Kalenderblatt dw.com
 
18.4.1946: Völkerbund aufgelöst
Das Ende des Völkerbunds war am 18. April 1946 nur noch Formsache. Der Schlussstrich wurde schon Jahre vorher gezogen. Außerdem hatten die Vereinten Nationen als Rechtsnachfolger bereits 1945 ihre Arbeit aufgenommen.

Die Auflösung des Völkerbunds war gleichzusetzen mit dem Ende des ersten Versuchs, eine universale Friedensorganisation zu etablieren. Triebfeder waren die Gräuel des Ersten Weltkriegs. Kriege könnten künftig nur ausgeschlossen werden, wenn eine ständige, mit Befriedung und Friedenswahrung beauftragte internationale Institution ins Leben gerufen würde. Vordenker dieser Überlegung war der amerikanische Präsident Woodrow Wilson. In seinem 14 Punkte-Programm war die Rede von Demokratie, Abrüstung bis hin zur Selbstbestimmung der Völker. Ein revolutionäres Werk.

Nach zähen Verhandlungen, besonders mit Frankreich, das Reparationszahlungen von Deutschland und den Zugriff auf das Rheinland forderte, wurde am 28. April 1919 in Paris einer stark überarbeiteten Fassung des 14 Punkte-Programms zugestimmt. Unterzeichnet wurde die Völkerbundsatzung am 28. Juni und bildete einen Bestandteil des am selben Tag signierten Versailler Vertrages mit Deutschland. 1920 tagte der Völkerbund zum ersten Mal in Genf. Die Gründungsmitglieder waren die 32 Siegerstaaten des Ersten Weltkriegs.

Der Völkerbund blieb Stückwerk. Zum einen fehlte eine starke Exekutivgewalt, andererseits waren die UdSSR und die USA nicht vertreten. Moskau wurde nicht geduldet, Washington trat nicht bei, da es den für Deutschland überaus harten Versailler Vertrag nicht billigte. Die Mitgliedszahl stieg selbst in den besten Zeiten kaum über 50 Nationen. Bereits 1923 offenbarte sich die Schwäche der League of Nations beim sogenannten Ruhrkampf, als Frankreich wegen ausgebliebener Reparationszahlungen in Deutschland einmarschierte.

Erst Mitte der 1920er Jahre erlebte der Völkerbund eine kurze Blüte. Es kam zum Sicherheitspakt zwischen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Belgien, der durch den Vertrag von Locarno besiegelt wurde. Politiker wie Briand oder Stresemann läuteten eine neue Politik des Aufeinanderzugehens ein. Deutschland wurde 1926 Mitglied im Völkerbund. Außerdem gelang es der League of Nations einige zwischenstaatliche Konflikte friedlich beizulegen, z. B. in Korfu oder Ostgrönland. Julius Kurzius, 1930 Reichsaußenminister, appellierte an den Völkerbund sich den schwierigen Problemen nicht zu verschließen.

Kurzius: "Die erste Erfordernis aller internationalen Bemühungen, die sich in der Tätigkeit der Institutionen des Völkerbundes verkörpern, ist auch unbequeme Fragen fest ins Auge zu fassen und die Dinge beim rechten Namen zu nennen."

Hier aber scheiterte der Völkerbund. Ohnmächtig stand Genf Ende der 1920er Jahre der Weltwirtschaftskrise gegenüber. Die allgemeine Misere gab dem gegen die Versailler Ordnung ankämpfenden Nationalismus auftrieb. Der Überfall Japans auf die chinesische Mandschurei 1931 machte die Lähmung deutlich. Anderthalb Jahre brauchte man, um Tokio zu verurteilen. Als Reaktion trat Japan aus dem Völkerbund aus. Deutschland tat es den Japanern am 14. Oktober 1933 gleich. Nicht nur für die mit hohen Erwartungen verknüpfte Abrüstungskonferenz hatte Hitler Hohn und Spott übrig.

Hitler: "Die bewusste Deklassierung unseres Volkes, die darin liegt, dass man jedem Volk der Welt ein selbstverständliches Recht zubilligt, das nur uns alleine vorenthalten wird, empfinden wir als die Verewigung einer Diskriminierung, die für uns unerträglich ist."

Der Einmarsch Italiens in Abessinien 1935 und der Überfall der Sowjetunion auf Finnland 1939 entlarvten den Völkerbund endgültig als Fassade. Als letzte Amtshandlung schloss die League of Nations die Sowjetunion, die erst wenige Jahre zuvor Mitglied geworden war, aus dem Gremium aus. Zu diesem Zeitpunkt wütete ein zweiter Weltkrieg, den man mit der Gründung des Völkerbunds 20 Jahre zuvor noch auszuschließen hoffte.

Autor: Oliver Ramme
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Das hat jetzt ganz Deutschland gehört, wenn nicht sogar die ganze Bundesrepublik.
  > Esther Schweins
> RSS Feed
  > Hilfe
Wer war die erste Frau, die den Friedensnobelpreis erhielt?
  Bertha von Suttner
  Alva Myrdal
  Shirin Ebadi