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10.3.1905: Schlacht bei Mukden zu Ende
"Die Vodkafässer wurden mit Bajonetten zerstochen und mit Messern und Äxten aufgehackt, bis sie aus diesen Wunden bluteten. Eine rasende Männerhorde kämpfte um diese Öffnungen und versuchte, daraus zu trinken oder die kostbare Flüssigkeit in Tassen, Kannen oder leeren Sardinenbüchsen aufzufangen. Kosaken, Mohammedaner aus dem Kaukasus, Infanteristen, Dragoner, alle Arten von Militärs nahmen an diesem wahnsinnigen Zechgelage teil, und mit all dem Staub und dem Rauch von den brennenden Speichern, der um sie herum wirbelte, sahen sie aus wie Dämonen des Alkohols, die in den Trümmern der Hölle kämpfen."

So schilderte ein Reporter die Lage in der Stadt Mukden, wenige Tage bevor japanische Truppen die Stadt einnahmen. Bei Mukden, der Hauptstadt der Mandschurei, fand die größte Schlacht des russisch-japanischen Krieges statt - und die größte Schlacht, die die Welt bis 1905 überhaupt gesehen hatte. 300.000 Russen und 210.000 Japaner standen sich auf einer über 150 Kilometer langen Front gegenüber. Mehrere Wochen dauerte die Schlacht, über die der Korrespondent der "Times" berichtete:

"Die Kriegsführung artete zu einem archaischen Getümmel aus, wo tierische Tapferkeit und fuchsähnliche List von einer Einzelperson oder Gruppen den Tagessieg bestimmte."

Am 3. März brechen die Japaner durch die russische Verteidigungslinie, am 7. März beschließt der russische Oberkommandierende Kuropatkin den Rückzug der Truppen, um einer völligen Einkesselung zu entgehen. Der geordnete Rückzug löst sich bald auf in Flucht und Panik.

Am 10 März ziehen die japanischen Truppen in Mukden ein. 70.000 Japaner und 20.000 Russen waren tot oder verwundet, Opfer eines überflüssigen Kolonialkrieges zwischen der traditionellen Großmacht Russland und dem aufstrebenden Japan. Beide hatten Ambitionen auf die chinesische Mandschurei und Korea. Russland hatte beim imperialistischen Wettlauf die Nase vorn. Von China hatte es die Halbinsel Liotung gepachtet und damit einen Zugang zum Pazifik mit dem eisfreien Hafen, Port Arthur.

Japan war fest entschlossen, eine weitere russische Expansion nach Osten zu stoppen - notfalls mit Krieg. Ein Krieg, der von russischer Seite zunächst in einer völligen Fehleinschätzung der Lage geführt wurde. Ein Jahr vor der verheerenden Niederlage bei Mukden hatte ein hoher Diplomat zu General Kuropatkin gesagt:

"Alexei Nikolajewitsch, Sie kennen die innere Lage Russlands nicht. Um die Revolution zurückzuhalten, brauchen wir einen kleinen siegreichen Krieg."

Ein kleiner siegreicher Krieg sollte nationale Gefühle wecken und ablenken von den zunehmenden inneren Spannungen im Zarenreich. Japan, so glaubte man, sei nicht in der Lage den russischen Truppen zu widerstehen, weshalb man auch im Vorfeld nicht zu Zugeständnissen bereit war, als die japanische Seite sich bemühte, in Verhandlungen die Interessensphären in China und Korea abzustecken.

Am 9. Februar 1904 begann Japan den Krieg mit einem nächtlichen Torpedobootangriff auf die russischen Kriegsschiffe vor Port Arthur im Pazifik. Ein "Flohstich" witzelt man zunächst in St. Petersburg, doch der "kleine Krieg gegen den japanischen Zwerg" erwies sich bald als eine Kette von verheerenden Niederlagen.

Nur wenige Wochen nach der verlorenen Landschlacht bei Mukden gab es ein weiteres Fiasko zur See bei Tsushima. Von baltischen Häfen aus war die Ostseeflotte der Russen ausgesandt worden. In einer mehrwöchigen aufsehenerregenden Fahrt umsegelte sie die ganz Afrika. In der Tsushimastraße vor Japan angelangt, wurde sie in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 1905 von den Japanern vollständig vernichtet.

Erst danach, am 8. Juni, nahm der Zar die Friedensvermittlungen des US-amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt an. Am 5. September 1905 wird in US-amerikanischen Portsmouth der Frieden unterzeichnet. Das Fazit für Russland: außenpolitisch war der Krieg ein kostspieliges koloniales Abenteuer, der Verlust des Prestiges erheblich. Besonders fatal aber waren die innenpolitischen Folgen: Der Krieg, geplant als Ablenkungsmanöver und als nationaler Hemmschuh gegen die Revolution förderte im Gegenteil ihren Ausbruch.

Autorin: Rachel Gessat
   
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