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7.4.30: Passionsgeschichte
Frau B.: "Ich bin vor einem Jahr in Israel gewesen, an den Stätten, von denen ich annehme, Jesus ist da gewesen. Hat mich sehr beeindruckt. Und ich muss noch weiter drüber nachdenken."

Herr F.: "Sie meinen den historischen Jesus. Ja also, an die reale Existenz, dass Jesus gelebt hat (...), davon bin ich überzeugt."

Schülerin C.: "Allerdings bin ich mir selber nicht ganz sicher, ob ich wirklich dran glaube, dass er gelebt hat oder nicht."

Herr E.: "Ich nehme mal an, dass das irgendwie en Persönlichkeit war. Und ich mein, er hat einiges geschaffen, und wat soll ich, mehr kann ich auch net viel sagen."

Die Frage nach ihm löst Unsicherheiten aus, Verlegenheiten - auch Nachwirkungen einer wissenschaftlichen Erforschung, die zeitweise die historische Existenz des Mannes leugnete. Ernsthaft bestreitet heute freilich niemand mehr, dass Jesus tatsächlich gelebt hat. Immerhin lassen sich dafür wenigstens Hinweise bei dem jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus Ende des ersten Jahrhunderts und wenig später bei den römischen Schriftstellern Tacitus, Sueton und dem jüngeren Plinius anführen. Wenn auch nicht mehr als Andeutungen.

Erstaunlich bei einem Mann, von dem wahre Wunderdinge überliefert sind - Krankenheilungen und Totenerweckungen - und nach dessen Lebensdaten die 2000 Jahre unseres Kalenders zählen. Danach zurückgerechnet, ist er am 7. April des Jahres 30 in Jerusalem gestorben, hingerichtet nach einem Todesurteil des römischen Statthalters in Palästina, Pontius Pilatus.

Es wurde vollstreckt auf die schändlichste Weise, die damals im Weltreich Roms bekannt war, die Kreuzigung. Die Anklage vertrat die religiöse Führung der Juden, der Hohe Rat in Jerusalem, der ihn der Gotteslästerung zieh. Gerade mit diesem Vorwurf schien seine historische Existenz gescheitert - nach menschlichen Maßstäben.

Herr F.: "Dass er auch Gottes Sohn war nach unserem Glauben, (...) das ist auch meine Überzeugung."

Schülerin C.: "In der Schule kriegt man gesagt, er hat sich aufgeopfert. Aber ich hab so viel verschiedene Sachen gehört. (...) Und letztendlich hat mir das, was ich in der Schule gelernt habe im Religionsunterricht, (...) am besten gefallen. Und das war, dass Jesus (...), dass er auf die Welt kam und die Lehre verbreitet hat, das Reich Gottes können wir selber auf Erden schaffen. Und im Grund verbinde ich auch das mit ihm."

Herr D.: "Ich glaub', dass das der Sohn Gottes war und der Erlöser der Menschheit ist und sein wird."

Diese Überzeugung entzieht sich freilich der geschichtswissenschaftlichen Bewertung. Sie gründet auf historischen Quellen, die eine Generation nach seinem Tod aufgezeichnet wurden, aber nicht eigentlich biografische Schriften sein wollen. Sie sind Zeugnisse des Glaubens, dass Jesus der Christus ist, wie die hebräische Bezeichnung Messias, der Gesalbte, ins Griechische übersetzt wurde.

Immerhin lassen diese Texte der Bibel, die vier unterschiedlichen und durchaus nicht widerspruchsfreien Evangelien, ein paar Rückschlüsse auf historische Lebensdaten zu: Danach ist Jesus in Bethlehem, ein paar Kilometer südlich von Jerusalem, geboren, und zwar im Jahre vier oder sechs oder sieben vor Christus - der Berechnungsfehler eines Mönchs im sechsten Jahrhundert lässt die Zeitenwende um diese Spanne nachhinken.

Aufgewachsen ist der Sohn des Zimmermanns Josef und seiner Frau Maria in Nazaret im Norden des heutigen Israel. Mit etwa 30 Jahren verlässt Jesus das Heimatdorf und zieht für drei bis vier Jahre als Wanderprediger durch das Land der Juden. Er spricht in einer für die damalige jüdische Theologie ungewohnten Weise von Gott und findet gerade dadurch Zulauf, schafft sich aber auch Feinde bei der religiösen Führung.

Mit seinem Kreuzestod am 14. Nisan des jüdischen Jahres 3791 endet für die Anhänger das Leben Jesu Christi nicht, sie bezeugen ihn als einen vom Tod Auferstandenen, und aus einer kleinen Sekte entsteht die Weltreligion der Christen.

Frau A.: "Jetzt spreche ich natürlich von der Kirche, die aber ja doch auch an die Person Jesus Christus gebunden ist, weil ohne Jesus Christus gäb's keine Kirche."

Herr D.: "Ich versuche, in seinem Sinn zu leben, wobei mir das natürlich nicht immer leicht fallen wird oder fällt."

Frau G.: "Ich möchte sagen, dass irgendwie mein ganzes Leben danach ausgerichtet ist."

Herr F.: "Wir sind praktizierende Christen und (...) nur aus einer Tradition oder Mitläufer zu sein, das dürfte doch nicht der Fall sein. Man hat sich doch Gedanken darüber gemacht und infolge dessen stehen wir mit unserer ganzen Persönlichkeit dazu."

Autor: Dr. Hajo Goertz
   
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