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14.4.1865: Lincoln ermordet
22.15 Uhr am 14. April 1865. Clara Harris und Henry Rathbone sitzen in der State Box, der Loge im Ford's Theater, und warten gespannt auf den letzten Akt des Stücks "Our American Cousin". Ein vergnüglicher Abend war es bislang. Harris und Rathbone sind in höchster Gesellschaft: Abraham Lincoln und seine Frau sitzen mit ihnen in der Loge, und als sich die Tür von hinten langsam öffnet gelten die Schüsse ihm, dem 16. Präsidenten der USA. Dem Präsidenten, der die USA vor dem Auseinanderbrechen in Nord- und Süd-Staaten rettete und der als Sklavenbefreier in die Geschichte des Landes einging.

Fünf Tage zuvor, am 9. April, musste Südstaaten-General Robert Lee seine Niederlage eingestehen, die Niederlage des Südens gegen den Norden. Als Präsident Lincoln danach auf den Stufen des Weißen Hauses in Washington vor begeistertem Publikum das Ende des Bürgerkriegs verkündet, da hört auch John Wilkes Booth die Worte Lincolns. Er hört vor allem die Pläne des Präsidenten, bestimmten Schwarzen auch das Wahlrecht zu geben. Booth, ein Schauspieler und fanatischer Südstaatler, ist nun zu allem entschlossen.

Schon mitten im Bürgerkrieg, im Sommer 1864 plant Booth mit mehreren anderen, den verhassten Präsidenten zu entführen, als Geisel zu benutzen, um die Kriegsgefangenen der Konföderierten freizupressen. Ein Versuch scheitert. Als Booth nun von Lincoln hört, dass ehemalige Sklaven wählen dürfen sollen, ändern sich vor dem Hintergrund der Niederlage der Südstaaten, die Pläne Booths. Aus der Entführung wird jetzt die Ermordung.

Booths Schüsse auf den Präsidenten sind zugleich das erste Attentat auf den Staatschef der USA und damit der Beginn der Gewalt, die sich immer wieder gegen US-Präsidenten richtete. Knapp hundert Jahre später fiel Kennedy einem Attentat zum Opfer. Lincoln selbst verstarb am Morgen des 15. April. und hinterließ ein Land, das sich nach vier Jahren blutigen Bürgerkriegs erst langsam wieder zusammenfinden musste.

Lincoln stammte aus armen Verhältnissen. Am 12. Februar 1809 in Kentucky geboren, genießt er nur selten kontinuierlichen Schulunterricht. Immer wieder mal ein paar Monate, dann wieder monatelange Unterbrechung. Er selbst schrieb in einem kurzen Lebenslauf: "Ich wuchs in einer wilden Region auf. Bären und andere Tiere trieben sich im Wald herum. Als ich älter wurde, wusste ich nicht viel. Dennoch konnte ich lesen, schreiben und ein bisschen rechnen, aber mehr auch nicht."

Doch der Mann, der so bescheiden über seine Jugend schrieb, verschwieg, was seine Freunde stets erstaunte. In jeder freien Minute versuchte Lincoln sich Wissen anzueignen. Er las Bücher über Bücher, als knapp 21-jähriger hält er in Illinois nach einer Bootstour auf dem unwegsamen Sangamon Fluss seine erste politische Rede über eine Verbesserung des Wasserweges nach Illinois.

Aus dem jungen Laden-Angestellten wird bald ein eigener Geschäftsmann und schließlich bereits 1832 Kandidat für die Illinois General Assembly. Sein Redetalent begeistert das Volk und macht ihn bald zum begehrten Politiker der damaligen Whig-Party, aus der dann später die Republikaner werden. Der Geschäftsmann Lincoln ist nicht sonderlich erfolgreich, ja macht sogar fast bankrott. Als Mitglied der Illinois General Assembly beginnt er mit dem Jura-Studium und wird schließlich Anwalt. Diesmal ist er erfolgreich und weithin anerkannt; den Spitznamen "Honest Abe" führt er als Ehrentitel.

1841 hat Lincoln sein erstes einschneidendes Erlebnis mit Sklaven. Auf einem Mississippi-Dampfer beobachtet er zwölf Schwarze in Ketten und ist empört. Knapp 20 Jahre später noch wirkt die Beobachtung nach, als er am 6. März 1860 sich vehement gegen die Sklaverei ausspricht und damit gegen die Südstaaten wettert, für deren Wirtschaft der Sklavenhandel unabdingbar ist.

Als er im November 1860 zum Präsidenten gewählt wird, ist der Bruch zwischen Nord und Süd nicht mehr zu verhindern. Knapp einen Monat nach Amtsantritt, am 12. April 1861, beginnt mit den Schüssen auf Fort Sumter in Charleston der Bürgerkrieg, ein Krieg, den Lincoln nicht wollte, den er aber trotzdem kämpfen musste, um sein oberstes Ziel, die Einheit der Union, zu erreichen.

Als er am 15. April 1865 stirbt, hat er mit dem gerade erzielten Ende des Bürgerkriegs genau dies erreicht: die Einheit der Union. Es war an seinen Nachfolgern, das große andere Thema Lincolns, die Bürgerrechte, zu verwirklichen.

Der Amerikanist Klaus Milich von der Humboldt-Universität Berlin mit einer abschließenden Einordnung der politischen Bedeutung Lincolns:

"Wenn Sie eine Liste aufmachen würden der wichtigsten Präsidenten, dann zählt natürlich neben Washington und Jefferson im 19. Jahrhundert Lincoln, im 20. Jahrhundert Teddy Roosevelt, Franklin D. Roosevelt und Kennedy zu den entscheidenden Präsidenten, die die amerikanische Geschichte nachhaltig geprägt haben."

Autor: Jens Teschke
   
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