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3.1.1521: Bannstrahl für Luther
1514 fängt der 31-jährige Martin Luther als Prediger in der Wittenberger Stadtkirche an. Bei seiner Arbeit stellt er fest, dass viele Wittenberger nicht mehr bei ihm beichten, sondern lieber Ablassbriefe kaufen. Dieser Ablass wird auf Marktplätzen angeboten, und mit diesem Geschäft mit der Sünde verdient die Kirche dringend benötigtes Geld. Wie ein Marktschreier verkauft so zum Beispiel der Dominikanermönch Johann Tetzel seine Ware. "Wenn das Geld im Kasten springt, die Seele in den Himmel springt" soll er gesagt haben.

Dem jungen Prediger Luther ist dies alles zuwider. Er glaubt an die Beichte, daran, dass sich jeder der Gnade Gottes anvertrauen müsse. Im Oktober 1517 schickt Martin Luther 95 Thesen an seinen kirchlichen Vorgesetzten. Dass Luther diese Thesen mit lauten Schlägen an das Tor der Wittenberger Schlosskirche hämmert, gilt heute als Legende. Doch die Thesen werden rasch gedruckt, geraten in Leipzig, Nürnberg und Basel unter die Leute.

Luther wagt die Provokation

1518 eröffnet Rom dann einen Ketzerprozess gegen Luther. Gut zwei Jahre später droht der Papst mit einem Bann, wenn der Rebell seine Thesen nicht widerrufe. Martin Luther protestiert demonstrativ.

Öffentlich verbrennt er im Dezember 1520 die Bulle des Papstes. Er zündet die letzte Mahnung von Leo X. einfach an, ohne seine Lehren zu widerrufen. An diesem Dezembertag in Wittenberg wirft Luther auch ein Kirchengesetzbuch und mehrere Werke seiner Gegner ins Feuer. Der Legende nach ruft er dabei: "Weil du gottloses Buch den Heiligen des Herrn betrübt oder geschändet hast, so betrübe und verzehre dich das ewige Feuer."

Nun hat Martin Luther endgültig und unwiderruflich mit Rom gebrochen. Als die Meldung von diesem skandalösen Schauspiel den Papst erreicht, zögert der nicht lange und verhängt über Martin Luther am 3. Januar 1521 den sogenannten Bannfluch. Der Reformator gilt nun als Ketzer und Ablassprediger.

Unterstützung für Luther

Es gibt aber auch einige Fürsten, die sich für den Protestanten Luther einsetzen. Sie glauben, dass durch ihn die Macht Roms eingedämmt werden könnte. Sie überzeugen den Kaiser, Luther zum Reichstag nach Worms einzuladen. Im April 1521 macht sich Luther auf den Weg.

Doch die Fahrt nach Worms wird nicht zu dem von der Kirche erhofften Bußgang. Unterwegs wird Luther immer wieder begeistert empfangen. Er predigt in Erfurt, Gotha und Eisenach, und auch die Bürger von Worms feiern ihn bei seiner Ankunft.

Im Reichstag sei Luther dem Kaiser sachlich und klug begegnet, so ist es überliefert. Zweimal muss der Reformator vor dem Kaiser erscheinen. Luther wird immer wieder sehr deutlich gesagt, er solle doch nun endlich widerrufen. Alle rechnen damit, dass er seine Thesen für ungültig erklärt, doch Martin Luther sieht dafür keinen Grund.

"Durch die Stellen der heiligen Schrift bin ich gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!"

Martin Luther beruft sich vor dem Kaiser auf die Freiheit seines Gewissens. Nicht vor Fürsten und Päpsten müsse er sich rechtfertigen, das freie Gewissen müsse der Maßstab sein.

Bibelübersetzung auf der Wartburg

"Ich bin hindurch!", soll Martin Luther erleichtert nach seinem Auftritt im Reichstag gerufen haben. Ein Schutzbrief sichert ihm freies Geleit zu und schützt ihn vor einer drohenden Verhaftung. Der Kaiser verhängt über Luther die Reichsacht. Das bedeutet: Martin Luther ist nun vogelfrei, Kerker und die Vernichtung seiner Schriften drohen. Auf der Rückreise lässt der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise Luther entführen. Er will, dass der hoch gefährdete Reformator kurzzeitig von der Bildfläche verschwindet.

Er bringt Luther auf die abgeschiedene Wartburg, wo dieser beginnt, die Bibel zu übersetzen. Was Luther begonnen hat, ist nun nicht mehr aufzuhalten. Kaum einem der Fürsten im Wormser Reichstag ist klar, was sich vor ihren Augen abspielt. Die Reformation ist ins Rollen geraten, das Mittelalter geht zu Ende und die Neuzeit bricht an. Und aus dem Protest des Reformators entsteht die Protestantische Kirche.


Autor: Gábor Halász
   
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