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11.4.1991: Waffenstillstand im Golfkrieg
Aus US-amerikanischen Nachrichten zum Einmarsch irakischer Truppen nach Kuwait: "Es ist zwei Uhr Ortszeit - irakische Truppen überschreiten die Ostgrenze zu Kuwait. Irak ist mit mehr als 100.000 Mann in Kuwait einmarschiert. Saddam befehligt mehr als eine Million kampferprobte Soldaten."

So oder ähnlich klingen in der Nacht zum 2. August 1990 die US-amerikanischen Nachrichtensender. Was ging dieser größten internationalen Krise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion voraus?

1988 endet nach acht Jahren der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak. Der Irak hat immer noch eine hochgerüstete Armee, aber zusammengeschmolzene Öleinnahmen. Ein blutig-teurer Krieg und massive Rüstungskäufe - all dies konnte nur durch Schulden bezahlt werden. Der Irak versucht verzweifelt, seine Gewinne aus der Erdölförderung zu maximieren, da beginnt sich eine weitere Krise abzuzeichnen:

Die OPEC sichert die Stabilität des Erölpreises durch eine Begrenzung der Fördermengen. Kuwait erhöht seine Fördermenge um 20 Prozent und erreicht damit einen Preisverfall auf dem Weltmarkt. Der Irak verliert ein Drittel seiner Öleinnahmen - offen droht Saddam Hussein der kuwaitischen Regierung. Erinnert wird Saddam auch daran, dass Kuwait bis zur Abtrennung durch die Briten 1928 zum irakischen Staatsgebiet gehörte.

Die Spannungen am Golf eskalieren und die offizielle Lesart der US-Regierung im Sommer 1990: "Es bestehen keine Sicherheitszusagen an Kuwait." Saddam fühlt sich ermuntert und ist überzeugt, die US-Regierung wird nicht eingreifen. Marwan Al-Kasem, der damalige jordanische Außenminister, sagt heute im Rückblick:

"Ich sage nicht, dass die Invasion in Kuwait etwas ist, mit dem irgendein arabisches Land einverstanden sein kann. Aber die Art der Umstände, die Ereignisse vor der Krise, legen den Schluss nahe, dass Pläne existiert haben müssen, den Irak in diese Situation zu bringen. Es war eine Falle, und der Irak ist da hineingetappt."

Am 8. August annektiert der Irak Kuwait und erklärt es zu seiner 19. Provinz. Am gleichen Tag kündigt der US-amerikanische Präsident Bush die Entsendung von Truppen nach Saudi-Arabien an. Ende November autorisiert der UN-Sicherheitsrat die Alliierten am Golf, alle notwendigen Mittel anzuwenden, den Rückzug Iraks aus Kuwait zu erzwingen, sofern dies nicht freiwillig bis 15. Januar geschieht.

Das Ultimatum verstreicht und am Golf stehen sich 580.000 alliierte Soldaten und 540.000 irakische Truppen gegenüber. Am 17. Januar beginnt die "Operation Wüstensturm" mit massiven Luftangriffen auf Ziele im Irak und im besetzten Kuwait. Immer wieder werden Fernsehbilder gezeigt, wie mit angeblich höchster Präzision Ziele bombardiert werden.

Der damalige US-Justizminister Ramsey Clark zieht eine eher kritische Bilanz: "Eine typische Aussage der US-Militärs war, die Bombardierung auf den Irak sei punktgenau gewesen. Das entspricht jedoch nicht der Wahrheit. 110.000 Lufteinsätze, 88.500 Tonnen Bomben. Siebeneinhalb mal soviel wie in Hiroshima. Die Wahllosigkeit der Bombardements war offensichtlich."

Zwischen 150.000 bis 200.000 Menschen sind wahrscheinlich Opfer, alle Zivileinrichtungen wie Trinkwasser- und Elektrizitäts-Anlagen sind zerstört, die Transportkette ist lahmgelegt, die wirtschaftliche Versorgung ist vernichtet.

Nach dem Verstreichen eines neuen Ultimatums beginnt am 24. Februar die Bodenoffensive der Alliierten. Nach nur drei Tagen ist die irakische Armee schwer geschlagen, Zehntausende ergeben sich freiwillig. Am Abend erklärt Präsident Bush: "Kuwait ist befreit, die irakische Armee geschlagen, unsere militärischen Ziele sind erreicht."

Alle Kampfhandlungen werden eingestellt und am 11. April offiziell das Waffenstillstands-Abkommen unterzeichnet.

Autorin: Doris Bulau
   
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