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26.4.1989: Europäischer ISDN-Standard
Die analoge Wählscheibe: Telefontechnik aus vergangenen Zeiten. Heute sind es Tasten statt Wählscheiben, Bits und Bytes anstelle von Tönen und Impulsen. Nullen und Einsen rasen heute durch die Leitungen, die analoge Übertragungstechnik ist der digitalen gewichen.

Moderne Telekommunikation für Heim und Büro heißt heute nur noch ISDN - Integrated Services Digital Network. Übersetzt heißt das soviel wie Dienste-Integrierendes Digitalnetz und steht für eine Vielzahl von Leistungsmerkmalen, die telefonieren, faxen oder mailen angenehm einfach und schnell machen. Das reicht von der Anrufweiterschaltung über den automatischen Rückruf beim Besetzzeichen bis hin zur Rufnummernanzeige im Display.

Doch bevor der mittlerweile übliche Standard in Deutschland Einzug hielt, hatten Unternehmen wie Siemens, SEL und die Telekom noch einige Kinderkrankheiten zu heilen. Die Ablösung der Analogtechnik in einen nationale ISDN-Standard in den achtziger Jahren bedeutete nämlich nur komfortableres Telefonieren innerhalb der Landesgrenzen. Netzbetreiber und Endgerätehersteller in anderen europäischen Staaten hatten eigene Leistungsmerkmale entwickelt, die untereinander nicht kompatibel waren. Dieter Gneiting, Chef der ISDN-Software-Entwicklung bei Siemens, musste damals Pionierarbeit leisten: "Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keine Standards zu diesem Thema, d.h. wir haben mit der Telekom national festgelegt, wie könnte so ein ISDN aussehen - und es ist damals eingeführt worden. Das hatte aber den Nachteil, dass es nur national war, d.h. nur innerhalb Deutschlands gültig. Und damit war es nicht möglich, über Netzgrenzen hinwegzugehen, sprich über Landesgrenzen hinaus. Und es war auch nicht möglich, Telefone auszutauschen, z.B. ein Schweizer Telefon in Deutschland zu benutzen."

1989 entschieden sich deshalb Netzbetreiber aus ganz Europa, einen einheitlichen Standard auszuarbeiten. Walter Genz von der Deutschen Telekom kann sich noch daran erinnern, dass sich die Teilnehmer schnell auf ein gemeinsames Ziel verständigten: "Wenn man sich das in der Praxis vorstellt: Mit einem ISDN-Gerät aus Deutschland konnten Sie in Frankreich oder Belgien überhaupt nichts anfangen. Dann kam hinzu, dass es für jedes Land extrem hohe Entwicklungskosten gab, die die Hersteller nicht wieder einspielen konnten. Das bedeutete also niedrige Absatzerwartung und hohe Endgerätpreise. Deswegen hatten sich 26 Netzbetreiber aus 20 Ländern zusammengesetzt und dieses Memorandum of Understanding gemacht, in dem sie sich verpflichteten, diesen neuen einheitlichen europäischen ISDN-Standard Ende 1993 in ihrem Bereich einzuführen."

Vier Jahre nach ihrem ersten Treffen führten die Teilnehmerstaaten den neuen Standard europaweit ein. Von Zypern bis nach Skandinavien reichte das Euro-ISDN-Netz. Den Herstellern hat die Vereinheitlichung einen enormen Wachstumsschub beschert: Telefone und Faxgeräte können in großer Stückzahl produziert werden, weil sich eine breite Vertriebsfront öffnete. Die Verbraucher können aus einer Vielzahl von europäischen Geräten wählen, die alle miteinander kompatibel sind. Und die Zahl der Leistungsmerkmale ist seit der Einführung von Euro-ISDN deutlich gestiegen, so Walter Genz: "Die Gesamtheit aller Euro-ISDN-Länder hat es als Chance genutzt, die Leistungsmerkmale zu erweitern. Zum Beispiel den Rückruf bei Besetzt, oder die Dreier- sogar Zehner-Konferenz (...) da kann der Fußballtrainer seine gesamte Mannschaft einnorden. Das ist bei dem früheren nationalen ISDN nicht möglich gewesen."

Die Übertragungsleistungen waren mit ISDN allerdings noch nicht ausgeschöpft. Als Nachfolger ist DSL ins Spiel gebracht, eine dem ISDN vergleichbare Technologie, die aber um ein Mehrfaches leistungsstärker ist. Diesen datentechnischen Hochgeschwindigkeitszug wollten die Betreiber gleich richtig anpacken: Er sollte von Anfang an europaweit bzw. weltweit vereinheitlicht werden.
   
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