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23.4.1920: Eishockey olympische Disziplin
Olympische Sommerspiele 1920, Antwerpen, Belgien. Im Mittelpunkt die Leichtathleten natürlich, aber auch Boxer, Fechter, Bogenschützen, Reiter, Ringer, Ruderer. Und Eishockeyspieler. Es ist die olympische Premiere für die schnellste Mannschaftssportart der Welt. Zum zweiten Mal nach London 1908 werden in Antwerpen auch Medaillen in Wintersportwettbewerben vergeben.

Natürlich gewinnen die Kanadier, vertreten durch die Amateure der Winnipeg Falcons - das erste olympische Eishockeyturnier. Die Männer kommen schließlich aus dem Land, in dem das Spiel mit der kleinen Hartgummischeibe erfunden wurde. Noch überlegener sind vier Jahre später bei den ersten eigenständigen Olympischen Winterspielen in Chamonix die Toronto Granits: Sie gewinnen das Turnier mit einem Torverhältnis 110:3, ein gewisser Harry Watson erzielt allein 38 Treffer.

Die Übermacht der Kanadier wird 1956 von den Sowjets gestoppt. In Cortina feiern die Eissputniks ein sensationelles Debüt auf der olympischen Bühne. Deutsche Mannschaften gehören seit 1924 zu den Stammgästen bei den Turnieren - und spielen doch zumeist nur eine Statistenrolle. Immerhin, in Lake Placid 1932 gewinnen sie die Bronzemedaille in einem Mini-Turnier mit vier Mannschaften. Umso größer die Sensation 1976 in Innsbruck, wo das deutsche Team einmal mehr als krasser Außenseiter antrat. Im letzten Spiel ging es gegen die US-Amerikaner:

Reportage: "Alois Schloder wird wieder hart genommen, aber dafür ist Udo Kießling da, und jetzt fahren sie ins Verteidigungsdrittel der Amerikaner - Schuss - aber vorher geht Gary Ross dazwischen. Es geht in die letzten fünf, vier, drei, zwei, eins Sekunden - und jetzt ist es aus: Es ist nichts mehr zu machen. Was soll man dazu sagen: Schade, schade, schade. Über dieses Spiel wird man lange sprechen, lange schreiben. Aber es ist vorbei. Die Bundesrepublik Deutschland bezwingt zwar die USA nach einem herrlichen, kampfbetonten Spiel mit 4:1 Toren, aber die Bronzemedaille haben sie nicht erreicht."

Am Ende reichte es doch zu Bronze: Der Rechenschieber entschied zwischen den USA, Finnland und Deutschland zu Gunsten des Teams von Bundestrainer Xaver Unsinn.

Und noch einmal schrieben die Deutschen Eishockey-Geschichte bei Olympia. Im Viertelfinale des Turniers von 1992 in Albertville hatte man die Kanadier an den Rand einer Niederlage gebracht, die Entscheidung fiel im Penaltyschießen. Nachdem Kanadas Star Eric Lindros getroffen hatte, lief als letzter Schütze Peter Draisaitl an:

Reportage: "Und nun muss Peter Draisaitl wieder ran. Der hat beim ersten Versuch auch nicht getroffen. Peter - hau ihn rein. Es ist aus! Der Puck liegt auf der Linie und geht nicht weiter. Bourque hat ihn verloren, aber das ist die Entscheidung, indem der Puck auf der Linie liegen bleibt und nicht ins Tor geht. Mein Gott, was für eine dramatische Entscheidung. Peter Draisaitl hat das Elend der Welt auf dem Schläger. Eine bittere Niederlage eines tollen deutschen Teams. Dass die deutsche Mannschaft so verloren hat, ist bitter. Sie hat eine begeisternde Partie geliefert, in der es einen Verlierer und einen Sieger geben musste."

Sechs Jahre später, 1998 in Nagano, schickten die Kanadier erstmals ihre Stars aus der National Hockey League NHL und wurden dennoch nur Vierte. Kanadas letzter Olympiasieg ist in Oslo 1952.

Autor: Henrik Böhme
   
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