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8.11.1939: Hitler-Anschlag in München
Eigentlich war es die Drohung eines Krieges, der, von Hitler ohne Notwendigkeit begonnen, den deutschen Widerstand hervorbrachte. Vor allem waren es Politiker, hohe Beamte in den Reichsministerien oder einflussreiche Offiziere, die sich gegen Hitlers aggressive Außenpolitik sträubten.

Aber es gab auch unscheinbare Einzeltäter, die mit unglaublicher Akribie und Einsatz Hitler nach dem Leben trachten. So Georg Elser, von Beruf Schreiner, der den Anschlag im Münchener Gasthaus "Bürgerbräu" ausführte. Er hatte kaum Verbindung mit den anderen Kreisen der Opposition. Er hatte keine Hintermänner.

In den Tagen kurz vor der alljährlichen Veranstaltung zur Erinnerung an den missglückten Putsch von 1923, gelingt es Elser, sich in der Zeit von Anfang August bis zum besagten 8. November viele Male unbemerkt über Nacht in dem kaum gesicherten Löwenbräusaal aufzuhalten. In der mit Holz verkleideten Säule aus Steinen und Mörtel, vor der Hitler seine alljährliche Ansprache halten will, baut Elser eine Sprengladung ein und koppelt die Zündung mit zwei Westminsteruhren.

Den Sprengstoff entwendet er teilweise aus einem Steinbruch, in dem er nur zu diesem Zweck Arbeit annimmt. Die Vorbereitung der Sprengkammer in der Säule nimmt 30 - 35 Nächte in Anspruch. Die aus der Säule herausbrechenden Putz- und Mauerstückchen trägt er in seiner Aktentasche krümelweise weg.

Wegen des Kriegszustandes ist für 1939 die übliche Feier "nur mit einem wesentlich eingeschränktem Programm" geplant. Hitler fliegt am 8. November nach München. Schon gegen 18.00 Uhr sind Saal und Empore im Löwenbräu dicht gefüllt, von der Prominenz erscheinen Himmler, Rosenberg, Frank, Goebbels und Ribbentrop. Der Badenweiler Marsch wird gespielt und die Blutfahne hereingetragen, dann kommt der Führer.

Wegen der knappen Zeit wird Hitlers Rede vorgezogen und früher beendet. Um 21.07 Uhr schließt Hitler seine Rede und verlässt den Saal. Sein Sonderzug, der ihn zurück nach Berlin bringen soll, steht abfahrbereit am Münchener Hauptbahnhof. Die Explosion erfolgt um 21.20 Uhr, und die herabstürzende Decke tötet acht Menschen, mehr als sechzig werden verletzt.

Elser wird noch am selben Abend in Konstanz verhaftet, als er versucht, in die Schweiz zu entkommen. Schon in den ersten Vernehmungen gibt Georg Elser zu, der Attentäter zu sein. Er gibt auch das Motiv für die Tat an. Sein Bruder, Kommunist, ist in einem Konzentrationslager verstorben. Elser, der selbst auch Kontakte zum kommunistischen Widerstand hat, aber dieses Attentat alleine plante, macht vor allem Hitler für den Krieg verantwortlich. Er hasst Hitler und will ihn beseitigen.

Andere Oppositionsgruppen und Verschwörer aus dem Militär sind höchst erstaunt darüber, dass hier jemand das wahrgemacht hat, wovon sie immer nur sprechen. Besonders seit Hitlers Rede am 1. September vor dem Reichstag wachsen Pläne zum Staatsstreich.

Adolf Hitler, 1. September 1939: "Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen. Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten."

Doch das Glück bleibt Hitler treu. Die modernen deutschen Armeen überrennen Polen in einem einzigen siegreichen Ansturm. Am 10. Oktober tritt Hitler erneut im Reichstag auf und kann seine Begeisterung über den Militärschlag kaum noch zügeln:

"Ein November 1918 wird sich in der Geschichte nicht mehr wiederholen. Eine Hoffnung auf die Zersetzung unseres Volkes aber ist kindlich. Herr Churchill mag der Überzeugung sein, dass Großbritannien gewinnt. Ich zweifle keine Sekunde, dass Deutschland siegt."

Der Widerstand wächst angesichts der drohenden Kriegsgefahr, die eindeutig auf einen Weltkrieg abzielt. Doch den Oppositionellen ist auch klar, ohne Truppen kann man nicht putschen, im Krieg noch weniger als sonst. Die Widerstandsbewegung in den deutschen Führungskreisen, die sich weiter formiert, sieht erst dann wieder eine Chance, nachdem die scheinbar unaufhaltsamen Siegeszüge der deutschen Wehrmacht ihr Ende gefunden haben und die Rückschläge an den Fronten einsetzen.

Georg Elser, der einsame Attentäter von München, sitzt derweil im Konzentrationslager Dachau. Als im Frühjahr 1945 das Ende des Reiches naht, wird Elser von Gestapo und SS während eines Luftangriffs auf München ermordet.

Autorin: Doris Bulau
   
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