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6.4.1652: Siedler am Kap der Guten Hoffnung
Südafrikas Geschichte ist schicksalhaft verbunden mit einem scharfen Gewürz: Pfeffer. Als 1453 die türkische Herrschaft in Konstantinopel den Landweg für die westeuropäische Handelsroute zu den Gewürzländern des fernen Ostens schloss, kam es zu einem Notstand, der etwa der Ölkrise der 1970er Jahre gleich kam.

Die abgeriegelte Route zwang damals dazu, nach Alternativen zu suchen. Der portugiesische Seemann Vasco da Gama entdeckte die Route um das Kap bereits 1497, doch wegen des rauen "Southeaster" Windes, von dem er seine Schiffe bedroht sah, zog er es vor, seine Basis auf einer Koralleninsel vor Mosambik aufzubauen, um von dort nach Asien zu segeln. Besiedelt wurde das Kap von den Portugiesen also nicht.

Der südafrikanische Journalist Allister Sparks spekuliert, dass es bei einer portugiesischen Besiedelung vielleicht ganz anders gekommen wäre. In seinem Buch "The Rise and Fall of Apartheid in South Africa" heißt es:

"Die Geschichte drehte sich mit dem Wind. Wären die Portugiesen ans Kap gekommen, hätte es niemals das Volk der Afrikaner und ihre Ideologie der Apartheid gegeben. Eine mineralienreiche Republica de Boa Esperance hätte sich vielleicht als ein zweites Brasilien entwickelt; eine Gesellschaft, die eher dafür bekannt ist, dass sie verschiedene Rassen integriert, als dass man sie zum Weltsymbol für Rassentrennung macht."

Statt des Portugiesen da Gama war es ein Holländer, der anderthalb Jahrhunderte später das Kap besiedelte: Jan van Riebeeck, ein Schiffsarzt, wurde von der Niederländischen Ostindischen Kompanie beauftragt, am Kap einen Stützpunkt aufzubauen. Auf seinem Schiff "Dromedaris", begleitet von zwei leichteren Seglern, verließ van Riebeeck, am 24. Dezember 1651 Holland.

Am 6. April des folgenden Jahres erreichte er das Kap und baute eine Siedlung auf. Die Siedler, die ihn begleiteten waren keine ideologisierten landhungrigen Kolonialisten. Mit van Riebeeck segelten Tagelöhner, Arbeitslose und Straßenmusiker, die ihr Leben auf den Märkten und Gassen von Amsterdam hinter sich lassen wollten. Sie sollten im Dienste der Ostindischen Handelsgesellschaft unter anderem Gemüse anbauen, um Schiffsbesatzungen, die auf dem Weg nach Indien waren, zu versorgen. Gemüse war wichtig, weil viele Seeleute an Skorbut starben. Professor Ludwig Gerhard vom Institut für Afrikanistik der Universität Hamburg erklärt, wie es zu der Siedlung kam:

"Das Ziel der Holländer war ja nicht wirklich Afrika, sondern sie wollten nach Indien, um dort die Gewürze direkt zu bekommen und den Zwischenhandel auszuschalten, mit dem die Araber sehr viel profitiert hatten. Weil diese Reise sehr lang war, musste für zwischendurch aber eine Station gegründet werden, in der frische Nahrung und Wasser aufgenommen werden konnten. Das war eigentlich der Hauptgrund, dass am Kap der Guten Hoffnung diese Stadt gegründet worden ist. Es war zunächst eigentlich weniger eine Stadt, sondern eine Festung, die dazu dienen sollte, die Leute, die dort wohnten, dauerhaft zu schützen."

Eine Festung, die als Versorgungsstation für Gewürzschiffe dienen sollte, war Kapstadt also bei der Gründung. Die Festung selbst steht heute noch. Professor Gerhard über ihre Dimensionen:

"Ich würde sagen, es ist eine fünfeckige Anlage und von einer Kante gegenüber durch sind es etwa 150 bis 200 Meter. Es ist eine sehr große Anlage - sehr schön restauriert. Die alten Kasernenanlagen sind wieder zu sehen, die alten Waffenräume - die sind als Museum jetzt umgestaltet worden. Und auch noch die Wohnanlage des Gouverneurs der Kap-Provinz, die deutlich gezeigt haben, dass sich Rangunterschiede im Mobiliar und der Größe der Wohnung ausgedrückt haben."

Jan van Riebeeck legte nicht nur in der Siedlung Wert auf Unterschiede. Die Einheimischen bezeichnete er als, so wörtlich: "dumme, schwarze, stinkende Hunde". In den zehn Jahren, die Jan van Riebeeck am Kap verbrachte, hatte er nie wirklich persönliche Kontakte mit der schwarzen Bevölkerung. Nie versuchte er, ihre Sprache zu lernen. Stattdessen pflanzte er 1660 eine große Hecke, um sich und seine Siedler abzuschirmen.

Historiker sind sich weitgehend einig, dass es zu vereinfachend wäre, in der Siedlung der Holländer den singulären Ursprung des südafrikanischen Apartheidregimes zu sehen. Mitbegünstigt hat es sie jedoch sicherlich.

Autor: Patrick Schmelzer
   
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