixen Idee, bei der der damals 40-Jährige die Gefahren durch Sklavenhandel und Malaria verdrängte.

Unter unmenschlichen Strapazen erkundete Livingstone fast vier Jahre lang den Fluss und durchquerte dabei fast den gesamten Kontinent von Ost nach West. Am Ende stand fest: der Sambesi ist nicht schiffbar und damit für die Ziele Livingstones unbrauchbar. Dennoch: der Jubel bei Livingstones Rückkehr nach England galt dem Forscher. Seine Reiseerlebnisse veröffentlichte Livingstone 1857 unter dem Titel "Missionsreisen und Forschungen in Südafrika". Ein Bestseller! 1859 erschien es auch auf Deutsch und wurde 70.000 Mal verkauft.

Von nun an war Livingstone ein berühmter Mann und arbeitete im Auftrag der finanzstarken britischen Regierung. 1865 machte sich Livingstone auf, den Ursprung des Nils zu klären. Eine Frage, die die Royal Geographical Society in London heftig bewegte. Es sollte Livingstones letzte Fahrt nach Afrika werden. Schon oft war der Forscher auf seien Reisen erkrankt und geschwächt gewesen, doch diesmal schlugen Malaria und Ruhr erbarmungslos zu. Zeitweise war Livingstone zu schwach, um zu gehen, zudem befand er sich diesmal in gänzlich unbekanntem Gebiet. Viele Stämme waren dem weißen Mann feindlich gesonnen, hielten Livingstone für einen Sklavenhändler und sahen in ihm einen Feind. Monatelang, ja jahrelang hörte niemand etwas von dem Forscher. Livingstone war verschollen.

In Europa begann man bereits um ihn zu trauern, sah ihn ermordet oder todkrank in der Wildnis Afrikas. Einzig in den USA glaubte man nicht an den Tod des Entdeckers. Im März 1871 schickte daher der amerikanische Zeitungsverleger James Gordon Bennett den Journalisten Henry Morton Stanley auf die Suche.

Mit 200 Trägern brach der Reporter auf und fand schließlich den mittlerweile 58 Jahre alten Forscher und Entdecker, abgemagert bis zum Skelett, gezeichnet von den Strapazen und Krankheiten. Gemeinsam mit Stanley erkundete Livingstone, nachdem er wieder zu Kräften gekommen war, die Nordspitze des Tanganjika-Sees. Doch dann reiste Stanley zurück, und der fanatische Forscher blieb allein. Erneut wurde Livingstone krank, Fieberphantasien quälten ihn, und zunehmend ziellos zog er im Gebiet des Bangweolo-Sees umher. Am 1. Mai 1873 fanden ihn Eingeborene vor seinem Bett knieend. Tot zum Gebet vertieft.

Livingstone gehört zu den großen Forscherpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Eine Persönlichkeit, die entscheidend das Bild der Europäer von Afrika prägten. Es war David Livingstone, der erstmals die Geographie, die sozialen Strukturen des Stammeslebens und die Tier - und Pflanzenwelt des schwarzen Kontinents beschrieb. Als Missionar waren seine Erfolge bescheiden, doch als Forscher sah er vom Ngami-See in der Kalahari-Wüste bis hin zu den Viktoria-Fällen viele der Schönheiten und Naturwunder Afrikas als erster Europäer überhaupt.

Autor: Jens Teschke
   
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