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7.3.1793: Grundsteinlegung "Capitol"
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Ein junges Land strebt nach Freiheit, Amerika kämpft um seine Unabhängigkeit von der Kolonialmacht England. Die meisten Unabhängigkeitskrieger sind selbst noch im alten Europa geboren worden, zum Beispiel General Joseph Marquis de La Fayette. Nur wenige Jahre später wird er wieder in seiner Heimatstadt Paris sein, als Vorkämpfer der Französischen Revolution.

Einen Landsmann lässt La Fayette in Amerika zurück. Pierre Charles L'Enfant hat an der Kunstakademie in Paris Malerei und Bildhauerei studiert. Aus Abenteuerlust schließt er sich mit 22 Jahren der amerikanischen Revolutionsarmee an. La Fayette wird sein Kommandant. Der feuerköpfige Jüngling macht Eindruck. La Fayette legt ihn vor seiner Rückkehr dem designierten Präsidenten Georges Washington ans Herz. Der hat reichlich zu tun für einen kreativen Kopf.

Als erstes lässt Washington Pierre L'Enfant die Feierlichkeiten zu seiner Amtseinführung als Präsident der Vereinigten Staaten gestalten. L'Enfant organisiert eine großartige, würdevolle Zeremonie. Washington ist beeindruckt. Jetzt darf L'Enfant dabei helfen, Washingtons größtes Problem zu lösen, nämlich den Vereinigten Staaten eine Hauptstadt zu geben. Bisher wandert die Regierung heimatlos zwischen Philadelphia, Baltimore, Annapolis und New York hin- und her, denn die Lage der Hauptstadt ist ein diplomatisches Problem.

Von Anfang an rivalisieren die Nord- und die Südstaaten Amerikas. Niemand darf bevorzugt werden. Als Standort kommt also nur ein Ort in Frage, der buchstäblich in der Mitte liegt. Die Mittellinie zwischen Norden und Süden ist der Potomac-River, an ihm soll die neue Hauptstadt liegen. An welchem Fleck genau, überlässt der Kongress dem Präsidenten Georges Washington.

Washington entscheidet sich für ein Gebiet am Nordufer. Es gibt dort einen Hafen, der von großen Schiffen angefahren werden kann, und es liegt ganz in der Nähe des Privatanwesens von Washington am Mount Vernon. Die neue Hauptstadt wird den Namen des Präsidenten tragen und den Namen der Region, in der sie liegt, dem Distrikt Columbia. Also: Washington DC.

An dem Ort, der Amerikas Hauptstadt werden soll, stehen vorläufig nur ein paar Holzhäuser auf sumpfigem Grund. Pierre L'Enfant lässt sich nicht beirren, er ist Visionär. 800.000 Einwohner soll seine Stadt einmal haben, zehn Mal mehr, als die größten Städte der Zeit. Drei natürliche Hügel bestimmen das Stadtbild, auf ihnen sollen das Wohnhaus des Präsidenten, das Regierungsgebäude und ein großes Monument stehen. Die Straßen sollen wie Strahlen von diesen Punkten ausgehen, die Gebäude werden Paläste im Stil des alten Europa sein. Alles so, wie L'Enfant es aus Paris kennt.

Das Juwel in L'Enfants Planung ist das Regierungsgebäude, das Capitol. Als Standort ist der so genannte Jenkins' Hill vorgesehen, wie L'Enfant sagt, ein " natürlicher Podest, der auf ein Monument wartet". Dummerweise stehen auf diesem Hügel schon einige Privathäuser. L'Enfant geht bei der Umsiedelung der Bewohner wenig rücksichtsvoll vor. Ihre Proteste stören die Geburt der neuen Hauptstadt, L'Enfants Stellung ist gefährdet.

Dann möchte Washington endlich Pläne für das Regierungsgebäude sehen, aber L'Enfant weigert sich, Zeichnungen anzufertigen. Alles sei in seinem Kopf, das Haus müsse nach seiner bloßen Phantasie entstehen. Das ist zu viel, Washington entlässt seinen Baumeister. Von jetzt an sprechen alle von: "L'Enfant Terrible".

Aber das Capitol will gebaut werden. Staatssekretär Thomas Jefferson schreibt einen Architektenwettbewerb aus. Siebzehn Pläne werden eingereicht, keiner gefällt. Da kommt ein Brief von den Westindischen Inseln, der Ingenieur Dr. William Thornton möchte gerne noch einen Plan abgeben: Ein Gebäude mit zwei eleganten Seitenflügeln und einer hohen Mittelkuppel im klassizistischen Stil, strahlend weiß. Würdevoll wie ein griechischer Tempel.

Thornton macht das Rennen. Georges Washington legt den Grundstein für die künftige Heimstätte der amerikanischen Regierung. Die Fertigstellung wird er nicht mehr erleben. Erst im Jahr 1800, wenige Monate nach Washingtons Tod, kann der Kongress zum ersten Mal im Capitol zusammentreten.

Fertig ist das Capitol aber auch 50 Jahre später noch nicht. Präsident Lincoln lässt die Kuppel vergrößern. Vorlage sind der Petersdom in Rom und der Invalidendom in Paris. Der Architekt Thomas Walter entwirft den Traum aus korinthischen Säulen, gekrönt von einer bronzenen Statue, einem Symbol der Freiheit.

Bis heute darf in Washington kein Gebäude errichtet werden, das hoch genug wäre, den Blick auf die Kuppel des Capitols zu verdecken. Es ist eben ein nationales Heiligtum. Und wie alles, was besonders geliebt wird, hat es einen Kosenamen: die griechische Hochzeitstorte.

Autorin: Catrin Möderler
   
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