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17.3.1942: "Aktion Reinhard" beginnt
Im März des Jahres 1942 erhalten zahlreiche Beamte der deutschen Zivilverwaltung in Polen die Anweisung aus Berlin, die SS vor Ort bei einer neuen "Judenaktion" zu unterstützen. Ein Beamter im Distrikt von Lublin protokolliert in seinen Akten:

"Mit Hauptsturmführer Höfle vereinbarte ich für den 16.03.1942 eine Unterredung und zwar um 17.30 Uhr."

Die neue Aktion werde Schritt für Schritt alle Juden aus Polen entfernen, erläutert der Hauptsturmführer.

"Abschließend erklärte er, er könne täglich vier bis fünf Transporte zu 1000 Juden mit der Zielstation Belzec aufnehmen. Diese Juden kämen über die Grenze und würden nie mehr ins Generalgouvernement zurückkommen."

Zielstation Belzec - was das bedeutete, blieb nicht lange verborgen. Noch im selben Monat notiert ein Pole, der in der Nähe von Belzec wohnt, in sein Tagebuch:

"25.03.1942: Der Kurs gegen die Juden verschärft sich stark. Von verschiedenen Seiten kommen Nachrichten über ihre Umsiedlung nach Osten. Bei uns werden die Juden ausgesiedelt und zumeist irgendwohin bei Belzec gebracht, wo irgend ein schreckliches Lager sein soll."

"29.03.1942: Heute wurde ein Kundschafter nach Belzec geschickt, um herauszubekommen, was dort vor sich geht.

"08.04.1942: Man weiß jetzt mit absoluter Sicherheit, dass täglich nach Belzec ein Zug aus Lublin und einer aus Lemberg fährt, jeder Zug mit 20 Waggons. Dort steigen die Juden aus, gehen hinter eine Stacheldrahtabgrenzung und werden mit elektrischen Strom getötet oder mit Gasen vergiftet."

Seit dem Herbst 1941 liefen die Vorbereitungen für die "Aktion Reinhard", die erst im Sommer 1942 diesen Namen erhielt, in Erinnerung an Reinhard Heydrich, der im Juni 1942 einem Attentat erlag. Ihr Ziel: die systematische Ermordung der polnischen Juden und die Aneignung ihres Vermögens.

Himmler beauftragt Odilo Globocnik, den SS und Polizeiführer im Distrikt Lublin, mit der Durchführung. Der engere Planungsstab setzt sich aus rund 100 Männern zusammen, die schon im Reich an den Euthanasie-Morden beteiligt waren. Drei Vernichtungslager werden gebaut: Belzec, Sobibor, und Treblinka.

Als Mitte März die Vorbereitungen abgeschlossen sind, läuft die Aktion an: Zug um Zug werden die jüdischen Ghettos geräumt. Die deutschen Einsatzgruppen gehen dabei mit äußerster Brutalität vor: Alte, Kranke und Kinder werden z.T. schon vor Ort erschossen, auch auf dem Transport in den überfüllten Güterwaggons kommen etliche um.

Pro Tag kommt ein Zug mit bis zu 60 Waggons in den Vernichtungslagern an. Die Juden werden zumeist gleich in die Gaskammern getrieben. In allen drei Lagern wird mit Kohlenmonoxid gearbeitet, 20 Minuten dauert es, bis der Tod eintritt. Von der Ankunft des Zuges bis zur Entfernung der Leichen aus den Kammern dauerte es nur 60 bis 90 Minuten. Die Leichen wurden zunächst in riesige Gruben geworfen, erst bei der Räumung der Lager 1943 exhumiert und verbrannt, um die Spuren zu beseitigen.

Als die "Aktion Reinhard" im November 1943 beendet wird, sind rund drei Millionen Juden ermordet, fast die gesamte jüdische Bevölkerung Polens.

Autorin: Rachel Gessat
   
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