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30.12.1922: Sowjetunion gegründet
"An diesem Silvesterabend 1991 gibt es eine zusätzliche Attraktion. Schlag Mitternacht wird die rote Fahne mit Hammer und Sichel eingeholt und statt dessen die weiß-rot-blaue Staatsflagge Russlands auf dem Kreml-Hauptgebäude gehisst."

Der Reporter beschreibt das Ende der Sowjetunion. Nach 69 Jahren hört die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken auf zu existieren. Geboren wurde die Sowjetunion am 30. Dezember 1922. Der letzte Zar Nikolaus II. hatte zuvor autoritär geherrscht und alle demokratischen Bewegungen unterdrückt. In Europa ist der Trend zur konstitutionellen Monarchie ungebrochen.

Doch der Zar springt nicht auf diesen Zug. Mitten im Ersten Weltkrieg muss Nikolaus II. abtreten. Nach der Februarrevolution 1917 wird er nach Sibirien verbannt und später mit seiner Familie in Jekaterinenburg hingerichtet. Im Oktober 1917 putschen Kommunisten in Sankt Petersburg gegen die bürgerliche Regierung, die den ungewollten Weltkrieg weiterführt. Wladimir Iljitsch Lenin führt die Oktoberrevolution an.

Ihr Wesen, das die Arbeiter eines jeden Landes in immer steigendem Maße anzieht, besteht darin, dass der Staat, der früher auf die eine oder die andere Art von den Reichen oder den Kapitalisten geleitet wurde, jetzt zum ersten Mal und zwar in großem Maßstab gerade von den Klassen geleitet wird, die der Kapitalismus unterdrückte.

In Sankt Petersburg übernehmen Arbeiterräte, sogenannte Sowjets die Macht. Lenin, der lange Jahre im Exil lebte, verbreitet seine Ideen nun öffentlich.

"Selbst in der demokratischsten, selbst in der freiesten Republik wird der Staat, solange die Herrschaft des Kapitals bestehen bleibt, solange Grund und Boden Privateigentum bleiben, immer von einer kleinen Minderheit geleitet, die zu neun Zehnteln aus Kapitalisten und Reichen besteht. Die Sowjet-Macht dagegen, ist der von den Massen gefundene und daher richtige und daher siegbringende Weg zum Sozialismus."

Die neuen Machthaber ziehen sich aus dem Erste Weltkrieg zurück. In Brest-Litowsk unterzeichnen sie einen Friedensvertrag. Es folgt ein fast dreijähriger Bürgerkrieg zwischen den Anhängern des Zaren, bürgerlichen Demokraten und der Roten Armee, die abgefallene Provinzen zurückerobert. Am 30. Dezember 1922 beraten in Moskau auf dem ersten "Allunions-Kongress" Vertreter Russland, Ukraine, Transkaukasien und Weißrussland. Sie schließen sich zur Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zusammen. Die Sowjetunion beginnt ihren Weg zur zweiten Weltmacht nach der USA.

Lenin erleidet 1922 einen Schlaganfall und stirbt zwei Jahre später. Im Kampf um die Nachfolge setzt sich Josef Stalin gegen Leo Trotzki durch. Mit Stalin zieht der Terror in den Kreml ein. Die Geheimpolizei bringt über eine Millionen Menschen um. Im Zweiten Weltkrieg wird die Sowjetunion schwer zerstört, Millionen Menschen sterben. Doch aus dem Krieg geht die UdSSR gestärkt hervor. Sie kontrolliert den Osten Europas und ist fortan im Kalten Krieg mit dem Westen.

Nach dem Tod Stalins führt Nikita Chruschtschow die kommunistische Partei. Er verfolgt einen gemäßigten Kurs und benennt die stalinistischen Verbrechen. Als die Sowjetunion auf Kuba Raketen auf die USA richten möchte, steht die Welt kurz vor einem neuen Krieg.

1985 wird der im Vergleich zu seinen Vorgängern noch junge Michail Gorbatschow Generalsekretär der sowjetischen Kommunisten. Mit ihm beginnt die Zeit von Perestroika und Glasnost, auf deutsch die Zeit von Umbruch und Transparenz. Die neue Freiheit hat schon bald Folgen. Im Oktober 1990 erklären Litauen, Estland, Lettland, Georgien und Armenien ihre Unabhängigkeit. Das ist der Anfang vom Ende der Sowjetunion.

Im August 1991 putschen Kommunisten gegen Präsident Gorbatschow. Zwei Monate später lösen die Präsidenten von Russland, der Ukraine und Weißrussland die UdSSR auf. Am Silvesterabend 1991 wird die rote Fahne vom Kreml eingeholt.

Es wird viel Hallo geben an diesem Abend, die Beerdigung der UdSSR löst kaum Tränen aus. Man wird sich umarmen und alles Gute wünschen, irgendwann geht es nach Hause, noch ein paar Schluck. Ab 2. Januar wird Wodka und Sekt den Preis erneut kräftig anziehen, dann werden in Russland die Einzelhandelspreise freigegeben, dann wird es Ernst werden mit der Wirtschaftsreform.

In den Moskauer Kreml zieht nun der russische Präsident Boris Jelzin. An die Stelle der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken tritt die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten.

Autor: Gábor Halász
   
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