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29.9.1990: Erster Weltkindergipfel
Im Uno-Gebäude am East River in New York wurde der bis dahin größte "Runde Tisch" aller Zeiten aufgebaut. Das Kinderhilfswerk der Uno, die Unicef, hatte zum ersten Weltkindergipfel nach New York eingeladen. Staatsoberhäupter und Regierungsvertreter aus 150 Ländern kamen dort am 29. und 30. September 1990 zusammen.

Strategien zur Senkung der Kindersterblichkeit und zur Bekämpfung der Armut wurden ebenso besprochen wie eine bessere Gesundheitsfürsorge. Man wollte die Welt daran erinnern, dass es trotz aller Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten keinen Grund gab, die Hände in den Schoß zu legen.

Michael Klaus, ehemaliges Mitglied der Geschäftsleitung von Unicef Deutschland, blickt zurück: "Also politisch und auch historisch gesehen hatte dieser Weltgipfel für Kinder schon eine sehr außergewöhnliche Bedeutung. Man muss sich vorstellen, das war damals noch nicht üblich, diese großen Veranstaltungen in dieser Art. Und das war das erste Mal, dass so viele Staats- und Regierungschefs zusammenkamen, um sich einem Thema zu widmen."

Das feierliche Versprechen einer besseren Zukunft für alle Kinder war der Höhepunkt des Gipfels. Die Teilnehmer verabschiedeten eine Deklaration mit konkreten Entwicklungszielen. Sie sollten innerhalb von zehn Jahren verwirklicht werden. Beispiele sind: Die Sterblichkeitsrate der Kinder unter fünf Jahren sollte um ein Drittel gesenkt werden, die Zahl der unterernährten Kinder sollte halbiert werden, bis zum Ende des Jahrtausends sollte jedes Kind Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und alle Kinder auf der Welt sollten ein Minimum an Bildung erhalten.

Michael Klaus: "Der Hintergrund dabei war die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention nur ein Jahr vorher, die eine enorme Bewegung in das ganze Engagement für Kinder gebracht hatte, was sich dann eben auch nieder schlug bei diesem Weltkindergipfel. Man hat damals ja 27 Entwicklungsziele festgeschrieben, und die sind bis heute verbindliche Grundlage in allen Länderprogrammen, wo Unicef zum Beispiel tätig ist, in160 Ländern. Da ist also schon einiges in Bewegung geraten."

Bis zum Jahr 2000 konnten einige Erfolge erzielt werden. Doch viele Vorgaben sind heute immer noch nicht erreicht. Die Kindersterblichkeit ist weiter zurückgegangen. 1990 starben weltweit Jahr für Jahr noch 15 Millionen Kinder, im Jahr 2000 waren es etwa über elf Millionen.

Dennoch zeichnete sich ab, dass die Senkung um ein Drittel noch nicht überall zu schaffen ist. Im Jahr 2000 wachsen 600 Millionen Kinder in extremer Armut auf, über 250 Millionen werden als billige Arbeitskräfte, Prostituierte oder Soldaten ausgebeutet. Unerreicht ist auch das Ziel, jedem Kind zumindest eine Grundbildung zu ermöglichen.

Im Bericht zur Jahrhundertwende kommt Unicef zu dem traurigen Schluss: An der Schwelle zum 21. Jahrhundert leben weltweit mehr Kinder in Armut als noch 1990. Von einem Scheitern des ersten Weltkindergipfels könne dennoch nicht die Rede sein, so Michael Klaus. Er erinnert daran, dass in den Jahren nach dem ersten Gipfel Probleme aufgetaucht sind, deren Ausmaß 1990 noch nicht absehbar war. Dazu gehören der Ausbruch vieler Bürgerkriege nach dem Ende der Blockkonfrontation sowie die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids. Der Gipfel habe es geschafft, die Situation von Kindern weltweit auf die politische Tagesordnung zu bringen.

Kritisch bemerkt Klaus: "Die Ziele waren teilweise offenbar zu hoch gesteckt, das war nicht realistisch und umsetzbar. Es hat sich auch gezeigt, dass die Regierungen, die als einzige Ansprechpartner bei der Umsetzung ins Visier genommen wurden, teilweise zu schwach waren, teilweise zu sehr verstrickt auch in ihr Verschuldungsproblem sind, teilweise aber auch ganz einfach falsche politische Prioritäten setzen."

Zur Erinnerung: Hätten sich alle Industrieländer an das vereinbarte Ziel gehalten, 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe bereitzustellen, hätten dafür jährlich zusätzlich 100 Milliarden Dollar zur Verfügung gestanden , mehr als für eine soziale Grundversorgung der ärmsten Menschen auf der Welt nötig wäre.

Autorin: Nicole Engelbrecht
   
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