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9.10.1874: Allgemeiner Postvereinsvertrag
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ist es gar nicht einfach, einen Brief vom Absender zum Empfänger zu befördern. Der deutschsprachige Raum besteht aus fast 2000 Fürstentümern, jede Grenze hält auf. Auch die Kosten für die Briefbeförderung sind noch nicht richtig geregelt.

Dr. Klaus Beyrer, Museum für Kommunikation, Frankfurt a. M.: "Es gab ein Porto-Franco-Verfahren, das heißt, damals konnte man noch wählen, ob man die Briefe frankieren will oder ob man sie unfrankiert verschickt. Und wenn man sie unfrankiert verschickte, hatte man zumindest die Garantie, dass der Brief ankommen würde, denn dann hat erst der Empfänger das Entgelt erstattet."

Dr. Klaus Beyrer vom Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main ist Experte für Postgeschichte. Die Lösung für das knifflige Problem hat der Generalpostmeister des deutschen Reiches, Heinrich von Stephan. Er träumt von weltweit vereinheitlichten Normen für das Postwesen. Auf seine Anregung treffen sich im Herbst des Jahres 1874 die Vertreter von 21 Staaten in Bern. Am 9. Oktober präsentieren sie das Resultat ihrer Gespräche: Den "Allgemeinen Postvereinsvertrag".

Dr. Klaus Beyrer (Museum für Kommunikation, Frankfurt a. M.): "Man hat sich darauf verständigt, dass die Post von vorne herein zu frankieren ist und nicht unfrei verschickt werden darf. Zur gleichen Zeit ist die Briefmarke entstanden und die Briefmarke braucht man im Grunde genommen auch dazu, das heißt, man frankiert die Briefe mit einer Briefmarke. Und man konnte sie in einen Briefkasten stecken, der auch in dieser Zeit aufkam."

Für den hat Heinrich von Stephan ein besonderes Faible. Schon als 20-jähriger bemerkt er in seiner ersten Stellung als Postbeamter: "Das Postamt Köln hatte gegen 100 Köpfe Personal, darunter 15 Briefträger, drei Paketbesteller und drei Geldbriefträger. Auch besaß die Stadt Köln bereits 12 Briefkästen!"

Reichskanzler Bismarck persönlich wird auf den Postbeamten aus Leidenschaft aufmerksam. Er schlägt Heinrich von Stephan für die Leitung der deutschen Postverwaltung vor. Jetzt kann sich ein geniales Talent entfalten. Heinrich von Stephan sprüht förmlich vor Ideen. Eine nach der anderen setzt er in die Tat um.

Er führt eine neue Versendungsform ein: die Postkarte. Er vereinheitlicht die Gewichtsklassen für Briefsendungen, das Standardgewicht von 20 Gramm gilt bis heute. Er macht das Briefgeheimnis zum unantastbaren Gesetzt des Postdienstes und regelt die Gebührenordnung für Telegramme.

Unter seiner Flagge fahren Postdampfer in die entlegensten Regionen der Erde und er sorgt für die rasante Verbreitung einer neuen Erfindung, genannt Telefon. Mehr als 2000 Postgebäude im prächtigen Gründerstil lässt er während seiner Amtszeit errichten; viele davon sind heute noch Postämter. Aber der ganze Stolz des Generalpostmeisters Heinrich von Stephan bleibt der Postvereinvertrag. In einer Schrift erläutert er seinen Nutzen am Beispiel "Paket":

"Die Reform erbrachte eine weitgehende Vereinfachung, brachte der Wirtschaft wichtige Vorteile und bot der Postverwaltung eine gerechtere Abgteltung. Der besondere Vorzug aber besteht in der Schaffung des typischen Fünf-Kilo-Paketes, das mit seinen einfachen Betriebsformen den Massenpaketverkehr der Post begründete, den allgemeinen Kleingüterverkehr maßgeblich beeinflusst und sich auch in den Verkehrsbeziehungen der Auslandspost durchgesetzt hat."

Der Experte für Postgeschichte, Dr. Klaus Beyrer, beurteilt die Bedeutung des "Allgemeinen Postvereinsvertrags": "Zumindest für Mitteleuropa war das damals ein Riesenschritt. Im Grunde genommen ist das der erste Ansatz einer Globalisierung. Dass sich so viele Länder zusammentun und eine einheitliche Gebührenregelung sich ausdenken, das ist schon eine großartige Tat."

Heinrich von Stephan stellt die Weichen für den Massenbriefverkehr, den wir heute kennen. Ein Brief kostet seither je nach Gewicht den selben Betrag. Egal, ob er ein Haus weiter, oder quer durch das ganze Land transportiert wird.

Ein Problem setzt von Stephan damit in die Welt, das ebenfalls bis heute existiert: Die Gebühren decken nur schwer die Kosten. Heinrich von Stephan akzeptiert das, denn für ihn hat das Staatsunternehmen Post nur eine Aufgabe: Dienstleistung.

Autorin: Catrin Möderler
   
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